Metallindustrie Arbeitgeber und IG Metall einigen sich auf Not-Tarifvertrag

Die Tarifpartner in der Metallindustrie haben sich auf eine Nullrunde geeinigt. Das soll den Unternehmen helfen, durch die Coronakrise zu kommen.
Stahlherstellung in Brandenburg: "Wertvolle Planungssicherheit"

Stahlherstellung in Brandenburg: "Wertvolle Planungssicherheit"

Foto: Monika Skolimowska / picture alliance/dpa

In der Metall- und Elektroindustrie haben die Tarifpartner einen Pilotabschluss in Nordrhein-Westfalen erzielt. Unter dem Eindruck der Coronakrise einigten sich IG Metall und Arbeitgeber darauf, die Löhne in diesem Jahr nicht zu erhöhen. Arbeitnehmer mit kleinen Kindern erhalten zusätzliche freie Tage, und Kurzarbeiter können auf Zuzahlungen setzen. Mit dem Abschluss sind die regionalen Verhandlungen für die rund vier Millionen Beschäftigten bundesweit faktisch bis zum Jahresende ausgesetzt worden.

Beide Seiten begründeten den Schritt mit den wirtschaftlichen Unsicherheiten durch die Coronakrise. "Niemand weiß zurzeit, wie lange und in welchem Ausmaß die Corona-Pandemie die gewohnten Formen des Miteinanderlebens und -arbeitens noch beeinträchtigen wird. Die Verunsicherung bei vielen Beschäftigten ist groß", sagte der Düsseldorfer Bezirksleiter der IG Metall, Knut Giesler.

Der Präsident der NRW-Metallarbeitgeber, Arndt G. Kirchhoff, sagte, der Kompromiss habe das Ziel, Unternehmen nicht weiter zu belasten und Beschäftigte zu unterstützen. "In dieser außergewöhnlich schwierigen Situation bietet dieser Tarifabschluss unseren Unternehmen und unseren Beschäftigten wertvolle Planungssicherheit."

Tarifvertrag bis zum Jahresende verlängert

Der Not-Abschluss verlängert den eigentlich zum 31. März gekündigten Entgelt-Tarifvertrag bis zum Jahresende 2020 ohne weitere Erhöhungen. Außerdem sollen soziale Härten bei der Kurzarbeit gelindert werden, berichteten beide Seiten. Dabei soll es keinen allgemeinen Zuschuss zum Kurzarbeitergeld geben, sondern eine feste Summe von 350 Euro pro Mitarbeiter, die nach dem Willen der Betriebsparteien, also Geschäftsführung und Betriebsrat, verteilt werden soll.

Beschäftigte mit Kindern bis zwölf Jahre sollen bis zu fünf freie Tage zur Kinderbetreuung erhalten, wenn sie zuvor ihre Arbeitszeitkonten abgeräumt und weitere tarifliche Möglichkeiten für freie Tage ausgeschöpft haben.

Die IG Metall hatte ursprünglich auf eine konkrete Lohnforderung verzichtet und wollte stattdessen umfangreiche Vereinbarungen erreichen, um die Jobs in den anstehenden Modernisierungsschüben zu sichern. Außerdem wollte die Gewerkschaft Regelungen verankern, wie Unternehmen bei Auftragsflauten reagieren. Stichworte dazu sind Qualifizierungen, Stopp von Mehrarbeit, Nutzung von Arbeitszeitkonten und Aufzahlungen bei Kurzarbeit. Diese komplexe Materie wurde nun bis auf Weiteres vertagt.

mik/dpa-AFX