Arzt-Geschenke Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Ratiopharm

Der Pillenhersteller Ratiopharm hat Ärzten Geld und teure Elektrogeräte versprochen, wenn diese seine Produkte auch dann verschreiben, wenn es billigere von anderen Herstellern gibt. Nun sieht sich das Unternehmen mit staatsanwaltlichen Ermittlungen konfrontiert.

Hamburg - Wegen unlauterer Verkaufsmethoden ermittelt nun die Staatsanwaltschaft Ulm gegen den Medikamentenhersteller Ratiopharm. Die Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart teilte heute mit, die Wiederaufnahme des Ermittlungsverfahrens angeordnet zu haben, nachdem die Ulmer Behörde die Ermittlungen eingestellt hatte.

Der stellvertretende Leiter der Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart, Rainer Christ, sagte, es bestehe weiterhin der Verdacht, dass Ratiopharm-Manager Ärzten finanzielle Vorteile versprochen hätten, wenn sie Medikamente des Unternehmens anstelle von billigeren verschrieben. Die Ulmer Behörde muss nun wegen Untreue und Betrug zu Lasten der Krankenkassen ermitteln.

Im vergangenen November war bekannt geworden, dass Ratiopharm Ärzten systematisch Umsatzprovisionen für die Verordnung von Medikamenten bezahlt haben soll. Bundesweit sollen nach Schätzung von Insidern bis zu 1000 niedergelassene Ärzte von dem System profitiert haben. Noch breiter ist der Kreis der Ärzte, die hochwertige Espressomaschinen, Tischleuchten oder Mikrowellen- und Grillgeräte erhalten haben sollen. Die Stuttgarter Generalstaatsanwaltschaft rechnet mit "langwierigen und umfangreichen" Ermittlungen.

kaz/AFP