SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

27. Februar 2007, 16:05 Uhr

Arbeitsmarkt

Müntefering fordert Bereitschaft zum Jobwechsel im Alter

Arbeitnehmer sollen nicht nur immer länger arbeiten, sie sollen auch flexibel bleiben. Ein später Berufswechsel gehöre in einer älter werdenden Gesellschaft dazu, erklärte Arbeitsminister Müntefering - und nannte gleich ein Beispiel dafür, welche Jobs er sich für Ältere vorstellt.

Berlin - Die Rente mit 67 wird nach Angaben von Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD) nicht die letzte unpopuläre Konsequenz des demographischen Wandels bleiben. "Man muss lernen, dass es vielleicht Jobs gibt, die man über 45, 50 (Jahren) hinaus nicht machen kann", sagte Müntefering bei einer europäischen Gewerkschaftstagung zur Zukunft der Alterssicherungssysteme heute in Berlin. Arbeitnehmer müssten sich angesichts einer schrumpfenden und immer älter werdenden Gesellschaft darauf einstellen, dass ein später Berufswechsel durchaus zum Arbeitsleben dazugehören könne.

Arbeitsminister Müntefering: "Das klingt nicht schön"
DPA

Arbeitsminister Müntefering: "Das klingt nicht schön"

"Das klingt nicht schön und nicht populär, aber trotzdem werden wir uns darüber zu unterhalten haben", sagte Müntefering. Er würde sich beispielsweise wünschen, dass sich in Deutschland 3000 oder 5000 ältere Menschen fänden, die sich um Hauptschüler mit schlechten Aussichten auf dem Ausbildungsplatzmarkt kümmern. Nach Angaben des Ministers werden Arbeitnehmer bereits im Jahr 2030 durchschnittlich 20 Jahre lang Rente beziehen. 1960 seien es gerade mal 10 Jahre gewesen. 2050 würden zudem mehr als 12 Prozent der Menschen älter als 80 Jahre sein. Heute seien es nur 2,5 Prozent.

Die Gewerkschaften forderten Müntefering auf, sich wieder verstärkt um den Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz zu kümmern. "Offenbar ist man der Meinung, dass das in der Dienstleistungsgesellschaft kein Thema mehr sei." Haut-, Augen-, Rücken- und psychische Erkrankungen gäben aber zunehmend Anlass zur Sorge und verursachten volkswirtschaftlichen Schaden. "Wenn wir wollen, dass wir die Älteren in der Arbeit behalten, muss man an dieser Stelle ansetzen."

Der Vorsitzende des Beamtenbunds dbb, Peter Heesen, sagte zum Auftakt der Tagung, die Arbeit an einem europäischen Sozialmodell sei eine zentrale Zukunftsaufgabe, "wenn wir den Weg eines gemeinsamen Europas erfolgreich weitergehen wollen". Er äußerte zudem Verständnis für die Pläne der Regierung zur Rente mit 67. Bei der vorgesehenen Anpassungsfrist bis 2029 könne man darüber reden.

kaz/dpa

URL:


Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung