Arbeitsverwaltung Hartz will nicht nach Nürnberg

Die Kritik an Florian Gerster hält an. Einem Zeitungsbericht zufolge erhöhte der Chef der Bundesanstalt für Arbeit die Spesen im Vergleich zu seinem Vorgänger um 76 Prozent. VW-Personalvorstand Hartz ist bereits als Nachfolger im Gespräch, will aber nicht.

Chemnitz - Wie die Chemnitzer "Freien Presse" berichtet, könnte VW-Vorstandsmitglied Peter Hartz die Funktion an der Spitze der Nürnberger Anstalt übernehmen. Offenbar nehme nun auch in der Bundesregierung der Rückhalt für Gerster ab.

Eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums erklärte am Mittwoch: "Alle Meldungen über eine Ablösung von Herrn Gerster sind kompletter Unsinn." Auch Volkswagen   wiegelte ab. "Dr. Hartz wird nicht zur Bundesanstalt für Arbeit wechseln", so ein VW-Sprecher in Wolfsburg. Hartz hatte eine Kommission geleitet, die im Auftrag der Bundesregierung Reformen am Arbeitsmarkt vorgeschlagen hatte.

Derweil gibt es neue Kritik an Gerster. Der "Rheinischen Post" zufolge hat er seine Ausgaben für Repräsentationszwecke gegenüber seinem Vorgänger um 76 Prozent erhöht. Gersters Vorgänger Bernhard Jagoda hätten zuletzt 37.500 Euro für die Bewirtung von Gästen zur Verfügung gestanden, Gerster habe sich für das kommende Jahr aber 66.000 Euro genehmigen lassen, berichtete die "Rheinische Post". Gerster steht derzeit wegen eines Millionen-Beratervertrags mit der PR-Firma WMP Eurocom in der Kritik.

Das Blatt berichtet, der Bundesrechnungshof wolle neben dem Beratervertrag nun auch die Ausgaben für Repräsentationszwecke prüfen. Zudem heißt es in dem Bericht, dass es in der Nürnberger Bundesanstalt Irritationen über die Einstellung eines Mitarbeiters gebe, der der Lebensgefährte von Gersters Büroleiterin sei.

Im Verwaltungsrat der Bundesanstalt für Arbeit scheint der Rückhalt für Gerster nun zu schwinden. Nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung traf sich das Präsidium des Verwaltungsrates der Nürnberger Anstalt gestern Abend zu einem Krisentreffen in Berlin. Der Arbeitgebervertreter im Verwaltungsrat, Peter Clever, sagte der Zeitung: "Ich sehe bei dem Vertrag mit WMP starken Nachbesserungs- und Aufklärungsbedarf."

Auch die Gewerkschaftsseite im Verwaltungsrat hatte den Vertrag kritisiert. Der Chef des DGB Nord, Peter Deutschland, sagte dem Blatt, Gerster fehle "das Augenmaß, wenn er die Mittel für Weiterbildung und ABM kürzt und gleichzeitig den Etat für die Öffentlichkeitsarbeit derartig aufbläht." Die Zeitung zitiert ferner aus dem Kanzleramt, ohne eine nähere Quelle zu nennen: "Gersters einziges Glück besteht daran, dass derzeit niemand seinen Job haben will."

Gerster hatte gestern Abend die umstrittene Auftragsvergabe ohne Ausschreibung an WMP-Medienberater Bernd Schiphorst verteidigt. Sie sei im Februar in einer Situation erfolgt, in der sich negative Schlagzeilen über die Bundesanstalt gehäuft und die Mitarbeiter sich skeptisch über die von der Regierung begonnenen Reformen geäußert hätten. Damals habe eine Eilentscheidung getroffen werden müssen. Wegen der Eilbedürftigkeit sei es auch korrekt gewesen, den mit 1,3 Millionen Euro dotierten Vertrag ohne Ausschreibung an Schiphorst zu vergeben.

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