Atom-Unfälle Japans Aktienkurse stürzen ins Bodenlose

Das Leck im AKW Fukushima und die wachsende Strahlengefahr haben auch auf die Tokioter Börse einen verheerenden Effekt: Der wichtige Nikkei-Index fiel um mehr als zehn Prozent. Es war der größte Kurssturz seit dem Höhepunkt der Finanzkrise.

Börse in Tokio: "Das sind Panikverkäufe"
AFP/ Jiji Press

Börse in Tokio: "Das sind Panikverkäufe"


Tokio - Alle Kurse in tiefrot: Die Börsen in Japan haben am Dienstag mit massiven Verlusten geschlossen. Der Leitindex Nikkei Chart zeigen sackte um mehr als zehn Prozent ab - und verbuchte damit das größte Minus seit Oktober 2008. Der Index schloss 10,5 Prozent schwächer bei 8605 Punkten. Zwischenzeitlich war das Barometer sogar um 15 Prozent abgestürzt. Der breiter gefasste Topix Chart zeigen gab um 9,5 Prozent auf 766 Punkte nach.

"Das sind Panikverkäufe, und nicht nur bei den ausländischen Investoren", sagte ein Händler. "Alle wollen ihre Aktien loswerden."

Die größten Verluste zeichneten sich ab, als Ministerpräsident Naoto Kan die Einwohner um das Unglückskraftwerk Fukushima aufrief, ihre Wohnungen nicht zu verlassen. Nach zwei weiteren Explosionen warnten japanische Behörden vor einer gefährlichen Strahlenbelastung rund um den Atomkomplex.

Der massive Kurssturz dürfte die enormen wirtschaftlichen Folgen des Erdbebens weiter verschärfen. Allein der Börsenwert der größten an der japanischen Börse notierten Konzerne ist in den ersten beiden Handelstagen dieser Woche um rund 700 Milliarden Dollar gefallen.

Im Gegensatz zum Wochenauftakt, als unter anderem die Bauwerte noch ein Kursplus verbuchen konnten, ging es nun branchenübergreifend nach unten. Kein einziger der 225 Nikkei-Werte verbuchte Gewinne.

Aus der Baubranche büßten etwa die Anteilsscheine von Sekisui House Chart zeigen mehr als 15 Prozent ein. Die Papiere des Autobauers Toyota Chart zeigen, der seine Produktion in allen japanischen Werken bis mindestens Mittwoch eingestellt hat, fielen um mehr als sieben Prozent. Honda-Papiere Chart zeigen verbilligten sich um knapp vier Prozent, Shin-Etsu Chemical Chart zeigen rutschten um mehr als elf Prozent ab, und Sony Chart zeigen verloren knapp neun Prozent. Die Aktien von Tokyo Electric Power Chart zeigen, dem Betreiber des Atomkraftwerks Fukushima Eins, wurden nicht gehandelt.

Um die Finanzmärkte zu beruhigen, pumpte die japanische Notenbank erneut frisches Geld in den Markt. Die Nachrichtenagentur Kyodo nannte eine Zahl von acht Billionen Yen (rund 70 Milliarden Euro). Am Vortag hatte die Summe bei 15 Billionen Yen gelegen.

Ölpreis unter 99 Dollar

Während die Aktienkurse massiv einbüßten, schossen die Kurse von als sicher geltenden Staatsanleihen in die Höhe. Der Yen stieg zwischenzeitlich zum Dollar fast auf den höchsten Stand seit 1995, bevor er wieder nachgab.

Auch andere Börsen in Asien verbuchten wegen der Eskalation der Krise kräftige Kursverluste, diese blieben jedoch deutlich hinter dem Ausmaß in Tokio zurück. An den wichtigsten Handelsplätzen der Region - etwa in Taiwan, Korea und Shanghai - fielen die Kurse im Schnitt um rund zwei bis drei Prozent.

