Asien SARS drückt Kurse in den Keller

Sorgen über einen sich länger hinziehenden Krieg gegen den Irak setzen auch die Börsen in Fernost massiv unter Druck. Noch gravierender wirkt sich allerdings die Lähmung des öffentlichen Lebens durch die grassierende Verbreitung der Lungenentzündung SARS aus.


Stehen den sinkenden Kursen ohnmächtig gegenüber: Händler an der Börse Hongkong
AFP

Stehen den sinkenden Kursen ohnmächtig gegenüber: Händler an der Börse Hongkong

Singapur - "Insbesondere Export orientierte Technologieunternehmen werden von der Unsicherheit in Irak und dem Rückgang auf den Weltmärkten hart getroffen", sagte Masayoshi Okamoto von Jujiya Securities in Tokio. Die asiatische Leitbörse in Tokio verlor bis kurz vor Schluss gemessen an dem 225 Werte umfassenden Nikkei-Index rund drei Prozent auf 8029 Zähler.

In dem in Japan am Montag zu Ende gehenden Fiskaljahr hat der Nikkei-Index damit fast 27 Prozent seines Wertes eingebüßt, zeitweise rutschte das wichtigste asiatische Börsenbarometer auf ein Niveau von Anfang der achtziger Jahre.

Von den Sorgen über die Auswirkung der Verbreitung des SARS-Virus, der weite Teile des öffentlichen Lebens in Hongkong lahm gelegt hat, war vor allem die Hongkonger Börse stark betroffen. Zeitweise fiel der Hangseng-Index um drei Prozent auf ein vorläufiges Tagestief von 8593 Zählern. Insgesamt sind weltweit rund 1600 Menschen von SARS angesteckt worden. An der Krankheit, gegen die es bisher kein Mittel gibt, sind weltweit 59 Menschen gestorben, allein 13 davon in Hongkong.

"Der Verkaufsdruck bleibt hoch, da wir überhaupt keine positiven Nachrichten haben. Der Markt ist schon durch die Unsicherheit über den Krieg gebeutelt, und jetzt drückt auch noch SARS auf die Stimmung", erklärte More Huang von UBS Asset Management in Taipei. Auch die übrigen asiatischen Märkte - die Börsen in Singapur, Taiwan und Südkorea verloren deutlich an Wert.

Für die Wall Street hatten Händler am Wochenende keine eindeutige Richtung prognostizieren wollen. Letztlich sei der Kriegsverlauf entscheidend, hieß es in New York. Allerdings könnten darüber hinaus erste Hinweise von US-Unternehmen zum Verlauf des ersten Quartals sowie neue Konjunkturdaten im Wochenverlauf eine Rolle spielen. Die Wall Street hatte in der vergangenen Woche gemessen an dem 30 Standardwerte umfassenden Dow-Jones-Index 4,4 Prozent an Wert verloren. An der Technologiebörse Nasdaq gab der gleichnamige Index 3,6 Prozent im Wochenvergleich nach.

Der Dollar nahm unterdessen seine kurz vor Beginn des Irak-Krieges unterbrochene Talfahrt wieder verstärkt auf und rutschte kräftig ab. Entsprechend zog die europäische Gemeinschaftswährung auf 1,0825 Dollar an. Damit notierte der Euro auch deutlich über dem EZB-Referenzkurs vom Freitag (1,0730 Dollar).

Der Dollar hatte zeitweise wie auch die Aktienmärkte davon profitiert, dass die Ungewissheit über den Kriegsbeginn mit den ersten Angriffen auf den Irak am 20. März vorbei war. Mit der in der vergangenen Woche dann einsetzenden Erkenntnis, dass der Krieg länger als erwartet dauert, hatte der Dollar seine Gewinne wieder kontinuierlich abgegeben. Zu den Sorgen über die Kriegsdauer kommen Händlern zufolge auch Spekulationen über die Auswirkungen des Krieges und der Haushaltspolitik der Regierung auf die US-Wirtschaft.

Die Preise für Gold und die Kurse der festverzinslichen Staatsanleihen, die in politisch unsicheren Zeiten von den Anlegern bevorzugt werden, zogen dagegen an. In Hongkong stieg der Preis für die Feinunze um 2,90 Dollar auf 334,50 Dollar an.

Der Ölpreis stieg ebenfalls, was Händlern zufolge aber auch mit den Unruhen in Nigeria, dem größten afrikanischen Ölförderland, zusammenhing. Pro Barrel (159 Liter) für die Nordseesorte Brent war mit 26,36 Dollar ein Cent mehr zu bezahlen. Händler erwarteten allerdings im Tagesverlauf weiter steigende Preise.

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