Arbeitsbelastung Zwei Drittel aller Deutschen arbeiten mehr als 40 Stunden

35, 38 oder 40 Stunden in der Woche: Davon kann die Mehrheit der deutschen Arbeitnehmer nur träumen. Nach eigenen Angaben arbeiten knapp zwei Drittel der Beschäftigten in Deutschland mehr als 40 Stunden pro Woche - obwohl sie nicht immer vertraglich dazu verpflichtet sind.

Dortmund - Die Mehrheit der Deutschen kann wahrscheinlich nur müde lächeln, wenn über eine Verlängerung der Wochenarbeitszeit diskutiert wird. Denn anders als oft beklagt, arbeiten schon heute zwei Drittel der Beschäftigten mehr als die vereinbarte Stundenzahl. Entsprechend äußerten sich 61 Prozent von 20.000 Befragten einer heute von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin und dem Bundesinstitut für Berufsbildung vorgestellten Studie. Nur ein Drittel hat allerdings entsprechende Arbeitsverträge, ergab die Studie. Viele Beschäftigte gehen außerdem Nebentätigkeiten nach, so dass etwa jeder Fünfte über 48 Stunden in der Woche erwerbstätig ist.

Aber nicht nur gemessen an der Anzahl der Arbeitsstunden liegt die Belastung höher als gemeinhin vermutet. Jeder vierte zum Beispiel muss gelegentlich auch mal außerhalb der regulären Dienstzeiten ran. An Wochenenden fällt für 70 Prozent nicht selten der Samstag und für 40 Prozent der Sonntag als Ruhetag aus. Etwa jeder Fünfte kennt Nachtarbeit aus eigener Erfahrung. Der Anteil der Erwerbstätigen, die Bereitschaftsdienst leisten, liegt ähnlich hoch.

Mehr als die Hälfte der Befragten gibt an, Termin- und Leistungsdruck ausgesetzt zu sein. Fast 60 Prozent der Betroffenen empfinden dies als belastend. Ähnlich verhält es sich mit Störungen bei der Arbeit. Den eigenen Gesundheitszustand beurteilt jeder zehnte Beschäftigte denn auch als weniger gut oder schlecht. Schmerzen im Nacken, Rücken und an den Schultern sowie allgemeine Erschöpfungszustände führen die Liste der gesundheitlichen Beschwerden an. Insgesamt zeigten die Beschäftigten den Angaben zufolge jedoch eine hohe Arbeitszufriedenheit.

Bei der fünften Erwerbstätigen-Befragung wurden zwischen Oktober 2005 und März 2006 Erwerbstätige ab 15 Jahren mit einer Arbeitszeit von mindestens zehn Stunden pro Woche telefonisch befragt. Zuletzt hatte es 1998/99 eine Erwerbstätigen-Befragung gegeben.

sam/dpa

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