Umstrittener Meiler Großbritannien verschiebt Atomkraftwerk-Deal mit EDF

Der französische Stromkonzern EDF hatte schon grünes Licht für den Bau des Atommeilers Hinkley Point gegeben. Doch jetzt zögert die britische Regierung. Sie will erst im Herbst entscheiden.

Standort für AKW Hinkley Point C (Archivfoto)
REUTERS

Standort für AKW Hinkley Point C (Archivfoto)


Die britische Regierung hat überraschend einen Deal mit dem französischen Energiekonzern EDF über den Bau des neuen Atomkraftwerks Hinkley Point verschoben. Der britische Energieminister Greg Clark sagte einer Pressemitteilung zufolge: "Die Regierung wird jetzt sorgfältig alle Bestandteile dieses Projekts betrachten und ihre Entscheidung im frühen Herbst treffen."

Nur kurz zuvor hatte der EDF-Verwaltungsrat nach langem Zögern dem Projekt zugestimmt. Dass nun die britische Regierung auf die Bremse tritt, verärgert Unternehmensverbände und Gewerkschaften auf der Insel, die sich von dem Projekt 25.000 neue Arbeitsplätze erhoffen.

Britische Medien spekulieren, dass Premierministerin Theresa May Kritikern nachgegeben haben könnte, denen die ausgehandelten Strompreise von rund 93 Pfund (rund 110 Euro) pro Megawatt-Stunde zu teuer sind.

Das Projekt in Hinkley Point an der Westküste Englands soll 18 Milliarden Pfund (etwa 21,5 Milliarden Euro) kosten. Rund ein Drittel soll der chinesische Partner China Nuclear Power Corporation (CGN) schultern. Kritiker halten die Milliardeninvestition für ein Risiko.

EDF ist zu mehr als 80 Prozent im Besitz des französischen Staates. Der Konzern musste im vergangenen Jahr deutliche Gewinneinbußen hinnehmen und will bis 2018 fünf Prozent seiner Arbeitsplätze in Frankreich abbauen. Gewerkschaften hatten daraufhin gefordert, den teuren Neubau in England zu stoppen oder zu verschieben - sie zogen auch vor Gericht, dieser Streit ist nach französischen Medienberichten noch nicht ausgefochten.

Die Pariser Regierung hatte sich aber immer wieder hinter das Projekt gestellt, sie sieht es als Aushängeschild für französisches Know-How. Die Atomindustrie des Landes steckt in einem tiefgreifenden Umbau, EDF übernimmt dabei auch das Reaktorgeschäft des defizitären Atomkonzerns Areva. Im April wurde eine Kapitalerhöhung von vier Milliarden Euro angekündigt.

asa/dpa



insgesamt 53 Beiträge
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realist29 29.07.2016
1.
Warum kann GB das Atomkraftwerk nicht eigenständig bauen. Es ist nicht clever, wenn große Teile des Gewinns ins Ausland abfließen. Gerade bei einer solch sicherheitsrelevanten Anlage würde ich mir wünschen, dass die Verantwortlichen ihren Wohnsitz nicht in 10000 Kilometer Entfernung haben.
Eserwe 29.07.2016
2. Idiotie auf Stelzen
Hinkley Point C ist eine Druckwasserreaktorvariante von dessen Typ es zwei weitere Anlagen im Bau gibt: Okiluoto 3 in Finnland und Flammville in Frankreich. Beide Anlagen sind Jahre hinter Plan (Flammville sechs und Okiluoto mindestens 8 Jahre), und Milliarden über den ursprünglich geplanten Kosten (Okiluoto mindestens dreifach). Nüchtern betrachtet hat das Okiluoto 3 Desaster und die damit verbundenen Verluste Areva gezwungen, sich in die Arme von EDF zu flüchten. Wie in dem Artikel aufgeführt rechnet sich Hinkley Point C nur unter der Vorraussetzung eines für 30 Jahe garantierten Abnahmepreises der vierfach über dem gegenwärtigen Weltmaktpreis liegt. Das ganze Projekt ist Idiotie auf Stelzen.
tatsache2011 29.07.2016
3. Erst AKWs fertig bauen
EdF soll erstmal die beiden AKWs in Flamanville und Olkiluoto fertig bauen. England hat kein Vertrauen wegen technischer Pannen, Kosten viel teurer als geplant und weit überschrittenen Terminen bei diesen AKWs.
msdelphin 29.07.2016
4. Teure Lachnummer
Das AKW Hinkley Point wird als teure Lachnummer in die Geschichte eingehen. Politiker und Manager, die von den technischen/naturwissenschaftlichen Hintergründen kaum Verständnis haben, versuchen mit aller Gewalt ein Projekt durch zu boxen, dass jetzt schon zum Scheitern verurteilt ist. So wie der Berliner Grossflughafen von Politikern koordiniert wurde, weil sie das besser können und so wie die Manager von RWE und EON wider besseren Wissens die Konzerne an den Rande des Ruins geführt haben, so wird man beim AKW Hinkley Point weitermachen. Ein Milliarden Grab. Schon jetzt liefern die regenerativen Energien insbesondere die Windenergie den Strom wesentlich kostengünstiger als den Preis, für den Hinkley Point liefern kann. Welcher Verbraucher zahlt den aus Ehrgeiz, weil er gerne Kernenergie haben möchte freiwillig viel mehr für seinen Strom. Achja, jetzt kommt das Argument mit der EEG-Umlage. Diese fällt aber nach 20 Jahren Laufzeit weg. Da die EEG-Umlage ca. 2001 aufgekommen ist, wird sie ab 2021 stetig zurückgehen und den regenerativen Strom noch günstiger machen. Nach älteren Plannungen soll (wenn alles gut geht) AKW Hinkley Point C seinen Betrieb im Jahr 2023 aufnehmen. Die tatsächlichen Baukosten werden außerdem viel höher liegen, weil solche Projekte gerne klein/schön gerechnet werden, damit sie begonnen werden. Aber jedes Land sollte sich soetwas wie Hamm Uentrop leisten.
MiniDragon 29.07.2016
5. Gute Entscheidung
Dieser europäische Druckwasser-Reaktor mit Core- Fänger, an dessen Entwicklung auch Siemens mitgewirkt hat, ist (wie zu erwarten war) ein Milliarden- Fänger geworden. Ob je einer davon in Betrieb gehen wird, steht in den Sternen. Wenn die Briten unbedingt Kernkraftwerke bauen wollen, um weniger von dem pösen CO2 freizusetzen, dann sollten sie sich dafür besser mit chinesischen oder russischen Firmen zusammentun. Leider hat Obama inzwischen dafür gesorgt, dass US- Firmen auf diesem Gebiet nicht mehr viel Neues anzubieten haben.
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