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Arme zahlen mehr

aus DER SPIEGEL 22/1972

Das gerade erst gebilligte Krankenhausfinanzierungsgesetz droht die Beitragsschere zwischen armen und reichen Ortskrankenkassen weiter zu öffnen. Schon jetzt schwanken die Beiträge, die AOK-Mitglieder zahlen müssen, zwischen 6,6 Prozent (Nürnberg) und 10,5 Prozent (Bottrop) des monatlichen Bruttoeinkommens. Der Grund: Da jede der 398 Ortskrankenkassen (mit rund 16 Millionen Mitgliedern) autonom ihre Kosten decken muß, können die Kassen mit überwiegend wenig verdienenden Mitgliedern nur über höhere Beiträge ihre Bilanz ausgleichen. Jetzt droht die Gefahr, daß die zusätzlichen Belastungen durch das neue Gesetz (für die Ortskrankenkassen mindestens 600 Millionen Mark jährlich) überproportional erneut die armen Kassen belasten: Die von den Kassen über die Beiträge zu finanzierenden Instandsetzungskosten der Krankenhäuser sind in den armen Gegenden besonders hoch. Prognose: Schon 1973 könnten die Spitzensätze bis nahe zwölf Prozent des Bruttolohns steigen -- vier Prozent mehr, als die von Regierung und Kassen langfristig angepeilte Beitragsobergrenze.

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