Arbeitslosigkeit Auch im April über vier Millionen

Offenbar kommt die rot-grüne Regierung mit ihrer Arbeitsmarktpolitik auf keinen grünen Zweig. Die Zahl der Arbeitslosen hat nach Medienberichten auch im April über der psychologisch wichtigen Vier-Millionen-Marke gelegen.


Kein Fortschritt: Arbeitslose vor dem Arbeitsamt
DDP

Kein Fortschritt: Arbeitslose vor dem Arbeitsamt

Nürnberg/Hamburg/München - Nach einem Vorab-Bericht der "Bild"-Zeitung waren im Vormonat 4,024 Millionen Menschen ohne Arbeit. Das wären 132.000 Erwerbslose weniger als im März, aber 156.000 mehr als im April 2001. Die Arbeitslosenquote sank dem Blatt zufolge damit von 10,0 auf 9,7 Prozent. Die offiziellen Zahlen will der Chef der Bundesanstalt für Arbeit, Florian Gerster, am Dienstag bekannt geben.

Fachleute bewerten vor allem den starken Anstieg der Arbeitslosenzahl im Jahresvergleich als Beweis für eine nach wie vor schwierige Lage auf dem Arbeitsmarkt. Das Plus von 156.000 ist der stärkste jahresbezogene Anstieg der Erwerbslosigkeit seit fünf Jahren. "Die Konjunktur fängt sich langsam, aber auf dem Arbeitsmarkt hat sich das noch nicht positiv niedergeschlagen", hatte bereits in den vergangenen Tagen der Arbeitsmarktexperte eines Wirtschaftsforschungsinstituts festgestellt. Im März hatten die deutschen Arbeitsämter 4,156 Millionen Menschen als arbeitslos registriert.

Unterdessen machen nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeit (BA) immer mehr Arbeitslose von den neuen Vermittlungsgutscheinen Gebrauch. Seit Einführung der neuen Regelung Anfang April seien bereits 25.000 Gutscheine für private Arbeitsvermittler ausgestellt worden, berichtete die Behörde am Montag. Allerdings seien die Gutscheine erst vereinzelt eingelöst worden, hieß es. Künftig will die Bundesanstalt die Zusammenarbeit mit den privaten Arbeitsvermittlern weiter verstärken. So sollen private Job-Agenturen in den Eingangsbereichen der Ämter mit Prospekten in den Infoständen sowie per Querverweis auf der Internetseite der Bundesanstalt auf ihre Arbeit hinweisen.

BA-Chef Gerster warnte derweil auf einer Unternehmertagung in München davor, ältere Beschäftigte aus den Betrieben zu verbannen. "Die Personalpolitik der Unternehmen muss von einem Menschenbild ausgehen, das nicht schon bei 55 Jahren endet", sagte Gerster am Montag auf einer Konferenz der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) in München. Noch gebe es im deutschen Arbeitsmarkt ein hohes Potenzial von gut Qualifizierten mittleren und höheren Alters, sagte Gerster. Es könne aber nicht sein, dass die Belegschaften nur noch aus 30- bis 50-Jährigen bestehe, die später einen flexiblen Generationenwechsel erschwerten.



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