Armut Knapp eine Million Jugendliche brauchen Hartz IV

Die Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken, dennoch sind viele Heranwachsende auf staatliche Unterstützung angewiesen. Besonders hoch ist das Verarmungsrisiko in Berlin, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern.


München - Rund 900.000 Jugendliche von 15 bis 24 Jahren brauchen staatliche Hilfe in Form von Hartz IV. Das ist das Ergebnis einer Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), berichtet die "Süddeutschen Zeitung" (SZ).

Agentur für Arbeit: Jugendliche "im Hinterhof der Wohlstandsgesellschaft"
DPA

Agentur für Arbeit: Jugendliche "im Hinterhof der Wohlstandsgesellschaft"

Rechne man die knapp 300.000 Jugendlichen dazu, die Arbeitslosengeld I beziehen oder bei Förderkursen mitmachen, seien sogar etwa 1,2 Millionen Jugendliche förder- oder hilfebedürftig, heißt es in der Analyse. Demgegenüber hatten etwa 3,4 Millionen Jugendliche unter 25 Jahren einen sozialversicherten Job.

Damit kommt auf drei erwerbstätige Jugendliche mindestens einer, den die Arbeitsagenturen, Arbeitsgemeinschaften oder Kommunen innerhalb des Systems der Grundsicherung betreuen. Die zuletzt gesunkene Jugendarbeitslosigkeit spiegele deshalb nur einen Teil der sozialen Wirklichkeit in Deutschland wider, erklärt der DGB. Die Arbeitslosigkeit bei den Unter-25-Jährigen ist nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit in den vergangenen zwei Jahren um 26,2 Prozent auf etwa 306.000 zurückgegangen, deutlich stärker als die Arbeitslosigkeit insgesamt.

Auffällig in der Statistik ist die eher geringe Zahl der Arbeitslosen unter den jugendlichen Hilfsbedürftigen. Nicht einmal ein Fünftel von ihnen habe Mitte 2008 keinen Arbeitsplatz gehabt. Der Großteil brauche staatliche Hilfe, weil sie selbst oder die Eltern zu wenig verdienten, um davon leben zu können.

Im Vergleich zum Vorjahr ist die Jugendarmut dabei um 7,4 Prozent gesungen. Weiterhin besonders hoch ist der Untersuchung zufolge das Verarmungsrisiko von Jugendlichen in Berlin. Dort bezogen im Juni 2008 knapp 22 Prozent der Altersgruppe Hartz IV, gefolgt von Sachsen-Anhalt (19,1 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (18 Prozent). Am niedrigsten war die Armutsquote der Jugendlichen in Bayern (4,2 Prozent).

Das Risiko einer Armutskarriere ist laut DGB unter Jugendlichen ohne Schulabschluss besonders groß. Drei Viertel der arbeitslos gemeldeten Schulabbrecher beziehen demnach Hartz IV. Der Gewerkschaftsbund forderte einen offensiveren Umgang mit dem Thema. "Die Hilfsbedürftigkeit heranwachsender Jugendlicher, die im Hinterhof der Wohlstandsgesellschaft aufwachsen, wird bisher kaum thematisiert", sagte der Autor der Studie, Wilhelm Adamy, der "SZ".

suc/AFP/ddp/AP



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