Arcandor-Krise Metro will zwei Drittel von Karstadt retten

Kampf um Arcandor: Noch in dieser Woche will Metro-Chef Cordes mit Kanzlerin Merkel und Vize Steinmeier über eine Fusion der Warenhäuser beider Konzerne sprechen. Sein Plan sieht vor, am Ende 60 von 90 Karstadt-Filialen zu erhalten - die SPD prüft Überbrückungskredite, weil die Zeit für eine Lösung knapp wird.

Berlin - Metro-Chef Eckhard Cordes will die Arcandor-Tochter Karstadt mit seiner Handelskette Kaufhof zusammenlegen und dadurch einen Großteil der insgesamt 206 Warenhäuser retten. Das erfuhr die "Bild"-Zeitung aus der Großen Koalition - noch bis Ende der Woche wolle er mit Vertretern des Bundeskanzleramtes und mit Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier (SPD) darüber sprechen.

Arcandor-Zentrale in Essen: Zukunft für 60 von 90 Häusern bei Metro?

Arcandor-Zentrale in Essen: Zukunft für 60 von 90 Häusern bei Metro?

Foto: Frank Augstein/ AP

Konkret sieht Cordes' Plan dem Bericht zufolge vor, 40 der 206 Warenhäuser beider Ketten zu schließen. Betroffen wären demnach 30 Karstadt-Häuser und zehn Filialen von Galeria Kaufhof. Metro-Finanzvorstand Thomas Unger sagte der "Welt": "Wir sind sicher, dass wir von den 90 Häusern 60 übernehmen und in unser Galeria-Kaufhof-Konzept integrieren können". Damit gebe der Konzern "dem weit überwiegenden Teil der Karstadt-Beschäftigten eine gesicherte Zukunft".

Von den bedrohten Standorten können den Informationen der "Bild"-Zeitung zufolge 20 Häuser als Elektromärkte oder von anderen Handelsfirmen weitergeführt werden. Unger sagte, unter anderem die Metro-Ketten Saturn und Media Markt kämen dafür in Frage. Bei einem Zusammengehen beider Warenhaus-Unternehmen müssten damit 5000 Vollzeitkräfte abgebaut werden.

Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick hat die Metro-Fusionspläne bisher weitgehend abgelehnt.

Nach Angaben des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer bleiben zur Rettung des Arcandor-Konzerns nur noch wenige Tage Zeit. "Nächste Woche stehen Probleme mit den Banken an. Also bis Anfang nächster Woche muss eine Entscheidung fallen", sagte der CSU-Politiker am Mittwochabend nach einem Gespräch mit Vertretern von Betriebsrat und Firmenleitung in Nürnberg. Daher dränge die Zeit für eine Rettung des Konzerns.

Die EU-Kommission hatte am Mittwoch erhebliche Zweifel daran geäußert, dass Arcandor erst seit der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise in Problemen steckt. Die Kriterien für die erhofften Hilfen vom deutschen Staat seien damit nicht erfüllt. Ein Sprecher von EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes sagte, nach Analyse der vorliegenden Informationen sei der frühere KarstadtQuelle-Konzern "nicht förderungswürdig, weil er schon vor dem 1. Juli 2008 in Schwierigkeiten gewesen ist". Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) folgerte daraus, dass Arcandor kaum Hilfen aus dem Deutschlandfonds bekommen könne. Das Unternehmen müsse stattdessen Rettungs- oder Umstrukturierungshilfen prüfen. Diese wären aber mit deutlichen Kürzungen bei den Kapazitäten und Arbeitsplätzen verbunden.

Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) forderte dagegen, die Staatshilfen für Arcandor weiter "vorurteilsfrei" zu prüfen. Laut "Financial Times Deutschland" hält die SPD an staatlichen Hilfen für das Unternehmen fest und spielt zugleich eine Fusion der Arcandor-Tochter Karstadt mit dem Rivalen Kaufhof durch. Dem Bericht zufolge lotet die Parteispitze derzeit aus, ob der Handelskonzern abseits des Deutschlandfonds einen Überbrückungskredit direkt bei der Staatsbank KfW erhalten kann. In Regierungskreisen sei das Volumen auf gut 300 Millionen Euro beziffert worden. Die Finanzspritze solle Arcandor in die Lage versetzen, mit der Kaufhof-Mutter Metro "auf Augenhöhe zu verhandeln".

Arcandor hofft eigentlich auf eine Staatsbürgschaft von 650 Millionen Euro und einen Kredit über 200 Millionen Euro. Für Hilfen aus dem Deutschlandfonds, der die Folgen der Finanzkrise abfedern soll, demonstrierten am Mittwoch rund 4000 Beschäftigte von Quelle und Karstadt in Nürnberg.

Bei den Verhandlungen über überlebensnotwendige Kredite für Arcandor schießen nach Informationen der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX vor allem die kleineren der kreditgebenden Konsortialbanken quer. Sie hätten klar gemacht, dass sie nicht bereit seien, den auslaufenden Kredit über insgesamt 650 Millionen Euro zu verlängern oder neue Darlehen zu gewähren. Auf die betroffenen Banken entfalle ein Rahmen von rund hundert Millionen Euro. Damit stehe auch die Gesamtfinanzierung auf der Kippe. Ein Arcandor-Sprecher sagte: "Wir sind mit den kleineren Banken weiter im Gespräch."

ler/dpa/Reuters