Arbeitslosenzahlen Höhere Mehrwertsteuer kann robusten Arbeitsmarkt nicht erschüttern

Erstmals seit vier Jahren liegt die Zahl der Arbeitslosen wieder unter vier Millionen - und auch die Anhebung der Mehrwertsteuer zum Jahreswechsel kann den robusten Jobmarkt nach Einschätzung von BA-Chef Weise nicht beeinträchtigen.


Nürnberg - Die Steuererhöhung zum 1. Januar 2007 könne zwar eine kleine Delle im Wirtschaftswachstum bewirken, sagte der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, bei der Veröffentlichung der neuen Arbeitslosenstatistik. "Es ist aber nicht erkennbar, dass dies zu Lasten des Arbeitsmarktes geht." Die Auswirkungen seien allenfalls langfristig spürbar. Für 2007 erwartet Weise eine durchschnittliche Arbeitslosigkeit von 4,3 Millionen nach 4,5 Millionen im laufenden Jahr.

Lob für's eigene Haus

Als Gründe für den ungewöhnlichen Rückgang der Arbeitslosenzahl im November sehen Experten vor allem das milde Herbstwetter und die florierende Konjunktur. BA-Chef Weise sieht aber noch einen weiteren Grund: Die gute Arbeit der eigenen Behörde. Die bessere Betreuung der Arbeitslosen in den Arbeitsagenturen habe sich positiv auf die Novemberzahlen ausgewirkt, sagte Weise. Die Arbeit der vergangenen Jahre habe sich damit ausgezahlt.

Bundesagentur-Chef Weise: Junge Arbeitslose haben wieder eine Chance
DPA

Bundesagentur-Chef Weise: Junge Arbeitslose haben wieder eine Chance

Erfreulich sei auch, dass wieder mehr junge Arbeitslose eine Chance hätten, betonte Weise. Gegenüber dem Vorjahr seien rund 100.000 Menschen unter 25 Jahren weniger arbeitslos gemeldet. Allerdings sind laut BA noch immer 426.000 Menschen unter 25 Jahren auf Jobsuche.

CSU-Chef Edmund Stoiber wertete den Rückgang der Arbeitslosenzahlen als großen Erfolg. Der massive Abbau der Erwerbslosenzahl seit dem Regierungswechsel in Berlin zeige, dass es in Deutschland wieder vorangehe, sagte der Bayerische Regierungschef in München. Der Zuwachs neuer Stellen gebe vielen Menschen im Land wieder Chancen und Perspektiven.

Auch CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla sieht im Rückgang der Arbeitslosenzahl ein "hoffnungsvolles Signal". Damit werde der positive Trend eindrucksvoll unterstrichen, betonte Pofalla in Berlin. Er mahnte weitere Arbeitsmarkt-Reformen an, um die Erwerbslosenzahl weiter zu senken.

60.000 weniger Langzeitarbeitslose

Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD) hält die bislang eingeführten Reformen für eine der wichtigsten Ursachen für die Zunahme der Beschäftigung. "Das ist eine gute Entwicklung, die Mut macht", sagte Müntefering im Bundestag. Auch 2007 sei ein relativ hohes Wachstum der Wirtschaft zu erwarten und damit auch eine weitere Verringerung der Arbeitslosigkeit. Besonders erfreulich sei, dass auch etwa 60.000 Langzeitarbeitslose wieder Beschäftigung gefunden hätten.

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im November erstmals seit Oktober 2002 wieder unter die Marke von vier Millionen gesunken. Im Vergleich zum Oktober sank die Erwerbslosenzahl um 89.000 auf 3,995 Millionen. Das waren 536.000 weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote sank gegenüber Oktober um 0,2 Prozentpunkte auf 9,6 Prozent.

Nach weiteren Hochrechnungen der Bundesagentur lag die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im September bei 26,88 Millionen und damit um 317.000 höher als im Vorjahr. Besonders gesucht seien Arbeitskräfte in den Branchen Gesundheit, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, Einzelhandel und im Gastgewerbe. Auch auf dem Bau sei die Trendwende geschafft. Besonders viele Stellen aus diesen Branchen seien von Zeitarbeitsfirmen geschaffen worden.

Insgesamt waren bei der Bundesagentur im November 806.000 offene Stellen gemeldet, im Vergleich zum Vorjahr waren dies 216.000 mehr.

In den alten Bundesländern sank die Zahl der Arbeitslosen um 66.000 auf 2,672 Millionen, die Quote reduzierte sich von 9,4 auf 8,0 Prozent. In Ostdeutschland sind nun 1,323 Millionen Menschen arbeitslos. Dies sind 23.000 weniger als im Vormonat, die Quote sank von 16,9 Prozent auf 15,5 Prozent. Wegen der geringeren Zahl an Hilfeempfängern stieg der Finanzüberschuss der BA überraschend auf 9,9 Milliarden Euro. Weise rechnet nun sogar mit einem Jahresüberschuss von 10,5 bis 11 Milliarden Euro.

mik/ddp/AP/dpa/Reuters



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