Anleger im Rausch Der blinde Glaube ans goldene Glück

Der Goldrausch ist unheimlich: Anleger vertrauen blind auf die Sicherheit des glänzenden Edelmetalls, und der Goldkurs steigt und steigt. Fondsberater heizen die Stimmung zusätzlich an - ein Ende der Erfolgsstory ist nicht absehbar. Dabei stecken Goldanlagen voller Risiken.

Von Arne Gottschalck und Karsten Stumm


Hamburg - Die Welt hat sich verändert: Wechselten früher harte Goldtaler den Besitzer, sind es heute oft nur noch virtuelle Penunzen. Doch gleich ob Bargeld oder Bits, Vergangenheit und Gegenwart eint die Tatsache, dass Gold Chart zeigen der Inbegriff des Wertes ist. Und der steigt - ohne dass ein Ende absehbar wäre.

"Der Preis wird klettern. Wir haben einen intakten Aufwärtstrend, der auch durch den Preisrutsch von 730 auf 580 Dollar pro Unze nicht beschädigt wurde. Wir steuern also auf neue Höchstkurse zu", sagt Martin Siegel, Manager des Investmentfonds PEH Q-Goldmines Chart zeigen. Auch die Banker von Merrill Lynch rechnen damit, dass der Goldpreis noch auf 725 Dollar steigen wird. Sogar 1000 Dollar werden genannt, wie etwa von dem Münchener Vermögensverwalter Jens Ehrhardt.

Analysten stützen ihre Meinung gerne mit der Theorie des Superzyklus'. Diese besagt, dass Länder wie Indien oder China so hohen Nachholbedarf zur Industrialisierung haben, dass sie auf Jahre hinaus große Rohstoffmengen aufkaufen. Und diese hohe Nachfrage soll für steigende Preise sorgen. "Die Jahresproduktion der weltweiten Goldminen in Höhe von rund 50 Milliarden Dollar geht zu 100 Prozent in die industrielle Verarbeitung und für Anlagezwecke wird derzeit nur das Gold der Notenbanken verwendet", sagt Eberhard Weinberger von der Vermögenswaltung Jens Ehrhardt.

Förderkapazitäten wie im Jahr 1931

Tatsächlich wird Gold für die Industrie immer wichtiger. In der Elektronik zum Beispiel wird das Metall als Edelbauteil verwendet, da es sehr leitfähig und rostbeständig ist. Oder in der Medizin - denn Bakterien haben kaum Chancen, sich auf Gold anzusiedeln. Oder als Katalysator, ebenso bei der Herstellung von Superleitern und von Brennstoffzellen.

"Es wurden neue Möglichkeiten entdeckt, Gold zu nutzen", erklärt Jim Rogers, selbst erfolgreicher Anleger. "Je reicher Asien wird, umso mehr wird nachgefragt." Und selbst wenn Indien, einer der Hauptabnehmer für Gold Chart zeigen zur Schmuckproduktion in die Krise schlittern sollte, dürfte das von der aus dem steigenden Wohlstand folgenden Nachfrage abgefedert werden, sagt Rogers.

Die Erfolgsgeschichte des Goldes kann man auch etwas volkswirtschaftlicher fassen und bei der Geldmenge ansetzen. Diese wächst jedes Jahr um acht Prozent, sagt Siegel, "während sich das Angebot nur um zwei Prozent vergrößert. Daher steigt der Goldpreis." Die Kapazitäten der Minen lassen sich nicht so schnell ausbauen - und manche Erzeugerländer fallen sogar deutlich hinter ihre Goldproduktionen der Vorjahre zurück. "Südafrikas Goldproduktion ist mittlerweile auf dem Niveau des Jahres 1931 angekommen", sagt Weinberger.

"Haben die Menschen Sorgen, investieren sie in Gold"

Als zusätzlicher Preistreiber für das Edelmetall Gold könnten sich die Geldanlagen jener Investoren erweisen, die zumindest einen Teil ihres Kapitals besonders vorsichtig und wertstabil für die Zukunft anlegen wollen. Fondsmanager Siegel erklärt es so: "Haben die Menschen Sorgen, dann investieren sie in Gold. Das ist die einzige Möglichkeit, Sicherheit zu kaufen. Immobilien würden das Gleiche leisten, aber die sind nicht so klein zu stückeln wie Gold", erklärt Fondsmanager Siegel.

Vor allem Anleger, die für das Alter vorsorgen, greifen gerne auf Gold zurück. "Die Inflation nagt an vielen Kapitalanlagen, die so über Jahre einen gehörigen Teil ihres zwischenzeitlichen Ertrags einbüßen können. Bei Gold ist das anders. Inflation kann Anlagen in diesem Edelmetall nichts anhaben", sagt Jürgen Grosche, der ebenfalls darüber nachdenkt, für die Altersvorsorge auf Goldinvestments zurückzugreifen.

