Aufkauf von Ramschpapieren Obama beschwört Erfolg von US-Rettungsplan

Eine Billion Dollar kostet das neue Rettungskonzept für die US-Finanzindustrie - von ihm hänge das Schicksal der gesamten Wirtschaft des Landes ab, sagt Präsident Obama. Zugleich warnt er, dass der geplante Aufkauf fauler Kredite nicht sofort helfen wird. Die Börsen reagieren trotzdem erleichtert.

Washington - Er mahnt zur Geduld - auch wenn es ihm schwerfallen dürfte: Barack Obama hat den Plan seiner Regierung zum Aufkauf fauler Wertpapiere als entscheidend für die Erholung der US-Wirtschaft bezeichnet. Allerdings werde das Vorhaben die Kreditmärkte nicht über Nacht wieder in Gang bringen können, sagte der US-Präsident am Montag vor Journalisten. Das Finanzsystem sei noch sehr zerbrechlich. "Wir haben noch einen langen Weg vor uns und viel Arbeit zu erledigen", sagte der Präsident nach Unterredungen mit Finanzminister Timothy Geithner und US-Notenbankchef Ben Bernanke.

Die US-Regierung will mit Unterstützung privater Investoren für bis zu einer Billion Dollar (740 Milliarden Euro) faule Kredite und Ramschpapiere aufkaufen. Ziel ist, die Banken von diesen Vermögenswerten zu befreien, um den Kreditfluss und damit die Konjunktur wieder in Gang zu bringen. Im Zentrum des am Montag in Washington vorgestellten Plans des Finanzministeriums steht ein privat-öffentliches Programm. Privatsektor und der Staat sollen demnach das Risiko gemeinsam schultern, sich aber auch mögliche Profite teilen. Durch die Teilnahme privater Investoren an dem Programm soll außerdem ein Mechanismus zur Preisfindung etabliert werden, um zu verhindern, dass der Staat zu viel für die notleidenden Vermögenswerte bezahlt.

Die Finanzmärkte reagierten weltweit erleichtert auf das Vorhaben: Die Börsen in Asien, Europa und in den USA drehten ins Plus. Der Dax   beendete den Handel 2,7 Prozent im Plus bei 4176 Punkten und damit auf dem höchsten Stand seit rund einem Monat. Die Wall Street verbuchte in Reaktion auf Geithners Ankündigung ein kräftiges Hoch. Bei Handelsschluss in Europa lag der Dow-Jones-Index   4,4 Prozent im Plus bei 7602 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 gewann 4,6 Prozent auf 803 Zähler und der Nasdaq Composite   notierte 4,2 Prozent höher bei 1518 Zählern. Erst vorige Woche hatte die US-Notenbank angekündigt, im Kampf gegen die Finanzkrise ihrerseits zusätzlich mehr als eine Billion Dollar in die Märkte pumpen zu wollen.

"Balance, die besser für den Steuerzahler ist"

Die Mittel für das "Public-Private Investment Program" sollen aus dem im vergangenen Oktober beschlossenen, 700 Milliarden Dollar schweren Rettungspaket für das Finanzsystem kommen. Gemeinsam mit Garantien und Kreditprogrammen der US-Einlagensicherungsbehörde FDIC und der US-Notenbank ist zunächst der Ankauf von 500 Milliarden Dollar an Giftpapieren und faulen Krediten angepeilt. Das Programm könne schließlich "mit der Zeit" auf bis zu eine Billion Dollar ausgeweitet werden, hieß es vom Finanzministerium. Als Privatinvestoren sollen etwa Hedgefonds, Pensionsfonds oder Versicherungen gewonnen werden.

Ziel dieses Ansatzes sei, mit den eingesetzten Steuergeldern das Maximum zu erreichen. "In Finanzkrisen wollen die Leute immer, dass die Regierung das meiste Risiko schultert", sagte Finanzminister Geithner. "Wir versuchen hingegen, eine Balance zu finden, die besser für den Steuerzahler ist."

Kernproblem der Ramschpapiere und faulen Kredite ist, dass es praktisch keinen Markt für sie gibt und sich deshalb auch keine Preise für sie bilden können. In der Folge sind sie unverkäuflich. "Indem wir einen Markt zur Verfügung stellen, den es derzeit nicht gibt, hilft diese Programm bei der Bewertung dieser Vermögenswerte, erhöht die Kapazität der Kreditvergabe und verringert Unsicherheiten über mögliche Verluste in den Bankbilanzen", beschrieb Geithner das Ziel des Plans im "Wall Street Journal". Den Banken sollte es in der Folge leichter fallen, selbst privates Kapital anzulocken.

Zweifel bei Experten

Märkte und Finanzfachleute hatten mit großer Skepsis reagiert, als Geithner Anfang Februar erste Umrisse seines Rettungsplans vorstellte. Vor allem wurde der Mangel an Details kritisiert. Auch am Montag wurden von Expertenseite immer noch Zweifel laut, ob der geplante Mechanismus zur Preisbildung tatsächlich funktioniert. "Die große Frage ist, was der Verkaufsanreiz der Banken sein soll?", sagte der frühere Vize-Exekutivpräsident der US-Notenbank in New York, Dino Kos, der Finanzagentur "Bloomberg". "Und was ist der Anreiz eines Hedgefonds, einen Preis zu zahlen, den die Bank festsetzt?"

Wirtschafts-Regierungsberater Alan Goolsbee erwartet hingegen, dass der Ankauf der Vermögenswerte beginnt, sobald die Regierung die entsprechenden Fachleute angeworben hat. Das soll bis Mai geschehen. "Dieser Ansatz ist, Alternativen zu überlegen, bei denen die Banken diese Vermögenswerte abarbeiten oder die Regierung sie direkt kauft", sagte Goolsbee zu Bloomberg Television.

sam/Reuters/dpa-AFX
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