Asbest-Verdacht China nimmt deutsches Babypuder vom Markt

Produktskandale gibt es in China häufig. Doch diesmal steht eine deutsche Marke im Fadenkreuz: Wegen Verdacht auf Krebsgefahr hat China Babypuder der Firma Mapa für den Handel gesperrt.


Shanghai - Der Hinweis kam von Behörden aus Südkorea: Diese hatten 30 Babypuder-Produkte unterschiedlicher Hersteller getestet. Das Ergebnis schockt: Zwölf der getesteten Produkte seien mit krebserregendem Asbest verseucht gewesen, hieß es.

Das zuständige chinesische Amt erklärte, es werde die Angelegenheit genau verfolgen und Maßnahmen ergreifen, um die Gesundheit und Sicherheit der Kleinkinder zu schützen. Dies bedeutet für die deutsche Firma Mapa: Das Babypuder der Marke Nuk wird in China vom Markt genommen.

Ein Sprecher der chinesischen Firma, die das Mapa-Produkt importiert, soll den Vertriebsstopp bestätigt haben. Zum Asbest-Verdacht äußerte er sich aber nicht.

Wie ein Sprecher der Firma Mapa in Deutschland auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE mitteilte, soll nun eine alternative Rezeptur für das Puder verwendet werden. Bei der alten Rezeptur seien allerdings keine Anzeichen auf Asbest bekannt.

Nach Angaben von Mapa wird das Babypuder für den chinesischen Markt von einem Unternehmen in Südkorea hergestellt und vertrieben. Diese Firma habe eine Lizenz von Mapa erhalten und arbeite mit einem chinesischen Partner zusammen.

Babyprodukte und Hygieneartikel

Der Verdacht wiegt schwer, denn Asbestfasern sind besonders gefährlich, wenn sie eingeatmet werden. Sie können die Lunge schwer schädigen und Lungenkrebs verursachen.

Mapa aus Norddeutschland gehört seit 1973 zur französischen Hutchinson-Gruppe, einem führenden Konzern der Kautschuk- und Kunststoffindustrie. Neben Babyprodukten vertreibt das Unternehmen unter anderem Hygieneartikel, darunter Kondome der Marken Fromms, Billy Boy oder Blausiegel.

Chinas Verbraucher leiden regelmäßig unter Produktskandalen. Immer wieder bringen skrupellose Hersteller - meist chinesische Firmen - gefährliche Produkte auf den Markt. Der Melamin-Skandal, der im vergangenen Jahr bekannt wurde, hat das Land besonders erschüttert: Durch verseuchtes Milchpulver starben mindestens sechs Babys, fast 300.000 erkrankten.

Auch in China hergestellte Produkte, die ins Ausland exportiert werden, haben oft gefährliche Eigenschaften. Daher werden sie in anderen Ländern häufig vom Markt genommen. Ökonomen sprechen in diesem Zusammenhang von Chinas außenwirtschaftlicher Achillesferse.

maf/AFP



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