Arbeitnehmerwut Zehntausende protestieren bei Daimler

Erst Fackelmärsche in Düsseldorf, dann Demonstrationen im Hauptwerk und in Bremen: Mehrere zehntausend Beschäftigte von DaimlerChrysler haben ihre Proteste gegen die Sparpläne des Vorstands gestartet. Der Betriebsratschef schimpfte lauthals: "Das kotzt mich an."



Stuttgart - Die Belegschaft wehrt sich gegen die Drohung des Vorstands, die Produktion der neuen C-Klasse aus Kostengründen von Sindelfingen nach Bremen und Südafrika zu verlagern. Das könnte 6000 der über 30.000 Jobs in Sindelfingen kosten, wenn die Beschäftigten sich nicht auf Zugestädnisse einlassen. Mercedes-Chef Jürgen Hubbert verlangt Einsparungen von 500 Millionen Euro pro Jahr.

Die Proteste in allen deutschen Mercedes-Werken hatten in der Nacht mit einem Fackelzug von 600 Arbeitern in Düsseldorf begonnen. Auch in Hamburg und Berlin standen die Produktionsbänder vorübergehend still. Auf den Plakaten der Arbeiter in Sindelfingen stand "Es ist Krieg" oder "Wer Wind sät, wird Sturm ernten". Die Arbeit am Hauptwerk ruhte für zwei Stunden.

Am Vormittag haben auch im Mercedes-Werk Bremen die rund 4000 Beschäftigten der Frühschicht ihre Bänder verlassen. Sie ließen sich vom Betriebsrat über den aktuellen Stand des Konflikts unterrichten. Die Pläne des Vorstands wurden dabei teilweise mit anhaltenden Pfiffen quittiert. Im DeutschlandRadio Berlin hatte Betriebsratssprecher Uwe Werner zuvor Versuche kritisiert, Werke gegeneinander auszuspielen.

"In die Tarifverträge wird nicht eingegriffen"

Gesamtbetriebsratschef Erich Klemm sagte, der Betriebsrat habe den Verzicht auf Lohnzuwächse in Höhe von 180 Millionen Euro angeboten. Eine halbe Milliarde Euro, wie vom Vorstand angepeilt, sei völlig abwegig. Zwischen diesen Zahlen müsse ein Kompromiss gefunden werden.

Am Standort Bremen sind die Arbeitskosten deutlich niedriger als in Sindelfingen. Dort bekommen die Arbeiter unter anderem höhere Zuschläge für Spätschichten und eine Extra-Pause von fünf Minuten pro Arbeitsstunde ("Steinkühler-Pause"). Diese von Hubbert angestoßene Diskussion "kotzt mich an", so Klemm, der auch Vize im Daimler-Aufsichtsrat ist. Die Erholzeiten in der Montage seien bereits halbiert worden. Sindelfingen sei außerdem der profitabelste Betrieb im Konzern. Den Tarifvertrag erklärte Klemm für unantastbar. "In die Tarifverträge wird nicht eingegriffen", sagte er.