Angesichts der katastrophalen Lage in Japan sackte der Ölpreis in Asien am Dienstag unter 99 Dollar pro Fass (159 Liter). Der Preis für zur Lieferung im April anstehendem Rohöl betrug am frühen Vormittag in Singapur 98,73 Dollar. Das waren 2,46 Dollar weniger als am Vortag. Bereits am Montag war der Preis unter die 100-Dollar-Marke gefallen.

yes/cai/AP/dpa

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Seite 1
goofy100 15.03.2011
1. Bodenloser Unsinn.
14% haben nichts mit bodenlos zu tun. Das ist, ganz im Gegenteil, für viele Investoren eine Gelegenheit zum Kauf. Was Laien offensichtlich nie verstehen ist, dass ein Kurssturz bedeutet, dass noch immer genausoviele Leute bereit sind zu kaufen, wie verkaufen wollen. Ein Kurs kommt erst durch eine vollendete Transaktion zustande. Der Käufer ist also offensichtlich der Meinung, zu diesem Preis lohnt sich das Geschäft und die Investition hat eine Zukunft. Wirklich besorgniserregend wäre erst eine Unmöglichkeit einen Kurs festzusetzen, weil gar kein Käufer mehr willig ist, sein Geld in dieses Investment zu stecken. Dann müsste der Handel ausgesetzt werden. Solange also Käufer da sind, ist der Weltuntergang noch lange nicht da.
digidigi 15.03.2011
2. Ohmeingott
Zocker ziehen Ihr Geld von der Börse um Betriebe für ihre Firmenpolitik/Produkte/wasauchimmer abzustrafen. Jo, ganz sicher. Vielleicht könnte es aber auch sein das man das eingesetzte Geld jetzt dringender woanders braucht - aber so weit gehen die Zockerjubelschreiber bestimmt nicht. Aktien sind Aktien und Geld ist Geld und das eine hat mit dem anderen gar nichts zu tun. Niemals.
Antario 15.03.2011
3. Panik
Japaner sind also doch zu Panikaktionen fähig...
mitwisser, 15.03.2011
4. bis zu 6 Kernschmelzen?
Zitat von sysopDas Leck im*AKW Fukushima und die wachsende Strahlengefahr haben auch auf die Tokioter Börse einen verheerenden Effekt: Der Nikkei-Index sank mit zunehmender Geschwindigkeit um bisher 14 Prozent. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,750952,00.html
Die Kernkraft hat zunächst die Taschen gefüllt und leert sie jetzt... Experten sagten: "Ein Tschernobyl sei unwahrscheinlich" Experten sagten: Die Reaktorkatastrophe habe keine Auswirkungen auf die Wirtschaft, da Japan nur exportiere. Die Wirtschaft wird kollabieren. Japan wird verseucht, eventuell auch der Pazifik. Japan ist auf dem Weg ins Mittelalter. Ich schätze den volkswirtschaftlichen Schaden auf mindestens 200 Milliarden Dollar. Ich erwarte in allen Fukushima-Reaktoren die Kernschmelze und hoffe inbrünstig, dass diese im Erdboden verschwinden und sich nicht in den Pazifik ergießen. Ich vermute, die Kernschmelzen sind der Sargnagel für den globalen Kapitalismus.
mitwisser, 15.03.2011
5. Mad Max
Zitat von sysopDas Leck im*AKW Fukushima und die wachsende Strahlengefahr haben auch auf die Tokioter Börse einen verheerenden Effekt: Der Nikkei-Index sank mit zunehmender Geschwindigkeit um bisher 14 Prozent. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,750952,00.html
Die Kernschmelze verursacht vermutlich: Grundwasserverseuchung Verstrahlung weiter Teile Japans und Tokios Migration in einem überbevölkerten Land soziale Verwerfungen durch Nahrungsknappheit politische Umwälzungen die Verseuchung des Pazifik mit globalen Auswirkungen auf Mensch und Nahrungskette Wir haben es zugelassen, dass die Menschheit teilweise ins Mittelalter zurückgeworfen wird, dass die Natur weiträumig zerstört wird, dass wir bald Szenarien sehen werden, wie aus "Mad Max". Wenn die Menschen begreifen, was hier passiert, wird es an den Börsen dieser Welt massiv nach unten gehen.
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