Rede in Davos Auch für Merkel ist Trump der Gegner

Wie Grünenchef Habeck hat sich auch Angela Merkel beim Weltwirtschaftsforum in Davos klar von US-Präsident Trump abgegrenzt. Wie ihre eigenen Lösungen konkret aussehen, blieb jedoch offen.
Eine Analyse von Michael Sauga, Davos
Wenig Zeit für einen neuen Anlauf: Angela Merkel in Davos

Wenig Zeit für einen neuen Anlauf: Angela Merkel in Davos

Foto: DENIS BALIBOUSE/ REUTERS

Es war eine typische Merkel-Rede, mit der die Bundeskanzlerin am Donnerstag vor das Weltwirtschaftsforum trat. Wie schon in den vergangenen Jahren präsentierte sich die Kanzlerin dabei als Gegenmodell zum rein national argumentierenden US-Präsidenten (Details lesen Sie in unserem Davos-Blog).

Wo Donald Trump mit den eigenen Erfolgen protzt, redet Merkel von einer "multipolaren Welt" und von "staatlicher Zusammenarbeit". Sie ist die letzte Verfechterin des Multilateralismus, Last Woman Standing sozusagen.  

Genauso wie für den grünen Parteichef Robert Habeck ist auch für Merkel Trump der Gegner, obwohl sie ihn kein einziges Mal beim Namen nennt. Aber alle wissen natürlich, wen die Kanzlerin meint, wenn sie bedauert, dass leider nicht alle kooperieren. 

Die Stellschrauben sind benannt

Merkel trifft damit eher den Ton der in Davos versammelten Wirtschafts- und Regierungsvertreter als Trump. Aber auch in dieser Rede kann sie nicht so richtig darlegen, wie ihre Lösung aussieht. Wie üblich benennt sie alle Stellschrauben, um die es geht, von der Energiewende, über den Schutz der Artenvielfalt bis zur Überwindung der neuen Stadt-Land-Spaltung. Aber die entscheidenden Fragen bleiben offen.

Was macht Europa, wenn die USA tatsächlich auf Dauer aus dem Klimaabkommen aussteigen? Wie will sie in Europa einen neuen Migrationskompromiss schaffen? Wie will sie dem grassierenden Nationalismus Einhalt gebieten.

Merkel setzt auf Diplomatie und neue Gipfelkonferenzen. Sie will in diesem Jahr mit Afrikanern und Chinesen reden. Fragt sich nur ob das reicht, um den Multilateralismus neu zu beleben. Denn Merkel hat nicht mehr viel Zeit. Bis Ende des Jahres müsste sie einen neuen Anlauf schaffen. Dann beginnt der Wahlkampf - und endet bald ihre Amtszeit.

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