Arbeitskampf Streiks bei DaimlerChrysler und Porsche

Tausende Metaller haben den erste Streik in der Metall- und Elektroindustrie seit sieben Jahren eingeläutet. Ganz vorne dabei sind die schwäbischen Autobauer, rund 50.000 Metaller sollen heute laut IG Metall die Arbeit niederlegen.


Streikposten bei Porsche: Kurz, aber deutlich
DPA

Streikposten bei Porsche: Kurz, aber deutlich

Sindelfingen - Den Auftakt zu dem Arbeitskampf hatten am Sonntag knapp 2000 Beschäftigte der Nachtschicht im Mercedes-Benz-Werk in Sindelfingen gemacht. Insgesamt hat die IG Metall am Montag rund 50.000 Beschäftigte in 20 baden-württembergischen Betrieben aufgefordert, sich an dem Streik zu beteiligen. Betroffen sind unter anderem Werke von DaimlerChrysler, Porsche, Audi und vom Landmaschinen-Hersteller John Deere. Im Laufe der Woche sollen dann noch etwa 50 andere Betriebe an die Reihe kommen.

Die Gewerkschaft werde den Kampf entschlossen führen, bis ein akzeptables Ergebnis erreicht sei, sagte IG-Metall-Chef Klaus Zwickel am Montagmorgen vor rund 600 Metallern vor dem Haupttor des Sportwagenherstellers Porsche in Stuttgart-Zuffenhausen.

Bei DaimlerChrysler traten neben den Beschäftigten im Werk Sindelfingen auch die Mitarbeiter in in Rastatt und in Teilen des Stammwerks in Stuttgart-Untertürkheim in den Ausstand. Beim Mannheimer Landmaschinenproduzenten John Deere streikten am Montagmorgen in Mannheim 1800 Beschäftigte. Rund 200 IG-Metall-Mitglieder demonstrierten vor den Werkstoren. In Sindelfingen hielten sich die Streikposten bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt mit Sprechchören und heißem Kaffee warm.

Mit der flexiblen Taktik, die einzelnen Firmen nur tage- oder schichtweise lahm zu legen, sollen nach Angaben der Gewerkschaft Fernwirkungen auf Lieferanten und Kunden möglichst gering gehalten werden. Ziel des Streiks ist eine Lohn- und Gehaltserhöhung um 6,5 Prozent. In den Verhandlungen hatte die IG Metall allerdings Entgegenkommen für einen Abschluss um die vier Prozent signalisiert. Die Arbeitgeber boten zuletzt 3,3 Prozent für 13 Monate.

Die Kosten wegen des Arbeitsausfalls gehen für die betroffenen Betriebe in die Millionen-Höhe. Bei Porsche wurden nach Auskunft des Unternehmens am ersten Streiktag 145 Sportwagen nicht gebaut. Der Umsatzausfall wurde auf rund 10 Millionen Euro beziffert. Bei der Konkurrenz mit dem Stern werden täglich 4.000 Autos in den inländischen Werken gebaut. DaimlerChrysler rechnete damit, dass über 2.000 Wagen der Marke Mercedes nicht vom Band rollen werden.

DaimlerChrysler hatte seine Lieferanten für das Sindelfinger Werk vorgewarnt. Sonst wäre es zu einem Verkehrschaos gekommen. Rund 4.000 Lastwagen liefern täglich Material an. Das war am ersten Streiktag nicht der Fall.

Dem baden-württembergischen IG Metall-Bezirksleiter Berthold Huber, der als nachdenklicher Mensch gilt, kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. Freunde sagen, dass Huber die Forderung der IG Metall in Höhe von 6,5 Prozent zu hoch fand, die Rechnung aber nicht ohne seine Kollegen in anderen Bezirken - vor allem Bayern und Nordrhein-Westfalen - und den IG-Metall-Vorstand machen konnte. Nach Einschätzung von Tarifexperten lief diese Forderung, die deutlich über der in anderen Branchen lag, von Anfang an auf einen Streik hinaus. Über jeder Absprache Hubers mit den Funktionären in der Frankfurter Zentrale steht zudem noch sein inoffizielles Duell mit dem IG-Metall-Vize Jürgen Peters um die Nachfolge des obersten Metallers Klaus Zwickel im kommenden Jahr.



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