Atomstreit Ajatollah Chamenei droht USA mit Öl-Boykotten

Im Atomstreit zwischen dem Westen und Iran setzt Teheran seine Öl-Vorräte nun doch als Druckmittel ein. Ein "falscher Zug" der USA reiche aus, um die Energieversorgung der gesamten Region zu gefährden, sagte das geistliche Oberhaupt des Staates heute.

Teheran - "Wenn Sie in Bezug auf Iran einen falschen Zug machen, wird definitiv der Energiefluss in dieser Region ernsthaft gefährdet", sagte Ajatollah Ali Chamenei an die Adresse der USA in einer im staatlichen Fernsehen ausgestrahlten Rede. Die iranische Regierung hat immer bislang ausgeschlossen, im Streit um Irans Atomprogramm die Öl-Vorräte des Landes als Druckmittel einzusetzen.

Die USA und andere Staaten werfen Iran vor, nach Atomwaffen zu streben. Sie verlangen insbesondere, dass die Regierung ihr Programm zur Anreicherung von Uran aufgibt. Der Iran hat die Vorwürfe zurückgewiesen und will an dem Programm festhalten.

Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad hatte gestern gesagt, er wolle den jüngsten Kompromissvorschlag der Veto-Mächte im Uno-Sicherheitsrat und Deutschlands prüfen - er will sich allerdings Zeit lassen. Sein Land werde kein voreiliges Urteil abgeben, sagte Ahmadinedschad vor tausenden Menschen in Teheran. Man habe keine Eile. "Wir suchen Verhandlungen, aber faire und gerechte Verhandlungen. Sie müssen ohne Bedingungen sein", sagte der Präsident in einer Rede zum Todestag von Revolutionsführer Ajatollah Khomeini.

Die Uno-Vetomächte und Deutschland hatten Teheran vor die Alternative gestellt, die Verhandlungen wieder aufzunehmen oder mit Sanktionen rechnen zu müssen. Die Vorschläge der sechs Länder sollen dem Iran in Kürze zugeleitet werden. Die USA, Deutschland, Frankreich und Großbritannien sowie Russland und China hatten sich am Donnerstagabend bei einem Außenministertreffen in Wien auf ein gemeinsames Vorgehen verständigt. In Aussicht gestellt wurden dem Iran Verhandlungen über ein Paket von wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und politischen " Anreizen", sofern er auf die Urananreicherung verzichtet.

Ahmadinedschad sagte dazu: "Wir werden den Vorschlag sorgfältig prüfen und dann unsere endgültige Entscheidung treffen." Uno-Generalsekretär Kofi Annan habe ihn gebeten, "die Dinge nicht zu überstürzen und keine Details (der Vorschläge) zu enthüllen", sagte der Präsident weiter. "Und ich habe ihm dies versprochen."

Iran würde "jeden Angreifer an Felsen zerschmettern"

Ahmadinedschad bekräftigte zugleich das "unbestreitbare Recht" seines Landes auf die Urananreicherung. "Bei diesem Punkt wird es keinen Kompromiss und nicht einmal Verhandlungen geben." Die Iraner seien dem Weltfrieden verpflichtet, aber sie akzeptierten keine Bedingungen und Drohungen. "Die iranische Nation ist wie die wilde Brandung des Ozeans, die jeden Angreifer an den Felsen zerschmettern würde", sagte der Präsident unter Anspielung auf militärische Drohungen im Atomstreit.

Solana sagte der Zeitung "Die Welt": "Wenn die iranische Führung das neue Angebot zurückweisen sollte, wäre das ein klarer Beweis, dass sie nicht Energie wollen, sondern Nuklearwaffen. Das wäre ein gewaltiger Fehler." Er fügte hinzu: "Iran wird dann unter erheblichen Druck kommen, und wir werden die entsprechenden Maßnahmen ergreifen."

Der EU-Chefdiplomat bricht an diesem Sonntag zu einer dreitägigen Nahostreise auf. Demnächst wird er zu Gesprächen nach Teheran reisen. Eine Sprecherin Solanas bestätigte die Reisepläne am Samstag in Brüssel. Ein genaues Datum stehe aber noch nicht fest.

itz/fok/AP/dpa/Reuters

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