Arbeitslosenstatistik Bundesagentur korrigiert Zahl nach unten

Zahlreiche Menschen ohne Job gehören möglicherweise gar nicht in die Arbeitslosenstatistik hinein. Die Bundesagentur für Arbeit hat bei einer Telefonaktion eine Fehlerquote von fünf Prozent und in diversen Fällen Klärungsbedarf festgestellt. Die Arbeitslosenzahl könnte rein rechnerisch um rund eine halbe Million sinken.


Hamburg - Als Ergebnis einer Telefonaktion, bei der die Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg bis vergangene Woche durch Befragungen die Daten von 180.000 Beziehern von Arbeitslosengeld II überprüft hat, würden fünf Prozent oder 9.000 Fälle aus der Statistik herausfallen, sagte ein BA-Sprecher der Financial Times Deutschland. In diesen Fällen habe die Bundesagentur ermittelt, dass die Betroffenen dem Arbeitsmarkt nicht mehr zur Verfügung stehen. Davon geht die BA beispielsweise bei allein erziehenden Müttern ohne Kinderbetreuung aus.

Bei weiteren 16 Prozent oder knapp 29.000 Arbeitslosengeld-II-Empfängern habe die BA Klärungs- oder Änderungsbedarf ausgemacht. Die Betroffenen würden von örtlichen Job-Centern nun zum Klärungsgespräch eingeladen. Ergäbe sich danach, dass sie dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stünden, würden auch sie aus der Erwerbslosenstatistik genommen, sagte der Sprecher.

Hintergrund der Telefonaktion war eine stichprobenartige Erhebung der BA-Revision im Frühjahr. Sie hatte ergeben, dass die Daten von bis zu 20 Prozent der Arbeitslosengeld-II-Bezieher im Computersystem der Bundesagentur nicht korrekt sind. Wirtschaftsminister Wolfgang Clement hatte daraufhin erklärt, die Arbeitslosenstatistik sei um bis zu 20 Prozent überzeichnet.

Die Behörde darf Fälle aus der Statistik nehmen, wenn nachgewiesen ist, dass die Betroffenen dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehen. Das Bereinigungspotential ist dem Bericht zufolge mittelfristig groß: Hochgerechnet auf die Gesamtzahl der knapp 2,8 Millionen als erwerbslos eingestuften Alg-II-Bezieher könnte die Erwerbslosenzahl bei einer Fehlerquote von fünf Prozent um 140.000 abnehmen. Nehme man noch jene 16 Prozent hinzu, bei denen die BA nach der Stichprobe Klärungsbedarf sehe, könnte die Arbeitslosenzahl statistisch um bis zu eine halbe Million sinken.



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