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Atomruine Hamm: Bezahlt Bonn den Abbruch?

aus DER SPIEGEL 29/1989

Die westdeutsche Stromindustrie macht einen neuen Versuch, die immensen Abbruchkosten für den einst als Renommierprojekt gefeierten Thorium-Hochtemperaturreaktor THTR 300 in Hamm endgültig auf den Staat abzuwälzen. In einem Brief an Forschungsminister Heinz Riesenhuber rückten die Elektrizitätsversorgungsunternehmen der Betreibergesellschaft HKG Anfang Juli endgültig von ihrer Zusage ab, den konkursreifen Atommeiler wenigstens noch zwei Jahre arbeiten zu lassen. Da das Wiederanfahren des vor zehn Monaten stillgelegten Reaktors »nicht erreichbar« sei, drängen die Stromherren nun nur noch auf eine »geordnete Beendigung des Projekts«. Gleichzeitig möchten die Reaktorbetreiber erreichen, daß die später zu erwartenden Abbruchkosten von 400 bis 500 Millionen Mark allein vom Bund und von der Düsseldorfer Landesregierung bezahlt werden. Die Energieversorger sind allenfalls bereit, für den Ausstieg aus dem THTR-Abenteuer neben den bereits zugesagten 65 Millionen weitere 101 Millionen Mark zusammenzukehren. Noch wehrt sich Riesenhuber vehement. Er ließ der HKG postwendend eine neue Offerte unterbreiten und bat, dieses Angebot als »letztmalige Einigungschance« zu überprüfen. Der Forschungsminister möchte den Vorrat der sonst nutzlosen Brennelemente im Wert von 60 Millionen Mark verfeuern lassen. Vor allem aber möchte er verhindern, daß der Regierung Kohl im Wahljahr 1990 ständig die Atomruine in Hamm vorgehalten wird. Doch Riesenhuber hat kein Druckmittel, die Industrie war beim Aushandeln der Verträge schlauer. Stimmt der Minister dem geordneten Ende nicht zu, geht die HKG eben ungeordnet in Konkurs. Die HKG ist eine GmbH, deshalb ist ein Haftungsdurchgriff auf die Eigentümer nahezu ausgeschlossen.

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