Alternativen bei Energieversorgung Atomkraft-Verband unterstützt AKW-Laufzeitverlängerung

Ende des Jahres sollen die drei verbliebenen deutschen Atomkraftwerke abgeschaltet werden. Ist das sinnvoll angesichts der drohenden Energieknappheit? Jetzt bezieht auch ein Branchenverband Stellung.
AKW Neckarwestheim: Soll als einer der letzten Meiler vom Netz gehen

AKW Neckarwestheim: Soll als einer der letzten Meiler vom Netz gehen

Foto: Norbert Försterling / dpa

Der Branchenverband Kernenergie spricht sich für eine befristete Laufzeitverlängerung der letzten deutschen Atomkraftwerke aus.

»Wir plädieren dafür, alle verfügbaren Quellen zu nutzen, um die Energiekrise besser zu überstehen«, sagte ein Verbandssprecher dem »Münchner Merkur«. Um einen Weiterbetrieb zu ermöglichen, sei aber Eile nötig. »Die Kraftwerke befinden sich im Abschaltungsprozess. Je länger man wartet, desto schwieriger wird es, sie wieder hochzufahren.«

In der Regierungskoalition hatte zuletzt FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai gefordert, angesichts drohender Lieferengpässe bei Gas aus Russland die Laufzeiten der drei verbliebenen deutschen Atomkraftwerke zu verlängern. Sie werden nach bisherigen Plänen im Zuge des Atomausstiegs Ende des Jahres abgeschaltet.

Brennstäbe könnten womöglich bis Jahresende geliefert werden

Im März hatten die deutschen Atomkonzerne die Lage noch so eingeschätzt, dass sich die Engpässe beim Gas- und Kohleimport kaum schnell durch längere Laufzeiten der Kernkraftwerke ausgleichen ließen. Eine Sprecherin von PreussenElektra, einer Eon-Tochterfirma, hatte darauf hingewiesen, dass die Lieferung neuer Brennstäbe anderthalb Jahre dauern könnte.

Der Verband Kernenergie hält nun die Beschaffung aber rechtzeitig vor dem Jahresende für machbar. Dafür sei zwar Russland ein traditioneller Lieferant, aber Uran gebe es auch in Australien oder Kanada. Doch auch hier sei Eile geboten: »Wenn wir mehr Uran wollen, müssen wir es bald bestellen, weil es nicht so schnell verfügbar ist.« Nötig seien zudem neue Verträge mit geschultem Personal zum Betrieb der Kraftwerke.

Atomlobbyisten hatten im März einen Brief an Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) geschrieben. Darin appellierten sie, die Bundesregierung möge ihre ablehnende Position bezüglich der Verlängerung der Laufzeiten der deutschen Atomkraftwerke überdenken und sich auf eine Notsituation »bei der Energieversorgung unseres Landes« vorbereiten.

ptz/AFP
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