Debatte über Werbung Jetzt auch mit Shitstorm

Werbung sorgt für Aufmerksamkeit - aber nicht immer so, wie sich das die Macher denken. Zuletzt löste ein Reklamefoto von Audi Empörung aus. Der Fehltritt ist kein Einzelfall.
Audi-Motiv mit Ärger: Verworren geworben?

Audi-Motiv mit Ärger: Verworren geworben?

Foto:

Audi

Ein kleines Mädchen lehnt vertrauensvoll an Papas Auto, futtert eine Banane und sieht dank Sonnenbrille dabei cool aus. Was kann mit so einem Werbemotiv schiefgehen?

Das mögen die Verantwortlichen beim Autohersteller Audi gedacht haben. Und schrieben noch treuherzig ein wenig PS-Lyrik hinzu, wie sie so typisch ist für die deutsche Autobranche: "Lets your heart beat faster - in every aspect", also etwa: Lässt dein Herz schneller schlagen - in jeder Hinsicht.

Doch der Herzschlag ging bei vielen Rezipienten anders in die Höhe als gewünscht: Sie regten sich auf. Manche erkannten in der Haltung des Kindermodels eine Lolita-Pose und in der Banane einen Phallus - abstoßend, gerade mit diesem Slogan. Andere stießen sich am Zusammentreffen von Kleinkind und Kühlergrill: Draußen auf den Straßen ende so was viel zu oft tödlich für die Kinder; die immer größeren Autos führten dazu, dass kleine Verkehrsteilnehmer leicht übersehen würden. Die Größenverhältnisse auf dem Foto scheinen das zu bestätigen, und das ist noch nicht einmal das wuchtigste Audi-Modell.

Schließlich entschuldigte sich Audi und kündigte an, das Motiv zurückzuziehen (auf dem Twitteraccount der Marke ist es, Stand Freitag, noch zu sehen ). Wie sehr so eine Aktion dem Hersteller schadet - schwer zu sagen. Wer sich an aggressiven Automodellen stört, ist vermutlich ohnehin nicht geneigt, den beworbenen 450-PS-Kombi zu kaufen. Viele, auch Leser im SPIEGEL-Forum, finden die Aufregung übertrieben. Andererseits kann so ein Fauxpas einer Marke kaum egal sein, es sei denn, sie hätte es auf Provokation angelegt. Den Eindruck machte Audi mit seiner Entschuldigung nicht.

Immerhin ist Audi mit solchen Ausrutschern nicht allein. Wobei das kaum tröstet: Wir haben ein halbes Dutzend weiterer Aufreger aus den vergangenen Jahren gesammelt, und einige sind eindeutig ärgerlicher. Und einer davon kommt immerhin aus dem gleichen Konzern wie Audi, nämlich Volkswagen.

Rassistischer Golf?

Erst im Mai bewarb VW nämlich den neuen Golf mit einer Reihe Instagram-Filmchen. Dabei schubsten groß gefilmte Hände klein gefilmte Personen durchs Bild, daneben im Bild der angepriesene Kompaktwagen. Ein Film verstörte allerdings die Zuschauer: Die schubsende Hand war weiß, der Geschubste schwarz, und als der Schriftzug "Der neue Golf" eingeblendet wird, sieht man nicht sofort alle Buchstaben, sondern zunächst die Buchstaben N, E, G, E und R.

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Die Twitter-Nutzerin friesiii fragte, wie man in zehn Sekunden so viel auf einmal falsch machen kann. Der Ärger war auch international groß, zumal auch noch der Schriftzug "Petit Colon" ("kleiner Siedler") auftaucht, der als Anspielung auf die Kolonialgeschichte gedeutet wurde.

VW entschuldigte sich und kündigte eine interne Untersuchung an. Am Ende gab es keine Entlassung als Konsequenz, wie sie mancher verärgerte Kommentator gefordert hatte. Man habe es an Sensibilität fehlen lassen, so VW, aber bei keinem der Beteiligten böse Absicht feststellen können.

Affiger Pulli

Auch der Modekonzern H&M hat sich schon mit rassistischer Werbung blamiert. Gezeigt wurde ein grüner Kapuzenpulli, Schriftzug: "Coolest Monkey in the Jungle", also "Coolster Affe im Urwald". Dass diesen Pulli auf den Fotos ausgerechnet ein Junge mit schwarzer Hautfarbe trug, brachte viele in Rage. Die Modebloggerin Stephanie Yeboah kritisierte, es sei doch hinlänglich bekannt, dass "Affe" eine verbreitete "rassistische Verunglimpfung" für Schwarze sei.

