Atomkraftwerk Ringhals Vattenfall trennt sich von betrunkenen Bauarbeitern

Die Pannenserie beim Stromkonzern Vattenfall nimmt kein Ende: Nach den Zwischenfällen in Brunsbüttel und Krümmel wurden acht Bauarbeiter des schwedischen Atomkraftwerks Ringhals betrunken erwischt. In Deutschland droht Umweltminister Gabriel mit dem Entzug der Betriebserlaubnis.


Berlin/Stockholm - Nach den Pannen in Krümmel und Brunsbüttel gerät der Stromkonzern Vattenfall noch stärker unter Druck. Presseberichten zufolge sind mehrere Bauarbeiter des wichtigsten schwedischen Atomkraftwerks Ringhals in den vergangenen Wochen betrunken erwischt worden. Vattenfall trennte sich daraufhin von den betroffenen Arbeitern einer fremden Baufirma. Acht Arbeiter seien stark alkoholisiert aufgefallen und hätten in Unterkünften außerhalb des Reaktorgeländes weibliches Reinigungspersonal belästigt.

Reaktor im schwedischen Ringhals: Acht Arbeiter entlassen
DPA

Reaktor im schwedischen Ringhals: Acht Arbeiter entlassen

Ein Vattenfall-Sprecher sagte SPIEGEL ONLINE, dass die Arbeiter außerhalb ihrer Arbeitszeit auffällig geworden seien. Die Sache sei wegen der sexuellen Belästigung ins Rollen gekommen. Daraufhin habe sich das Unternehmen von den Beschäftigten getrennt. Im Übrigen habe sich der Vorfall nicht auf dem Gelände von Vattenfall ereignet.

Der Informationschef des Kraftwerks Ringhals, Torsten Bohl, sagte der Zeitung "Göteborgs-Posten", die Bauarbeiter hätten keinen Zutritt zur Reaktorhalle gehabt, sondern seien ausschließlich am Erweiterungsbau des Reaktors 3 beschäftigt gewesen. Die Alkohol- und Drogenkontrollen auf dem Gelände seien nach den Vorfällen verschärft worden.

Für Vattenfall ist die Affäre ein weiterer Höhepunkt einer langen Pannenserie. Bereits im Vorjahr hatte es Berichte über Alkoholprobleme im AKW Forsmark nördlich von Stockholm gegeben. Im Sommer 2006 war dort ein Reaktor beinahe außer Kontrolle geraten. Nach einem Stromausfall sprangen Notaggregate zur Reaktorkühlung nicht an, im Kontrollraum fielen die Computer aus.

In Deutschland steht das Unternehmen wegen seiner Atomkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel in der Kritik. Zwischenfälle wie einen Trafobrand in den vergangenen Tagen hatte Vattenfall nur peu à peu bekannt gegeben.

Auch in Ringhals brannte im vorigen November ein Trafo, der dann explodierte. Das Kraftwerk befindet sich in Varberg südlich von Göteborg und wird gemeinsam von Vattenfall (70 Prozent) und vom größten deutschen Energiekonzern E.on (30 Prozent) betrieben. Der Meiler mit vier Reaktorblöcken deckt rund 20 Prozent des gesamten schwedischen Stromverbrauchs. Vattenfall gehört dem schwedischen Staat, ist aber auch in Deutschland tätig. Hierzulande ist das Unternehmen der drittgrößte Stromproduzent.

Wie die schwedische Nachrichtenagentur TT berichtet, will Vattenfall in Ringhals nun strikte Alkoholkontrollen an den Eingängen einführen. Strengere Regeln soll es auch im südschwedischen Atomkraftwerk Oskarshamn geben, an dem E.on, aber nicht Vattenfall beteiligt ist. Hier sollen ab Herbst an den Drehkreuzen alle Mitarbeiter, die im Bereich von Reaktoren, Turbinen und Werkstätten beschäftigt sind, auf Alkohol und Drogen untersucht werden. Die Werksleitung in Forsmark setzt zunächst nur auf Alkohol- und Drogenstichproben.

In Deutschland drohen Vattenfall unterdessen ernsthafte Probleme. Nach den Pannen im Atomkraftwerk Krümmel schließt Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) nicht aus, dass dem Unternehmen die Betriebserlaubnis entzogen wird. "Das prüft die Landesatomaufsicht in Kiel aus gutem Grund", sagte Gabriel der in Hannover erscheinenden Zeitung "Neue Presse". Er wolle den Ergebnissen nicht vorgreifen, aber er glaube, "dass Vattenfall im eigenen Interesse gut daran täte, sich bei der Aufklärung der Vorgänge in seinen Atomkraftwerken kooperativer zu zeigen".

Wegen der "gravierenden Fehler und Kommunikationsprobleme des Betriebspersonals in Krümmel" sei ein Gespräch der Aufsichtsbehörden mit den verantwortlichen Mitarbeitern vor Ort unerlässlich, betonte Gabriel. "Für mich ist vollkommen unverständlich, dass sich Vattenfall hier bisher verweigert. Wir brauchen umfassende Aufklärung."

wal/dpa/ddp

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