AOL Time Warner König Case vor dem Fall?

Der Druck auf Steve Case, Internet-Star und Chairman von AOL Time Warner, nimmt zu. Mitglieder des höchsten Kontrollgremiums wollen ihn offenbar vor die Tür setzen.


Neuer Ärger steht bevor: Steve Case
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Neuer Ärger steht bevor: Steve Case

New York - Bei einem Treffen des "Board of Directors" von AOL Time Warner könnte dem Vorsitzenden Case der Posten streitig gemacht werden, berichtet die "New York Times" unter Berufung auf Vertraute von Mitgliedern des Gremiums.

Im "Board" von AOL Time Warner sind neben Case vierzehn Direktoren vertreten, die je zur Hälfte von den Fusionspartnern AOL und Time Warner entsendet wurden. Widerstand gegen Case kommt der "New York Times" zufolge vor allem von Seiten ehemaliger Time-Warner-Direktoren.Wer genau sich gegen Case ausgesprochen habe, wurde laut "New York Times" allerdings noch nicht klar.

Case wolle seine Stellung jedoch auf jeden Fall beibehalten, zitiert das Blatt Unternehmenskreise. Zudem habe Case genug Unterstützung von den Anteilseignern, um auch einer offenen Auseinandersetzung standhalten zu können. Bei der spektakulären Fusion von AOL und Time Warner hatte Case nämlich durchgesetzt, dass er nur von einer Dreiviertel-Mehrheit der Direktoren gestürzt werden kann.

Um den eigenen Rausschmiss zu verhindern, braucht Case neben seiner eigenen nur drei Stimmen. In Unternehmenskreisen gilt es als sicher, dass Case diese Sperrminorität erreicht, da die beiden Gremiumsmitglieder Kenneth Novak und Mils Gilburne als enge Freunde von Case gelten. Auch der Wagniskapitalgeber Frank Caufield würde laut "New York Times" bei einer Kampfabstimmung eher für Case votieren.

Im kommenden Frühling bietet sich den Case-Gegnern allerdings eine neue Chance. Bei der jährlichen Hauptversammlung haben die Aktionäre die Möglichkeit, Case als ihren höchsten Vertreter abzuwählen. Die Aktien von AOL Time Warner sind seit dem Zusammenschluss der Unternehmen um mehr als 70 Prozent gefallen.

Den Angaben zufolge haben sich auch große Anteilseigner von AOL Time Warner für eine Ablösung von Case ausgesprochen. So sollen sowohl Liberty-Chef John Malone als auch der ehemalige Medientycoon Ted Turner zugesichert haben, einen Rausschmiss von Case zu befürworten.



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