Arbeitskämpfe Bsirske sieht das Ende der Streiks

Ver.di-Chef Frank Bsirske rechnet mit einem Ende der Streiks im Öffentlichen Dienst noch in diesem Monat. Auch in der Metallindustrie kommt Bewegung in den Tarifkonflikt. Nur bei den Klinikärzten deutet sich noch kein Ende der Arbeitskämpfe an.


Hamburg - "Die Streiks zeigen Wirkung", sagte der Vorsitzende der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di, Frank Bsirske, heute im ARD-Morgenmagazin. Zugleich unterstrich er seine Hoffnung, noch im April zu einem Abschluss im Tarifstreit im Öffentlichen Dienst zu kommen. Bsirske sagte, er habe den Eindruck, dass in der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) "die Kräfte stärker werden, die eine Verhandlungslösung befürworten". Ein Verhandlungsergebnis dürfe nicht eine "K.o.-Niederlage" der einen oder anderen Seite sein.

Die Streiks der Beschäftigten im Öffentlichen Dienst der Länder dauern bereits zehn Wochen an. Bsirske rechtfertigte die Arbeitsniederlegungen: "Ver.di kommt nicht nur unbeschadet, sondern gestärkt" aus der Auseinandersetzung, sagte er dem Berliner "Tagesspiegel". "Wir haben den längsten und härtesten Arbeitskampf, den es im Öffentlichen Dienst je gab, durchgestanden. In den betroffenen Bereichen haben wir 25.000 neue Mitglieder gewonnen und den Angriff der Arbeitgeber weitestgehend abgewehrt."

Die TdL dringt auf längere Arbeitszeiten ihrer Bediensteten, Ver.di will das verhindern. Für den Öffentlichen Dienst der Kommunen wurden nach wochenlangen Streiks differenzierte Verlängerungen der Arbeitszeit vereinbart.

Auch im seit zehn Wochen andauernden Tarifkonflikt in der deutschen Elektro- und Metallbranche kommt Bewegung. Die Metallarbeitgeber kündigten heute vor der sechsten Tarifrunde in Nordrhein-Westfalen ein verbessertes Angebot an. Die IG Metall kündigte an, sollte es bis Ende des Monats nicht zu einer Einigung kommen, seien Urabstimmungen und Streiks die Folge.

Metall-Arbeitgeber erhöhen ihr Angebot

Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser sagte im Deutschlandfunk, die Arbeitgeber wollten ihr Angebot auf zwei Prozent mehr Lohn und Gehalt erhöhen. Die IG Metall könne aber auch nicht bei ihrer Forderung nach fünf Prozent plus bleiben. Bislang hatten die Arbeitgeber eine Einkommenserhöhung von 1,2 Prozent bei 24 Monaten Laufzeit sowie monatliche Einmalzahlungen von 0,6 und 0,4 Prozent angeboten.

Die IG Metall rief heute zu Warnstreiks auf. Unter anderem legten rund 1000 Beschäftigte der Frühschicht von DaimlerChrysler in Düsseldorf vorübergehend die Arbeit nieder.

Die Klinikärzte setzen derweil ihren seit fünf Wochen dauernden Arbeitskampf um bessere Vergütung und Arbeitsbedingungen fort. In München, Heidelberg, Freiburg, Ulm, Tübingen, Leipzig und Köln ließen nach Angaben der Ärztegewerkschaft Marburger Bund rund 2000 Mediziner die Arbeit ruhen. Nach Ver.di-Angaben hat der Ausstand an 14 Uni-Kliniken bislang zu Einnahmeausfällen von rund 150 Millionen Euro geführt. Bsirske erklärte, er erwarte auch hier eine Beendigung des Konfliktes in den nächsten beiden Wochen. Der Marburger Bund erwartet morgen rund 3000 Mediziner aus ganz Deutschland zu einer bundesweiten Kundgebung in Leipzig. In der Berliner Charité soll am Donnerstag mit einer Urabstimmung über einen unbefristeten Streik der 2200 Ärzte entschieden werden.

kaz/dpa/dpa-AFX/AFP/ddp



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