Volkswagen-Tochter Aufsichtsrat will bald neuen Audi-Chef küren

Schon am nächsten Freitag könnte Markus Duesmann nach SPIEGEL-Informationen zum neuen Audi-Chef ernannt werden. Der ehemalige BMW-Vorstand soll die schwächelnde Premiummarke sanieren.

Audi-Werk in Neckarsulm
Michaela Rehle/ REUTERS

Audi-Werk in Neckarsulm

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Der Volkswagen-Konzern will in den nächsten Wochen einen neuen Chef für die Premiumtochter Audi küren. Das Thema solle bei der nächsten Aufsichtsratssitzung am 15. November behandelt werden, heißt es nach SPIEGEL-Informationen aus Konzernkreisen. Ob an diesem Tag bereits eine offizielle Entscheidung gefällt werde, sei noch offen, aber sehr wahrscheinlich. Der Handlungsdruck sei groß, heißt es.

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Für den Posten ist der frühere BMW-Vorstand Markus Duesmann, 50, seit Längerem vorgesehen. Er wird nach derzeitigem Stand am 1. April 2020 an die Audi-Spitze rücken. Volkswagen will die Personalie nicht kommentieren.

Markus Duesmann auf einem Archivfoto
Sven Simon / imago images

Markus Duesmann auf einem Archivfoto

Duesmann soll bei der schwächelnden Premiummarke tiefgreifende Reformen umsetzen. Der Motorenexperte ist der Wunschkandidat des VW-Chefs Herbert Diess. Nur mit einem Ingenieur an der Spitze, lautet die Überzeugung im VW-Konzern, könne Audi die frühere Innovationskraft zurückgewinnen und damit dem Slogan "Vorsprung durch Technik" wieder gerecht werden. Der derzeitige Audi-Chef Bram Schot ist Vertriebler, dessen Vorgänger Rupert Stadler war Finanzer.

Derzeitiger Audi-Chef könnte im Konzernvorstand bleiben

Auch die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch fordern intern seit einiger Zeit, Audi müsse wirtschaftlicher aufgestellt werden. Das Unternehmen achte zu stark auf die Auslastung seiner Werke in Deutschland, statt die tatsächliche Nachfrage in den Blick zu nehmen. Die Überproduktion von Audi-Modellen habe zur Folge, dass Händler oft Preisnachlässe gewähren müssten.

Aktuell verhandeln Betriebsrat und Audi-Führung darüber, die Kapazitäten der Werke in Ingolstadt und Neckarsulm um je 100.000 Autos pro Jahr zu reduzieren. Im Gegenzug fordern die Arbeitnehmervertreter eine Verlängerung der Beschäftigungsgarantie, die aktuell bis 2025 gilt. Eine Einigung könnte bereits in der kommenden Woche erzielt werden, berichten Insider.

Ob die Neubesetzung der Audi-Spitze am nächsten Freitag bereits beschlossen wird, hängt auch davon ab, ob der VW-Konzern sich bis dahin mit dem bisherigen Amtsinhaber Schot einig wird. Zur Diskussion steht, dass Schot zwar den Chefposten bei Audi abgibt, aber Mitglied im VW-Konzernvorstand bleibt. Dort könnte er neben dem Vertriebsressort, das er schon heute innehat, zusätzlich noch das China-Geschäft übernehmen. Aber auch ein Ausscheiden aus dem Konzern ist denkbar.

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insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
rathat 08.11.2019
1. Mafia ernennt neuen Capo
Auch so könnte die Überschrift lauten. Der Volkswagen Konzern und insbesondere Audi betrügen mit ihren Fahrzeugen bis heute Staaten und Kunden und schädigen die Schwächsten der Gesellschaft - Kinder und Alte - bis zum heutigen Tag. Und doch wird immer noch so getan, als ob es sich um ein ehrbares Unternehmen handelt. Es kommt nicht von ungefähr, dass sich Volkswagen selbst gern als Konzern-"Familie" bezeichnet.
dirkcoe 08.11.2019
2. AUDI war schon
vor dem Dieselbetrug ein Sanierungsfall und hat keine Chance das noch zu ändern. Nachdem viele Firmen die Marke nach dem Betrug aus der Liste der möglichen Firmenwagen gestrichen haben, gewähren die Händler heute fast jeden Rabat, wenn ein Firmenkunde anfragt. Weil wer kauft privat schon einen VW mit 30% Aufschlag, nur weil AUDI draufsteht?
Unglaeubiger789 08.11.2019
3. Vorsprung durch Technik
sollte ehrlicherweise mit VORSPAUNG DURCH BETRUG ersetzt werden, dann wären wir näher an der Wahrheit dran und alle wüssten Bescheid.
vokope 08.11.2019
4. VAG verbrannt
Die VAG ist für mich als Kunde auf alle Ewigkeit verbrannt. Seat, Škoda, Audi, Bentley, Bugatti, Ducati, Lamborghini, Porsche, MAN und Scania - guck ich mit dem Mors nicht mehr an. Die unzähligen Betrugsversuche, die "vollumfänglich" Transparenz, die Reue, die Moral - es ist gar widerwärtig. Dass die Absatzzahlen, vor allem in DACH, noch so hoch sind, ist traurig, und Deutschland sollte sich schämen. Denn auch unsere korrupte Bundesregierung macht in dem Betrugsskandal eine äußerst schlechte, gar korrupte, Figur.
schwatzgelb 08.11.2019
5. Zum wiederholten Male auch hier
frage ich, wieso Scheuer nicht längst entlassen ist! Die Kanzlerin wie meist entscheidungsschwach und ängstlich gegenüber Seehofer. Scheuer zu feige zurückzutreten, ohne jedes Rückgrat!Wir alle tragen die Lasten, die dieser Mensch aus wahltaktischen Gründen aufgehäuft hat! Und er kann leider wahrscheinlich nicht zur Verantwortung gezogen werden, obwohl es sich um Untreue gegenüber dem Staat handelt!
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