Aufgefallen war das Foto 2018 in einem britischen Onlineshop der Marke. Nur noch schlimmer machte das Foto der Kontrast: In der gleichen Kollektion wurde ein Pulli mit dem Aufdruck "Survival Expert" von einem weißen Kindermodel präsentiert. Der kanadische Musiker The Weeknd zog umgehend Konsequenzen und beendete seine Zusammenarbeit mit H&M; er hatte bis dahin eine eigene Kollektion gehabt und selbst für die schwedische Marke gemodelt. H&M entschuldigte sich.

KZ-Look für Kinder

Mindestens so schockierend war ein Kindershirt der spanischen Marke Zara vier Jahre zuvor. Hier entstand der Schrecken nicht erst durch die Kombination von Shirt und Träger - das Produkt war ganz allein das Problem.

Die blauen Querstreifen ähnelten Sträflingskleidung, der große gelbe Stern mit sechs Spitzen auf der Brust erinnerte an den sogenannten Judenstern, mit dem die Nazis ab 1935 Menschen brandmarkte. Dass auf dem Stern "Sheriff" stand, konnte man kaum erkennen (und warum sollte ein Sheriff Sträflingskleidung tragen?). Dagegen erkannten viele darin die (wenn auch längs gestreifte) Kleidung von KZ-Häftlingen wieder.

"Das Design des T-Shirts war lediglich inspiriert von Sheriffsternen aus klassischen Western, so wie es auch in der Produktbeschreibung gesagt wird", hieß es damals vom Zara-Mutterkonzern Inditex. Doch der Eindruck war verheerend, ebenso die Kritik an den Machern, nicht nur auf Social Media. "Das Shirt erscheint als ekelhafter, heimlicher Seitenhieb auf jüdische Überlebende des Holocaust", schrieb etwa eine Kommentatorin der US-Wochenzeitung "The Jewish Press".  Inditex zog das Produkt zurück .

Handtasche mit Hakenkreuzen

Zara hatte 2007 schon einmal mit Symbolik aus dem Dritten Reich böse daneben gegriffen: Auf einer Handtasche fanden sich gleich mehrere grüne Hakenkreuze . Auch hier wurde das Produkt schnell aus dem Sortiment entfernt.

Die Erklärung, die Inditex damals gab, war allerdings wenig schmeichelhaft: Die Handtasche hätte man von einem Zulieferer in den Vertrieb genommen, die Hakenkreuze seien bei der Entscheidung nicht sichtbar gewesen. Nach besonders scharfer Produktkontrolle klingt das nicht.

Platz ist auf dem kleinsten Radweg

Im Vergleich ist dieser Opel-Fauxpas ein harmloses Kaliber: Der Autohersteller wollte im vorigen Jahr von seinen Twitter-Followern wissen, was sie empfinden, wenn sie das Modell Grandland X sehen. Für sich schon nicht ohne Risiko, denn voluminöse SUVs wie der Grandland werden in Deutschland zwar massenweise verkauft, für ihr raumgreifendes Format aber auch gern kritisiert. Richtig ungeschickt war allerdings das Foto, das Opel zu dem Aufruf stellte:

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Das Auto parkt mitten auf dem Radweg und teilweise auf einer schraffierten Fläche. Das ist nicht nur ordnungswidrig, sondern im täglichen Kampf um Raum auf den Straßen für alle Radfahrer ärgerlich. "Runter vom Radweg!", war noch einer der freundlicheren Kommentare.

"Selbstverständlich sind die Fotos in einem abgesperrten Bereich entstanden", versuchte Opel in einem Statement die Wogen zu glätten. "Trotzdem entschuldigen wir uns für diesen Fauxpas."

Atemberaubender Verbrennungsmotor

Der folgende Eklat ist vielleicht einfach ehrlich:

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BMW möchte seine 8er-Reihe als besonders sportlich verkaufen, was auch heißt: Auf niedrigen Abgasausstoß ist so ein 600-PS-Auto nicht optimiert. Das kann man auf viele Arten atemberaubend finden.

Zweifelhaftes Handwerk bei der Bundeswehr

"Gas, Wasser, Scheiße" - das ist ein Zitat aus den "Werner"-Comics, bei Klempner Röhrich meldet man sich so am Telefon. Die Bundeswehr fand es lustig, mit "Gas, Wasser, Schießen" um neue Rekruten zu werben, am liebsten welche, die schon etwas Handwerkliches gelernt haben.

Foto: Arnulf Hettrich/ imago images

Auch hier gab es Ärger, vor rund einem Jahr, und zwar gleich auf mehreren Ebenen: Handwerksvertreter stießen sich an der unerwarteten Konkurrenz beim Werben um Fachkräfte. Außerdem fanden sie, das Röhrich-Zitat würde ihre Arbeit lächerlich machen; so was wollten sie sich wenigstens nicht von der Bundeswehr gefallen lassen. Und schließlich: Kombinationen von Militär und dem Begriff "Gas" lösen immer wieder Assoziationen mit dem Holocaust aus, auch hier hagelte es Kritik. Doch das findet man bei der Bundeswehr weit hergeholt.

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