Wegwerfgesellschaft Anteil der Einwegflaschen nimmt weiter zu

Getränke in Mehrwegflaschen wären ein gutes Mittel gegen die deutschen Müllberge - wenn die Kundschaft sie denn kaufen würde. Vom angestrebten Ziel entfernen sich die Deutschen immer weiter. Bis auf eine Ausnahme.

Pfand ja, aber die meisten dieser Flaschen werden nicht wieder befüllt
Sebastian Kahnert/ zb/ DPA

Pfand ja, aber die meisten dieser Flaschen werden nicht wieder befüllt


Der Anteil von Mehrwegverpackungen bei Getränken ist weiter gesunken. Im Jahr 2017 wurden nur rund 42 Prozent der Getränke in Mehrwegflaschen abgefüllt. Das teilt das Umweltbundesamt (UBA) mit.

Damit liegt die Mehrwegquote noch einmal 0,5 Prozentpunkte niedriger als 2016. Blickt man zurück auf das Jahr 2010, wird der Rückgang besonders deutlich: Da lag die Quote noch bei 48 Prozent.

Von dem Ziel, das das Verpackungsgesetz vorgibt, ist man damit weit entfernt. Demnach werden langfristig 70 Prozent angestrebt. "Kurze Transportwege und Mehrwegverpackungen sind wichtig, um Umweltbelastungen und Abfälle zu vermeiden", erklärte UBA-Präsidentin Maria Krautzberger. Dafür seien gut funktionierende Mehrwegsysteme nötig. "Alle Supermärkte und Verkaufsstellen von Getränken sollten möglichst viele Getränke in Mehrwegflaschen anbieten und so dazu beitragen, weniger Abfälle zu erzeugen."

Glasflaschen können 50-mal befüllt werden

Der Marktanteil von Einwegkunststoffflaschen lag der Auswertung zufolge nach den zuletzt verfügbaren Daten bei rund 52 Prozent, Dosen erreichten einen Marktanteil von vier Prozent. Da Getränkeverpackungen mehr als ein Viertel der deutschen Verpackungsabfälle ausmachen, würde ein höherer Mehrweganteil den Verpackungsabfall auch insgesamt deutlich reduzieren. Mehrwegflaschen aus Glas könnten laut UBA 50-mal befüllt werden, PET-Mehrwegflaschen immerhin noch 20-mal.

Eine Ausnahme bei den geringen Mehrweganteilen bildet dem UBA zufolge Bier, wo der Mehrweganteil derzeit noch bei knapp 82 Prozent liegt. Doch auch hier wird öfter zur Einwegflasche gegriffen: 2010 lag der Mehrweganteil noch bei gut 88 Prozent.

mamk/afp



insgesamt 238 Beiträge
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Der_Theo 18.09.2019
1. Politisches Versagen
Solange die Politik entscheidungspielraum laesst, wird sich wohl kaum etwas aendern. Man denke nur 4 Jahrzehnte zurueck und vesucht sich an die Durchsetzung von Gurtpflicht und Helpflicht.
weltverbesserer75 18.09.2019
2. Verbot von Einwegflaschen
Es wäre so einfach, in diesem Bereich gegenzusteuern: ein Verbot von Einwegflaschen. Die Bundesregierung hat eine mehr als komfortable Mehrheit im Parlament, dazu würden die Grünen (hoffe ich) zustimmen. Das Problem wäre innerhalb kürzester Zeit komplett gelöst. Wenn man denn wirklich an Umweltschutz interessiert wäre...
chillervonnatur 18.09.2019
3. Soziale Probleme
Grade die Zahlen zur Entwicklung der Bierflaschen zeigen deutlich, dass hier nicht mangelndes Umweltbewusstsein, sondern ein Mangel im Geldbeutel das Problem ist. Gutes Bier, egal ob Hell, Export, Kölsch, Alt oder Weißbier gibt es nunmal nur in Glas. Und ich wage zu bezweifeln, dass die Leute "aus Faulheit" schlechteres Bier, aus schlechterer und bei der Rückgabe umständlicher Verpackung kaufen.
peter_rot 18.09.2019
4. Die "Einweg" PET Flasche ist umweltfreundlicher
Es gibt inzwischen Studien die belegen, dass die PET Einwegflasche umweltfreundlicher ist als die Mehrwegflaschen aus Glas und Kunststoff. Durch den hohen Pfand kommt es zu einem Rücklauft von nahezu 100 %. Das PET wird recyclet und für neue Einwegflaschen oder für Flaschen im Bereich Haushaltsreiniger verwendet. Der Energieaufwand ist deutlich geringer bei Glasflaschen. Man sollte lediglich die Pfandpflicht auf alle Getränke in PET Flaschen ausweiten, also auch auf Säfte etc. Gegenwärtig sieht man die Probleme des Glasmehrwegsystems besonders bei Bierflaschen und Kästen.
rstevens 18.09.2019
5. Die Discounter boomen...
... und haben nur Einwegflaschen im Sortiment. Da sehe ich ganz klar einen Zusammenhang.
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