Atomkraftwerk Krsko Deutsche Hilfe für Strom aus Slowenien

Das Atomkraftwerk Krsko steht nicht zum ersten Mal in den Schlagzeilen: Schon öfter wurden Pannen gemeldet, Umweltschützer forderten die Abschaltung. Finanziert wurde der Bau auch mit deutschen Geldern. Die Betreiber planen sogar einen zweiten Reaktor.


Hamburg - Das Kernkraftwerk Krsko (deutsch: Gurkfeld) ist nach dem gleichnamigen 7000-Einwohner-Ort in Slowenien benannt. Der Reaktor stammt aus dem Jahr 1981. Er liegt in der Nähe der kroatischen Grenze und wird von beiden Staaten gemeinsam betrieben. Bei dem Meiler handelt es sich um einen Druckwasserreaktor der amerikanischen Firma Westinghouse mit einer elektrischen Bruttoleistung von 730 MW.

Die slowenische Betreibergesellschaft Nuklearne Elektrarna Krsko (NEK) hat in der Vergangenheit auch mit dem europäischen Konsortium Siemens-Framatome zusammen gearbeitet - zum Teil sogar mit Unterstützung der deutschen Politik. So vergab die rot-grüne Bundesregierung 1999 eine Hermesbürgschaft über 36 Millionen Mark für die Nachrüstung des slowenischen Kraftwerks durch Siemens.

Krsko ist bisher das einzige Kernkraftwerk Sloweniens. Es deckt rund 40 Prozent des dortigen Strombedarfs. Allerdings plant das Land einen weiteren Reaktor am selben Standort. Mit dem Bau soll nach Presseberichten im Jahr 2013 begonnen werden. Ursprünglich hatte sich Slowenien für den schrittweisen Ausstieg aus der Atomenergie entschieden, änderte seine Energiepolitik dann aber doch.

Umweltschützer aus Österreich haben das Kraftwerk in Krsko immer wieder kritisiert. Sie führten vor allem an, dass der Reaktor in einem erdbebengefährdeten Gebiet steht. Offiziell entspricht die Sicherheit des Kernkraftwerks jedoch internationalen Standards.

Trotzdem kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Pannen. So hat sich die Anlage 1994 nach einem Zwischenfall automatisch abgeschaltet. Die slowenischen Behörden stuften den Vorfall als harmlos ein. Im August 2004 kam es wegen eines Defekts im elektrischen Kontrollsystem erneut zu einer automatischen Schnellabschaltung.

International sorgte das Kraftwerk immer wieder für Verstimmung. Beim Co-Betreiber Kroatien löste Krsko vor einigen Jahren sogar eine veritable Regierungskrise aus. Am Ende trat das Kabinett in Zagreb zurück, weil sich die Minister nicht auf ein neues Abkommen mit dem Partner Slowenien einigen konnten.

Am meisten Streit gibt es jedoch mit Österreich. Die Regierung des Nachbarlands hat die Sicherheit von Krsko immer wieder angezweifelt. Wien drängte seinerzeit vehement auf eine Abschaltung des Meilers und drohte gar, gegen den EU-Beitritt Sloweniens ein Veto einzulegen.

Für Slowenien hingegen ist Krsko nicht einfach nur ein Energielieferant, sondern Symbol seiner Souveränität. Fremde Einmischung hat sich die Regierung in Ljubljana deshalb stets verbeten.

wal



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