Zur Ausgabe
Artikel 37 / 73

Streit mit E-Auto-Bauer Nio Audi wirft Chinesen Namensklau vor

Ab Herbst will das chinesische Start-up Nio seine Elektroautos auch in Deutschland verkaufen. Doch eine juristische Offensive der VW-Tochter Audi könnte die Pläne stören.
aus DER SPIEGEL 36/2022
Nio-Gründer William Li mit dem SUV ES8

Nio-Gründer William Li mit dem SUV ES8

Foto:

Ng Han Guan / AP / picture alliance

Dieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde.

Audi erhöht im Markenstreit mit dem aufstrebenden chinesischen Wett­bewerber Nio den juristischen Druck. Bereits vor einigen Monaten hatte die VW-Tochter erklärt, Nio verletze mit den Modellnamen ES6 und ES8 die Markenrechte von Audi. Weil die Namen der beiden Elektro-SUVs beim bloßen Hören mit dem S6 und dem S8 des deutschen Premium-Herstellers verwechselt werden könnten, dürfe Nio die Bezeichnungen nicht verwenden, argumentiert Audi in einer Unterlassungsklage vor dem Landgericht München. Am 6. Dezember wird der Fall dort erneut verhandelt.

Vergangene Woche hat Audi nach Informationen des SPIEGEL beim Amt der EU für Geistiges Eigentum nun auch eine Markenrechtsverletzung durch den ES7 von Nio moniert. Reagiert Nio nicht, dürfte eine weitere Klage folgen. Bei Audi heißt es zu dem Streit, man sei »stets darauf bedacht, seine Markenrechte umfassend zu schützen«. Nio äußert sich unter Verweis auf die laufenden Verfahren nicht.

Die juristische Offensive der Ingolstädter erfolgt unmittelbar vor dem Marktstart von Nio in Deutschland. Das 2014 von dem chinesischen Unternehmer William Li gegründete Start-up will im Herbst in Berlin das erste »Nio House« eröffnen; so nennt die Firma ihre Showrooms, mit denen sie vor allem auf die gehobene Kundschaft abzielt. Dann soll hierzulande auch der Vertrieb starten, zunächst mit der Limousine ET7, Elektro-SUVs dürften folgen. Der ES7 gilt in der Kategorie als Flaggschiff des E-Auto-Spezialisten, seit August wird er in China verkauft.

Hat Audi mit seinen Klagen Erfolg, muss Nio seine ES-Reihe in Europa womöglich umtaufen. Audis Vorgehen wird in der Branche als Indiz gewertet, dass deutsche Autokonzerne ihre chinesischen Wettbewerber mittlerweile ernst nehmen.

In China liegen heimische Hersteller bei der Neuzulassung von Elektromodellen weit vor den Deutschen. Während Nio von Juni bis August rund 30.000 E-Autos verkauft hat, waren es bei Audi wenige Hundert. Im Juni hatte die VW-Tochter mit dem Bau eines Werkes in Changchun begonnen, das den chinesischen Markt ausschließlich mit E-Autos beliefern soll.

Aus: DER SPIEGEL 36/2022

Der Epochenmacher

Michail Gorbatschow wickelte die Sowjetunion ab und ermöglichte die deutsche Einheit. Im Westen wird er dafür als Held gefeiert, in Russland von vielen verachtet. Präsident Putin gönnt ihm noch nicht mal ein Staatsbegräbnis. Nachruf auf eine Jahrhundertfigur.

Lesen Sie unsere Titelgeschichte, weitere Hintergründe und Analysen im digitalen SPIEGEL.

Zur Ausgabe

Der gesamte VW-Konzern kämpft in China derzeit mit Problemen. Jetzt drängen chinesische Hersteller verstärkt nach Europa, neben Nio wollen auch Great Wall und BYD noch 2022 in Deutschland starten. Die Geely-Gruppe, deren Gründer Li Shufu an Mercedes-Benz beteiligt ist, vertreibt über die Marken Volvo, Polestar und Lynk bereits seit Jahren Autos in Europa.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung der Meldung hieß es irrtümlich, am 6. September werde der Streit vor Gericht wieder verhandelt. Tatsächlich findet die nächste Verhandlung am 6. Dezember statt. Außerdem verkauft Nio in Deutschland zunächst den ET7, nicht den ET8. Wir haben die Fehler korrigiert.

Zur Ausgabe
Artikel 37 / 73
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.