Aufregung in Österreich um türkische Milch
Die Süt macht's
Eine Österreichische Molkerei beliefert türkische Supermärkte und druckt deswegen "Süt" auf die Milchtüten - das türkische Wort für "Milch". Seitdem hagelt es rechte Protestmails. Jetzt meldet sich sogar der Landwirtschaftsminister in dem skurrilen Streit zu Wort.
Milch: Darf in Österreich nicht "Süt" heißen, finden manche
Foto: Daniel Karmann/ picture alliance / dpa
Wien - Es war ein nachvollziehbarer Gedanke: Die Niederösterreichische Molkerei wollte eine neue Käufergruppe erschließen - Migranten aus der Türkei. Deshalb druckte sie auf das türkische Wort "Süt" für "Milch" auf ihre Packungen und belieferte rund 300 türkischen Supermärkte im Land. "Die Beschriftung ist auf zwei Seiten türkisch auf zwei Seiten deutsch", zitiert der "Standard" eine Molkerei-Sprecherin.
Wegen dieser Ausweitung des Vertriebs und der neuen Beschriftung tobt in Österreich jetzt eine Debatte.
Denn es scheint Österreicher zu geben, die ein Problem haben mit der türkischen Aufschrift. Seit die Molkerei vor drei Wochen mit dem Vertrieb der Süt-Milch begann, sind zahlreiche Protestmails in der Firmenzentrale angekommen, im Internet wird zum Boykott der Produkte aufgerufen.
"Standard" und "Kronenzeitung" zitieren Molkerei-Vorstand Alfred Berger zu den negativen Reaktionen in E-Mails: "Wir machten uns die Mühe einige Absender anzurufen. Sie stammen aus einer bestimmten Ecke."
Jetzt schaltete sich sogar der österreichische Landwirtschaftsminister in die Auseinandersetzung ein. Es stehe jedem frei, die Milchpackung mit deutscher Aufschrift zu kaufen, wenn es dann besser schmecke, sagte Nikolaus Berlakovich (ÖVP). "Ich verstehe die Aufregung nicht", sagte der Minister nach Angaben der österreichischen Nachrichtenagentur APA. "Ich halte das für wirtschaftlich klug und im Interesse der österreichischen Landwirtschaft, dass wir unsere heimischen Agrarprodukte verkaufen."
Die Aufregung über die österreichisch-türkische Milchtüte kann sich der Minister nur bedingt erklären: "Ich glaube, dass hier diffuse Ängste entstehen, die völlig unbegründet sind."
Vielleicht bleibe als Moral der Geschichte eines übrig, kommentierte die Zeitung "Kurier": "Österreich weiß jetzt, dass Milch auf Türkisch Süt heißt. Möglicherweise ein Schritt zur Völkerverständigung."