Echte Barren bevorzugt

Kein Einzelfall, sagt auch Dominik Lochmann - und er sollte es wissen. Er leitet die Scheideanstalt Edelmetall Service, die sich auf den Verkauf von Wertmetallbarren spezialisiert hat. "Seit einem Jahr hat die Nachfrage nach Gold Chart zeigen um 20 Prozent angezogen", berichtet er. "Die Leute wollen einfach keine virtuellen Werte mehr haben." Der Publikumsrenner bei ihm ist übrigens der 100-Gramm-Barren. So schwer wie eine Tafel Schokolade, ist er "kleiner als eine Streichholzschachtel", so Lochmann.

Aber nicht nur in Konfektportion wird Gold gekauft, sondern auch en gros. "Die Inder kaufen, die Chinesen und die Venezolaner", so Siegel, und das schlägt sich mittlerweile auch in den Verkaufsstatistiken der Experten nieder. "Im Jahresvergleich stieg die wertmäßige Goldnachfrage um 37 Prozent", hat das World Gold Council errechnet.

Davon kann mittlerweile nahezu jeder Anleger profitieren. Wurde Gold früher nur von Reichen in schweren Schatullen gehortet, steht ein Investment heute praktisch jedem offen. Die Anlage ist zudem auch mittels Investmentfonds und Zertifikaten möglich. Fondsmanager wie Evy Hambro können also die Aktien von Minenunternehmen wie Xstrata Chart zeigen oder Newmont Mining Chart zeigen kaufen, aber auch solche von Ausrüstern, die die Minengesellschaften zum Beispiel mit Speziallastwagen versorgen. Und immerhin, für seinen Minenfonds hat er den Goldanteil jüngst erhöht.

Zertifikate setzen im Vergleich zumeist auf eine weniger aktive Methode. Sie bilden einen Index nach, sei es der TSX Global Gold Index von Standard & Poor's (S&P) oder der Amex Gold Bugs Index. Steigt der Index, steigt auch das Investment. Und umgekehrt.

Risiko Währungsschwankungen

Ohne Risiken ist allerdings auch das Goldinvestment nicht. Währungsschwankungen beispielsweise können Goldinvestoren schwer zusetzen. Im Moment scheinen sie zwar auf der Sonnenseite zu stehen, gehen sinkende Dollar-Preise doch nicht selten mit anziehenden Goldnotierungen einher. So auch zurzeit: Seit Mitte Oktober fällt der Dollar-Kurs deutlich und im Gegenzug steigen die Goldnotierungen.

Längst spekulieren Anleger deshalb auf mehr, denn der Währungsschub scheint noch intakt zu sein. "Zinserhöhungserwartungen in der Euro-Zone und die Konjunkturabkühlung in den USA haben den Euro deutlich über die Marke von 1,30 Dollar getrieben. Konjunkturell und strukturell spricht derzeit vieles dafür, dass die Gemeinschaftswährung gegenüber dem Dollar weiter zulegen könnte", meint die Deutsche-Bank-Fondstochter DWS.

Vermögensverwalter Weinberger hält sogar einen längeren Aufschwung für möglich. "Gold könnte zunehmend eine Art Sicherungsankerfunktion gegenüber einem schleichenden inflationsbedingten Wertverfall des US-Dollars übernehmen", sagt er.

Doch was, wenn der Dollar wieder zulegt? Zwischen 1996 und dem Jahr 2001 beispielsweise erlebte die US-Währung eine deutliche Aufwertungsphase - und im Laufe dieser fünf Jahre fiel der Preis für eine Unze des Edelmetalls von mehr als 400 auf gut 250 Dollar.

Ohnehin hat der Goldkurs in der Vergangenheit oft größere Sprünge hingelegt. Im Jahr 1980 beispielsweise stand der Preis für Gold bei rund 850 Dollar - um dann bis zum Frühjahr 1985 auf unter 300 Dollar je Unze hinunterzurasseln und sich lange Zeit nicht zu erholen. Seit der Jahrtausendwende ging es plötzlich von 250 auf 650 Dollar aufwärts. Anleger, die an einer stetigen Wertentwicklung ihres Investments interessiert sind, sollten das bedenken.

Für erhebliche Kursschwankungen auf dem Goldmarkt könnten in Zukunft auch die Zentralbanken sorgen. Europas Notenbanken allein dürfen 500 Tonnen pro Jahr verkaufen, das Gold-Weltmarktvolumen umfasst derzeit aber nur rund 3500 Tonnen. Bleibt es dabei, würden schlagartige Zentralbankverkäufe in der Größenordnung von 500 Tonnen die Goldnotierung durchaus unter Druck setzen. "Bisher allerdings bleiben die Zentralbanken deutlich unter ihrer 500-Tonnen-Schwelle", sagt Robeco-Expertin Biasizzo.

Ertragschancen auf der einen Seite, Währungs- und Marktrisiken auf der anderen - vielleicht braucht es ein wenig Kreativität, um die richtige Entscheidung zu finden. So wie ein Händler. Er soll im Garten eine halbe Tonne Silber vergraben haben. Verborgen durch eine Betonplatte unter der Sandkiste seines Sohnes.



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