Arcandor-Insolvenz Ex-Chef Middelhoff weist Untreue-Vorwürfe zurück

Insolvenz nach der Sanierung, Ermittlungen wegen Untreue: Sein ehemaliger Job als Arcandor-Chef hat Thomas Middelhoff einen großen Ansehensverlust beschert. Völlig unverdient, wie er findet. Er sieht sich eher als Retter - und weist die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft zurück.


Berlin - Einst war er der Strahlemann der deutschen Wirtschaft, als er noch den Medienkonzern Bertelsmann führte. Der deutsche Held der New Economy, der mit dem AOL-Europe-Verkauf zu rechten Zeit Milliarden in die Konzernkasse spülte. Passé.

Jetzt hängt der Ruch des Zwielichtigem an ihm. Die Arcandor-Insolvenz wird Middelhoff angehängt, es gibt Ermittlungen wegen seiner fragwürdigen Immobiliengeschäfte mit dem Unternehmen. Jetzt wehrt sich der alerte Manager: Er habe sich nichts vorzuwerfen, sagte Middelhoff der "Bild am Sonntag".

Ex-Arcandor-Chef Middelhoff: Kurz vor Toreschluss gerettet
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Ex-Arcandor-Chef Middelhoff: Kurz vor Toreschluss gerettet

Die Insolvenz von Arcandor Chart zeigen sei auch nicht Folge seiner Sanierungsbemühungen. "Im Gegenteil: Viele Stimmen sagen, ohne mich wäre schon 2004 Schluss gewesen." Er habe 2004 Karstadt "kurz vor Toresschluss gerettet" und sei überzeugt davon, "dass wir seit 2004 die richtigen Entscheidungen getroffen haben." Arcandor sei dann das Opfer der Finanzmarktkrise geworden. Deswegen sei es ihm völlig unverständlich, dass dem Unternehmen jede Unterstützung aus dem Deutschlandfonds versagt worden sei.

Gegen Middelhoff ermittelt die Staatsanwaltschaft Essen wegen des Verdachts auf Untreue. Gegenüber der "Bild am Sonntag" bestätigte er, dass er und seine Frau Anteile an einem Immobilienfonds erworben hätten, der Mieten von Karstadt-Filialen bekommt. Von den damals etwa 200 Karstadt-Häusern seien 2000/2001 fünf Filialen an den Immobilienentwickler Esch verkauft worden. "Der hat die Häuser in geschlossene Immobilienfonds gepackt und Anteile daran seinen Investoren angeboten, unter anderem meiner Frau und mir. Wir haben einen niedrigen einstelligen Prozentsatz an diesen Fonds gezeichnet."

Mit seiner Tätigkeit für Karstadt habe dies aber nichts zu tun, betonte Middelhoff. Alle in Rede stehenden Verträge seien schon Jahre vor seinem Eintritt in das Unternehmen abgeschlossen worden. Dem Aufsichtsrat habe er vor seiner Wahl 2004 sofort die Beteiligung an den Fonds mitgeteilt und dies 2005 auch auf der Hauptversammlung den Aktionären erläutert.

Die Essener Staatsanwaltschaft hatte nach einem Schreiben von Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) an ihre Düsseldorfer Kollegin Roswitha Müller-Piepenkötter (CDU) ein Ermittlungsverfahren wegen Untreue-Verdachts eröffnet. Dabei geht es um Hinweise, Middelhoff und seine Frau seien an einem Immobilienfonds beteiligt, der zu außergewöhnlich hohen Mieten Gebäude an die Arcandor-Tochter Karstadt vermietet haben soll.

Kein Verständnis hat Middelhoff nach eigenen Worten für Vorwürfe, er habe es als Arcandor-Chef versäumt, 75 Millionen Euro von Esch einzutreiben, die dieser dem Konzern angeblich als Ausgleich für überhöhte Mieten geschuldet habe. "Ich habe nach Dienstantritt 2004 sofort eine Prüfung der Verträge mit Esch veranlasst. Das Ergebnis der Gutachten war ernüchternd: Die Verträge mit Esch waren nicht rechtswirksam zustande gekommen. Ja, sie waren noch nicht einmal unterschrieben worden."

Eine spektakuläre Hausdurchsuchung wie bei Ex-Post-Chef Klaus Zumwinkel hält er auch in seinem Fall für möglich. Im Unterschied zu Zumwinkel gebe es bei ihm zwar "nichts, wofür ich verurteilt werden könnte". Auch habe er "Vertrauen in die Gerichte dieses Landes", betonte der frühere Arcandor-Chef, fügte aber hinzu: "Aufgrund der bisherigen Erfahrungen und des politischen Interesses an diesem Fall kann ich auch nicht ausschließen, dass eines Tages Polizei und Staatsanwaltschaft bei laufenden Kameras vor meiner Tür stehen."

mik/AFP/Reuters/ddp



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