Aufschwung in Deutschland Erstmals seit 2002 weniger als vier Millionen Arbeitslose

Jetzt ist es amtlich: Erstmals seit mehr als vier Jahren ist die Zahl der Arbeitslosen unter die Marke von vier Millionen gesunken. Das teilte die Bundesagentur für Arbeit heute Morgen in Nürnberg mit.


Nürnberg - Im November seien 3,995 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet, hieß es heute in Nürnberg. Zum Oktober sank die Arbeitslosenzahl damit um rund 90.000. Ein Rückgang der Arbeitslosenzahl im November ist nach Aussage von Experten eine Sensation, da sie üblicherweise in dem Monat steigt. Vor einem Jahr war die Zahl ebenfalls gesunken, wobei aber Sondereffekte der Hartz-Reformen eine Rolle gespielt hatten. Davor gab es zuletzt 1994 einen Rückgang in einem November.

Arbeitsagentur in München: "Das Schlimmste am Arbeitsmarkt liegt wirklich hinter uns"
AP

Arbeitsagentur in München: "Das Schlimmste am Arbeitsmarkt liegt wirklich hinter uns"

Auch unter Herausrechnung der jahreszeitlichen Schwankungen sank die Arbeitslosigkeit, und zwar um 86.000. Experten hatten nur einen Rückgang um 30.000 erwartet.

Entscheidende Kraft hinter der positiven Entwicklung am Arbeitsmarkt ist das stärkste Wirtschaftswachstum seit 2000. In einigen Branchen und Regionen wird deshalb bereits über Arbeitskräftemangel geklagt.

Die Vier-Millionen-Grenze war zuletzt im Oktober 2002 unterschritten worden. Ein Rückgang in einem November ist für Experten eine Überraschung, weil üblicherweise wegen der einsetzenden schlechten Witterung die Arbeitslosenzahl steigt. In den vergangenen zwölf Jahren gab es nur zwei Rückgänge im November: 1994 und 2005 vor allem wegen Sondereffekten der Hartz-Reform. Neben der guten Konjunktur dürften im abgelaufenen Monat auch das milde Wetter und der auf die Monatsmitte vorverlegte Zähltermin eine positive Rolle gespielt haben.

"Das Schlimmste am Arbeitsmarkt liegt wirklich hinter uns", sagte Ulrike Kastens vom Kölner Bankhaus Sal. Oppenheim. Positiv sei, dass die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung steige: "Es deutet alles darauf hin, dass die Unternehmen erst angefangen haben, Arbeitsplätze zu schaffen und dass dieser Trend in den nächsten Monaten anhalten wird." Wolfgang Leim von der Dresdner Bank sagte, der überraschend starke Rückgang zeige die konjunkturelle Stärke, "die immer mehr auf den Arbeitsmarkt durchschlägt".

Natürlich habe auch das ungewöhnlich milde Wetter im November zur Belebung beigetragen. Andreas Rees von Unicredit sagte: "Der deutsche Arbeitsmarkt läuft auf Hochtouren." Noch im Februar dieses Jahres hatte die Arbeitslosenzahl über fünf Millionen gelegen. Seitdem wurde in jedem Monat ein Rückgang verzeichnet. Die Arbeitslosenquote war im Oktober erstmals seit vier Jahren wieder unter zehn Prozent gesunken.

mik/Reuters/dpa-AFX



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