Anstieg der Sparguthaben Deutsche horten in der Pandemie Rekordsummen

Die Bundesbürger haben im vergangenen Jahr so viel Geld auf die Bank gebracht, wie nie zuvor: unglaubliche 1,73 Billionen Euro betragen die privaten Einlagen aktuell. Und kaum jemand rechnet damit, dass die Menschen bald wieder anfangen, es auszugeben.
Das gute alte Sparbuch – gefragt wie selten

Das gute alte Sparbuch – gefragt wie selten

Foto: Oliver Berg/ dpa

Die Deutschen haben in der Coronakrise Unsummen an Geld gehortet . Nach Zahlen der Bundesbank sind die Bankeinlagen der privaten Haushalte von Januar 2020 bis Januar 2021 um 182 Milliarden auf 1,73 Billionen Euro gestiegen. Das geht aus dem Monatsbericht für den März hervor. Auch das Münchner Ifo-Institut schätzt die »Überschussersparnis« 2020 in seiner jüngsten Konjunkturprognose auf 100 Milliarden Euro – und geht davon aus, dass diese Summe im ersten Quartal noch einmal steigt.

Denn weder Ökonomen noch die Finanzszene rechnen mit einem baldigen Konsumboom. Bis Jahresmitte würden die Einlagen weiter anwachsen, sagte Jürgen Groß, Präsident des bayerischen Genossenschaftsverbands GVB, dem Dachverband der Volks- und Raiffeisenbanken im Freistaat. Das zeigten schon de ersten acht Wochen des neuen Jahres. Grund: »Die Verunsicherung bei den Menschen« sei »extrem groß«.

Zudem habe es im vergangenen Jahr deutlich weniger Möglichkeiten für die Verbraucher gegeben, ihr Geld unter die Leute zu bringen, sagt Christian Nau, Geschäftsführer des Kreditbereichs beim Onlineportal Check24. »Urlaubsreisen waren kaum möglich, auch größere Anschaffungen gar nicht so einfach.«

Ein zweiter Grund: »Die Banken sind bei der Kreditvergabe an weniger bonitätsstarke Kunden vorsichtiger geworden«, sagt Nau. »Manche haben Kredite nicht mehr bekommen, die sie vor der Krise noch bekommen hätten.«

Gut möglich, dass sich das erst wieder ändert, wenn Corona vorbei ist. Der private Konsum »steht und fällt mit der Entwicklung der Infektionszahlen und den damit einhergehenden Lockerungen«, meint Konsumforscher Rolf Bürkl von der Nürnberger GfK. »Es ist ein gewisser Nachholbedarf aufgelaufen, gerade wenn ich an Urlaub denke.«

In anderen Bereichen lasse sich einmal Ausgefallenes oder Gestrichenes jedoch gar nicht aufholen: der Friseurbesuch etwa, der Gang ins Kino oder die Pizza im Lokal. Ob es tatsächlich zu zusätzlichen Konsumausgaben im nennenswerten Umfang komme, sei daher »fraglich«, so Ifo-Konjunkturforscher Timo Wollmershäuser.

sbo/dpa
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