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»Aufregende Sache«

aus DER SPIEGEL 21/1996

Nähert sich ein Kameramann oder Fotograf, streift Martin R. Shugrue sofort das Jackett ab. Der amerikanische Luftfahrtmanager präsentiert sich gern als Dynamiker.

Der ehemalige Vizechef der Fluggesellschaft Pan Am hat sich Großes vorgenommen: Er möchte seine alte Firma wiederbeleben und Konkurrenten wie Delta oder American Airlines herausfordern. »Wir arbeiten Tag und Nacht an diesem Plan«, sagt er. »Für mich ist das eine wahnsinnig aufregende Sache.«

In Miami, dem letzten Sitz der alten Pan Am, gilt Shugrue schon jetzt als eine Art Volksheld. Der ehemalige Navy-Pilot arbeitete von 1968 bis 1988 für das Unternehmen. Danach managte er den Konkurrenten Continental und wickelte die Pleitefirma Eastern Air Lines ab.

In Branchenkreisen sorgt Shugrues Plan für Furore. Pan Am war einst die berühmteste Fluggesellschaft der Welt. 1988 brachten Terroristen einen Pan-Am-Jumbo zum Absturz, danach kam die finanziell angeschlagene Gesellschaft in ernsthafte Schwierigkeiten. Im Dezember 1991 stellte die Firma den Flugbetrieb ein. Im In- und Ausland jedoch gilt Pan Am noch immer als Symbol für Glanz und Glamour und den American Way of Life.

Viele Errungenschaften, die seit Gründung der Firma im Jahr 1927 von Pan-Am-Managern eingeführt wurden, sind aus der modernen Luftfahrt nicht mehr wegzudenken. Die US-Pioniere boten als erste Gesellschaft Linienflüge über den Atlantik an. Um die Passagiere bei Laune zu halten, offerierte Pan Am erstmals Bordmenüs oder spulte während des Flugs Filme ab.

Vielen Deutschen ist das Unternehmen vor allem aus der Zeit des Kalten Kriegs bekannt. Während der sowjetischen Berlin-Blockade brachten die Amerikaner 6500 Tonnen Hilfsgüter in die geteilte Stadt.

Die neue Pan Am wird am 4. Juli mit drei geleasten Airbussen vom Typ A 300 zunächst zwischen New York, Miami, San Francisco, Chicago und Los Angeles verkehren. Später sollen Ziele in Lateinamerika dazukommen. Dann will die Firma bis zu acht Maschinen einsetzen.

Für die nötige Auslastung der Airbusse soll ein halbes Dutzend Kooperationspartner in Europa und Südamerika sorgen, darunter Island Air, Olympic Airways und Royal Jordanian Air. Diese Partner bringen Passagiere aus anderen Kontinenten ran, die dann von der neuen Pan Am in den USA weiterbefördert werden.

Das Startkapital von rund 30 Millionen Dollar besorgte sich Shugrue von einer Finanzierungsgesellschaft in Florida und vermögenden Privatleuten wie dem ehemaligen US-Staatssekretär Charles E. Cobb. Der hält auch die Namensrechte an der neuen Pan Am.

Zusätzliche Kunden will Shugrue durch besonders günstige Preise anlocken. Während Konkurrenten wie Delta oder United für ein First-Class-Rückflugticket New York / Los Angeles rund 1200 Dollar verlangen, will der Newcomer schon für die Hälfte fliegen. Auch Passagiere der Touristikklasse sollen 50 Prozent der sonst üblichen Tarife zahlen.

Die extrem niedrigen Preise sind nur möglich, weil der Pan-Am-Chef wichtige Serviceleistungen wie Wartung, Reparaturen oder Reservierung an Fremdfirmen vergibt. So kommt die neue Pan Am zunächst mit nur 400 Angestellten aus, 60 Piloten und 120 Stewardessen wurden bereits eingestellt.

Der neue Pan-Am-Chef gibt sich selbstbewußt: »Am Ende werden wir gewinnen.«

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