Arzneihandel Schlecker verkauft Medikamente in Filialen

Schlecker bläst zum Angriff auf die Apotheken: Der Drogerie-Discounter will in über 11.000 Filialen Medikamente verkaufen. Arzneilieferant ist die hauseigene niederländische Apothekentochter Vitalsana.


Ehingen - Schlecker baut seinen Handel mit Medikamenten aus: Der Drogerie-Discounter gab bekannt, in den Filialen von Schlecker, Ihr Platz und Drospa Arzneien ausgeben zu wollen. Das Unternehmen bestätigt damit einen Bericht des Branchenportals "Apotheke Adhoc". Zusammen verfügen die drei Ketten der Gruppe über ein Netz von mehr als 11.000 Filialen.

Schlecker-Filiale in Niedersachsen: Angriff auf die Apotheken
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Schlecker-Filiale in Niedersachsen: Angriff auf die Apotheken

Lieferant für die Medikamente ist Schleckers eigene niederländische Apothekentochter Vitalsana. "Die Kundinnen und Kunden haben jetzt die Möglichkeit, direkt in den Märkten oder von zu Hause aus Ihre Vitalsana Bestellungen aufzugeben", sagte ein Schlecker-Sprecher SPIEGEL ONLINE. Ebenfalls könnten Rezepte direkt in den Filialen abgegeben werden.

Die Bestellungen würden von dort an Vitalsana weitergeleitet. Wenig später erfolge die Lieferung - entweder direkt zum Kunden nach Hause oder in die von ihm bevorzugte Filiale. "Alle Besteller von Vitalsana erhalten zusätzlich einen Einkaufsgutschein über drei Euro auf jedes rezeptpflichtige Medikament", so der Sprecher.

Mit dem Filialenverkauf weitet Schlecker seinen Arzneihandel weiter aus. Schon seit Februar bietet der Discounter im Internet rezeptfreie Apothekenartikel und Zusatzsortimente aus dem Gesundheitsbereich an.

Auch den Direktverkauf von Medikamenten plant der Konzern schon lange, in den 11.000 Schlecker-Filialen wurde bereits ein 48-seitiger Medikamenteprospekt verteilt. Doch dann musste das Unternehmen den Verkaufsstart wegen rechtlicher Unklarheiten verschieben. Erst im März hatte das Bundesverwaltungsgericht entschieden, dass Versandapotheken für ihren Vertrieb den Dienst von Drogeriemärkten nutzen dürfen.

Das Geschäft mit Medikamenten ist unter Einzelhändlern hart umkämpft: Die Karlsruher Drogeriekette dm hat den Vertrieb von rezeptpflichtigen Arzneien nach einer Testphase bereits vor einem Jahr ausgebaut. Sie stellte in vielen ihrer Filialen Terminals der holländischen Europa Apotheek Venlo auf, an denen Kunden Medikamente bestellen und abholen können. Auch der Schlecker-Konkurrent Rossmann will sich verstärkt im Geschäft mit Medikamenten engagieren.

Die Versandhändler bieten Verbrauchern unter anderem Rabatte auf Zuzahlungen. Besonders chronisch Kranke könnten so von günstigeren Preisen profitieren. Apotheker sehen den Vertrieb von Medikamenten in Drogeriegeschäften und im Internet kritisch: Sie warnen Verbraucher vor mangelhafter Beratung.

Der Deutsche Apothekerverband (DAV) kritisierte den Verkauf von Medikamenten in den Drogeriefilialen. Er forderte die Discounter auf, den Verkauf in den Märkten sofort zu stoppen. "Schlecker & Co. verramschen Gesundheit. Das Ganze ist aus unserer Sicht höchst fragwürdig und gefährdet Patientinnen und Patienten", sagte der DAV-Vorsitzende Hermann Stefan Keller. Außerdem verlangte er von Bund und Ländern schärfere Kontrollen zugunsten der Verbraucher. "Die Menschen haben ein Recht auf gesundheitlichen Verbraucherschutz."

ssu/AFP/dpa



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