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19. April 2008, 15:30 Uhr

Arbeitskampf

Ver.di kündigt unbefristete Streiks bei der Post an

Im Tarifkonflikt mit der Deutschen Post sucht Ver.di die Konfrontation. Ab 2. Mai sollen die Arbeitnehmer in den unbefristeten Streik treten. Das hat die Tarifkommission der Gewerkschaft am Nachmittag beschlossen.

Düsseldorf - Die Tarifkommission reagierte mit dem Beschluss auf das Scheitern der Verhandlungen zu Arbeitszeit und Kündigungsschutz mit der Post. Beide Seiten hatten sich nach einem Verhandlungsmarathon in der Nacht nicht über ein Paket mit Lohn und Arbeitszeiten einigen können. Die zweitägigen Tarifverhandlungen waren ohne Vereinbarung eines weiteren Termins beendet worden.

Mitarbeiter der Deutschen Post beim Warnstreik in Hamburg: Der Arbeitskampf eskaliert
DDP

Mitarbeiter der Deutschen Post beim Warnstreik in Hamburg: Der Arbeitskampf eskaliert

Die Weichen für den Arbeitskampf sollen jetzt in einer Urabstimmung vom 25. bis 29. April gestellt werden. Ein Ergebnis soll am 30. April vorliegen.

Die stellvertretende Ver.di-Vorsitzende Andrea Kocsis betonte jedoch, ihre Gewerkschaft sei auch schon vorher in der Lage, weitere Warnstreiks zu organisieren. "Die Beschäftigten sind stinksauer und sie werden das der Deutschen Post AG in den kommenden Tagen eindrucksvoll beweisen", kündigte sie an.

Zur Streiktaktik wollte sich Kocsis nicht konkret äußern. Man wolle die Post treffen und die eigene Strategie deshalb nicht bekannt geben. Auch vor dem Beginn des unbefristeten Streiks müssen sich die Kunden laut Ver.di darauf einstellen, "dass die Beschäftigten der Post in den nächsten Tagen ihren Unmut äußern werden". Die Post müsse sehen, wie sie "mit diesem Arbeitskampf umgeht". Ver.di könne dem Management jetzt nur noch empfehlen, "zur Besinnung zu kommen und ein vernünftiges Angebot vorzulegen".

Das jüngste Post-Angebot wies Kocsis als "pure Provokation" zurück. Zwar scheine es, als ob die Arbeitszeit nur um eine halbe Stunde auf 39 Stunden erhöht werde. Tatsächlich sehe die Post jedoch eine Erhöhung um zweieinhalb Stunden vor, weil entsprechende Entlastungspausen wegfallen sollten. Zudem sollten 12.500 volle Arbeitsplätze abgebaut werden. Der Post brächte dieses Angebot Einsparungen in Höhe von 502 Millionen Euro.

Die Post sprach hingegen von einem "attraktiven Angebot". Die Offerte sehe eine Lohnerhöhung von 5,5 Prozent, eine Verlängerung der Arbeitszeit um eine halbe Stunde pro Woche und eine Verlängerung des Kündigungsschutzes bis zum 30. Juni 2011 vor. "Für eine sechs Minuten längere Arbeitszeit pro Tag bekommen die Mitarbeiter 39 Monate Kündigungsschutz bei einer angemessenen Lohnerhöhung", sagte Personalvorstand Walter Scheurle. Wer das Angebot ausschlage, vertrete "nicht wirklich die Interessen unserer Mitarbeiter". Man sei aber weiter uneingeschränkt gesprächsbereit. Jetzt sei es an Ver.di, sich zu bewegen.

Ver.di-Sprecher Günter Isemeyer sagte dagegen, das Arbeitgeberangebot würde "einen Griff in die Tasche der Beschäftigten bedeuten". Die angebotenen 5,5 Prozent Lohnerhöhung entsprächen auf 26 Monate gerechnet einem Volumen von 2,2 Prozent.

In den seit Wochen andauernden Verhandlungen wollte die Gewerkschaft sieben Prozent mehr Lohn und Gehalt sowie die Verlängerung des Kündigungsschutzes bis Mitte 2011 und zehn sogenannte Arbeitszeitverkürzungstage pro Jahr durchsetzen. Die Gewerkschaft hatte ihren Forderungen mit mehreren Warnstreiks Nachdruck verliehen.

mik/AP/ddp/Reuters/dpa

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