Ferienwochenende Annullierte Starts, teure Tickets und 3000 vermisste Koffer – Flugchaos am Freitag

Seit Wochen kämpft Deutschlands Luftfahrt mit Schwierigkeiten, an diesem Wochenende aber kommt noch mehr zusammen: Warum sich die Lufthansa 400 Euro für Inlandsflüge bezahlen lässt – und in München 3000 herrenlose Koffer liegen.
Check-in-Schalter am Flughafen München

Check-in-Schalter am Flughafen München

Foto: Sven Hoppe / dpa

Für Deutschlands Luftfahrt sind es nicht nur kleine Turbulenzen, sondern ein perfekter Sturm: Zwei norddeutsche Bundesländer starten in die Schulferien, für Familien in Nordrhein-Westfalen steht die zweite Ferienwoche bevor – und Deutschlands Flughäfen waren schon vor diesem Tag mehr als nur ein bisschen überlastet. Das Ergebnis: Chaos allerorten. Und der verzweifelte Versuch, dagegen anzukommen.

In Hamburg hat der Flughafen an diesem Freitag bereits um 3.15 Uhr die Terminals geöffnet und um 3.30 Uhr die Check-in-Schalter aufgemacht. Laut Bundespolizei mussten manche Reisende jedoch schon derart früh erhebliche Wartezeiten auf sich nehmen und standen bis zu 60 Minuten vor den Sicherheitskontrollen. Ein zeitgleicher Streik des Technikpersonals machte dem Flughafen zusätzlich zu schaffen: Beschäftigte einer Firma, die für die Instandhaltung der Technik in der Gepäckbeförderung, der Startbahnen und anderer technischer Infrastrukturen zuständig ist, sind in einen eintägigen Warnstreik getreten – bislang aber ohne größere Auswirkung auf den Flughafenbetrieb, wie eine Sprecherin des Flughafens sagte. Die Wartezeiten sind auch so schon lang genug.

Feuerwehr hilft beim Gepäck

Der Köln/Bonner Flughafen warnte dementsprechend vor einer allzu kurzfristigen Anfahrt. Die Reisenden sollten mindestens zweieinhalb Stunden vor Abflug am Airport sein. Dort sind nach wie vor rund hundert Beschäftigte für die Sicherheitskontrollen krank gemeldet. Und weiterhin sagen die Airlines zahlreiche Flüge ab, vermutlich wegen Personalmangels - allein am Düsseldorfer Airport waren es laut Flugplan am Freitag 18 Starts, die annulliert wurden.

Damit nicht genug: In Düsseldorf war neben dem starken Andrang am ersten NRW-Ferienwochenende eine Computerstörung an der Gepäckförderanlage Schuld an den teils chaotischen Zuständen. Spontan half sogar die Düsseldorfer Flughafenfeuerwehr beim Gepäck aus.

3000 Koffer in München

Derweil warten die Besitzer von 3000 Koffern eine Woche nach ihrem Zwischenstopp am Münchner Flughafen noch immer auf ihr Gepäck, wie die Lufthansa bestätigte. Ein Gewitter sowie Einschränkungen bei der Flugsicherung hatten dazu geführt, dass Umsteiger ihren Anschlussflug teilweise nicht erreichen konnten. Die Hälfte dieser 3000 Koffer waren allerdings eigentlich für andere deutsche Flughäfen bestimmt. Sie werden aushilfsweise in München sortiert, um andere deutsche Flughäfen zu entlasten, die mit ihrer Arbeit wegen Personalmangel nicht mehr nachkommen.

Könnte es am Wochenende schlimmer werden? Die Fluggastzahlen in Köln und Düsseldorf dürften ab Samstag leicht unter denen des ersten Ferienwochenendes liegen. Dafür haben in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern die Schülerinnen und Schüler an diesem Freitag ihren letzten Schultag - dann starten in den beiden Nord-Ländern die Sommerferien.

Lufthansa bietet derzeit nur noch Luxus-Tickets

Deutschlands wichtigste Fluglinie reagiert auf den Andrang bereits mit einer ungewöhnlichen Maßnahme: Die Lufthansa hat kurzfristig ihr Ticketangebot für Europa- und Inlandsflüge drastisch eingeschränkt. Über mehrere Tage hinweg können Flüge für Termine im Monat Juli nur noch in den jeweils teuersten Buchungsklassen erworben werden, bestätigte das Unternehmen entsprechende Infos aus Internetforen für Vielflieger.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Nutzer berichten von Economy-Ticketpreisen in der Klasse "Y" von mehr als 1000 Euro von Frankfurt nach London oder Dubai. Einfache Inlandstickets von Frankfurt nach Hamburg oder Berlin sollten 400 Euro kosten. Auch in der Business-Klasse sind nur noch Tickets in der höchsten und damit teuersten Buchungsklasse "J" erhältlich.

Mit der zeitlich begrenzten Maßnahme sollen Plätze für Umbuchungen frei gehalten werden, die sich aus den bereits zuvor angekündigten Flugstreichungen ergeben. In den kommenden Tagen sollen diese Änderungen in das System eingepflegt werden. Lufthansa hat wegen der massiven Kapazitätsprobleme an den Flughäfen und in der eigenen Organisation mehr als 3000 Verbindungen in den Monaten Juli und August gestrichen.

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.