Arbeitslosigkeit Ministerium zieht Statistik in Zweifel

Ein paar Monate vor der angekündigten Wahl fällt dem Wirtschaftsministerium auf einmal auf, dass die Arbeitslosenstatistik fehlerhaft und unplausibel sei. Stichproben hätten ergeben, dass jeder fünfte registrierte Arbeitslose gar nicht gezählt werden dürfe.

Berlin - Die Information wurde offenkundig gezielt aus Kreisen des Bundeswirtschaftsministeriums gestreut: Die "Financial Times Deutschland" berichtet, die derzeitige Statistik überzeichne das Problem der Arbeitslosigkeit in Deutschland. Die Zahl der registrierten Arbeitslosen müsse möglicherweise deutlich nach unten korrigiert werden.

Die Begründung: Stichproben der Bundesagentur für Arbeit bei örtlichen Arbeitsagenturen hätten ergeben, dass etliche Personen als arbeitslos registriert worden seien, die dem Arbeitsmarkt tatsächlich nicht zur Verfügung stünden. Die Stichproben hätten eine Fehlerquote von 22 Prozent ergeben. In dieser Größenordnung sei die Zahl der Arbeitslosen überzeichnet, zitierte die "FTD" die nicht genauer bezeichneten Kreise des Wirtschaftsministeriums.

BA-Mitarbeiter hätten in den Stichproben die Bewerberprofile derjenigen überprüft, die in den Computersystemen der BA als arbeitslos geführt würden, sagte der Sprecher. Als Beispiel für unplausible oder fehlerhafte Angaben nannte die Zeitung den Fall einer Mutter von drei Kleinkindern, die dem Arbeitsmarkt angeblich voll zur Verfügung stehe. Hier bestehe Klärungsbedarf, weil die Frau eigentlich nicht als arbeitslos mitgezählt werden dürfe, sagte ein Sprecher der Bundesagentur dem Blatt.

Stolpe: Die Ost-Arbeitslosigkeit kriegen wir in den Griff

Aufbau-Ost-Minister Manfred Stolpe hat derweil mitgeteilt, dass sich die Arbeitslosigkeit in Ostdeutschland aus seiner Sicht in den nächsten 15 Jahren auf zehn Prozent fast halbieren wird. "Wir werden die Arbeitslosigkeit in den nächsten Jahren nicht voll beseitigen können, aber sie wird in den nächsten 15 Jahren auf zehn Prozent sinken", sagte er der "Financial Times Deutschland". Ursachen seien die wirtschaftliche Verbesserung, aber auch die demographische Entwicklung.

Allerdings müsse es für eine bessere wirtschaftliche Entwicklung eine andere Förderstrategie geben. "Alle, auch die, die jetzt noch zögerlich sind, müssen umschwenken", sagte Stolpe. Derzeit beträgt die Arbeitslosigkeit in Ostdeutschland 18,9 Prozent.

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