Arbeitsmarkt Experten sehen erste Anzeichen für Fachkräftemangel

Die Konjunktur hat nach Einschätzung von Experten auch im Juni für eine weitere Belebung auf dem deutschen Arbeitsmarkt gesorgt. Der Stellenindex der Bundesagentur für Arbeit bestärkt sie in dieser Ansicht. Allmählich werde jedoch der Fachkräftemangel spürbar.


Nürnberg - Derzeit bestehe eine "sehr hohe Einstellungsbereitschaft der deutschen Wirtschaft", berichtete die Nürnberger Behörde heute unter Berufung auf ihren Stellenindex BA-X. Der Indikator, der die freien Stellen in Unternehmen misst, sei im Juni um zehn Punkte auf den Rekordwert von 214 Punkten gestiegen. Er liege damit um 60 Punkte über dem entsprechenden Vorjahreswert.

Büro der Agentur für Arbeit: Treiber ist die gute Konjunktur
DPA

Büro der Agentur für Arbeit: Treiber ist die gute Konjunktur

Im Mai war die Zahl der Arbeitslosen nach BA-Angaben im Vergleich zum Vormonat um 161.000 auf 3,806 Millionen gesunken - 732.000 weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote sank um 0,4 Prozentpunkte auf 9,1 Prozent.

Für Juni gehen Banken-Volkswirte von einer Arbeitslosenzahl von 3,73 Millionen aus. Dies wären rund 75.000 weniger als im Mai und rund 670.000 weniger als vor einem Jahr. Insgesamt sei der Rückgang der Arbeitslosen damit im Vergleich zum Mai etwas schwächer ausgefallen als im Durchschnitt der vergangenen drei Jahre. Die offiziellen Arbeitsmarktzahlen will die BA morgen bekannt geben.

Gute Verfassung der Wirtschaft

Insgesamt ist die Lage auf dem Arbeitsmarkt nach Einschätzung der Bankenvertreter weiterhin von der guten Verfassung der Wirtschaft geprägt. "Treiber ist die gute Konjunktur. Viele Unternehmen haben weiter Kapazitätsengpässe bei der Abarbeitung ihrer Aufträge und einen entsprechend hohen Bedarf an Arbeitskräften", berichtete Alexander Koch von der HypoVereinsbank in München.

Deutsche Bank-Volkswirt Stephan Bielmeier sieht ebenfalls eine unverändert positive Arbeitsmarktlage, "aber mit einer geringeren Dynamik". Grund sei der sich verstärkende Fachkräftemangel. "Wir brauchen mehr gut ausgebildete Bewerber. Die zu finden, wird für die Unternehmen immer schwieriger", betonte Bielmeier. "Ich glaube zwar nicht, dass das derzeit schon dämpfend auf die Konjunktur wirkt, aber man muss das in der Zukunft genau beobachten."

Dagegen sieht sein Kollege Koch erste deutliche Hinweise auf einen bremsenden Effekt des Fachkräftemangels auf die Konjunktur. Besonders in der Elektrotechnik und im Maschinenbau suchten nach seinen Erkenntnissen viele Unternehmen vergeblich Fachkräfte.

mik/dpa



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