Auftragsflaute Metallfirmen wollen Lohnerhöhung verschieben

Immer mehr Unternehmen geraten in den Sog der Wirtschaftskrise. Firmen der Metall- und Elektroindustrie reagieren nun mit weiteren Sparmaßnahmen: Hunderttausende Beschäftigte der Branche müssen mit einer Verschiebung der für Mai geplanten Lohnerhöhung rechnen.


Berlin - Die Aussichten für die Metallbranche sind düster. Zahlreiche Unternehmen überlegen nun, ob sie die mit der IG Metall ausgehandelte Lohnerhöhung verschieben. Wie die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf eine Umfrage bei den großen Landesverbänden der Metallarbeitgeber berichtet, wollen je nach Region bis zu 50 Prozent der Firmen die Löhne erst später anheben.

Stahlproduktion: Schwache Auftragslage belastet die Metallbranche
DPA

Stahlproduktion: Schwache Auftragslage belastet die Metallbranche

Grund sei die schwache Auftragslage. Die Betriebe berufen sich dabei auf den Tarifvertrag, wonach die vereinbarte Lohnsteigerung von 2,1 Prozent verschoben werden kann. Der im vergangenen Jahr geschlossene Tarifvertrag in der Metall- und Elektrobranche erlaubt eine Verzögerung der zweiten Stufe der Lohnerhöhung bis maximal Dezember 2009.

Vor allem Beschäftigte in Süddeutschland müssten demnach mit einer Verschiebung rechnen, schreibt das Blatt weiter. In Baden-Württemberg und Hessen plane jedes zweite Metall- und Elektrounternehmen eine spätere Lohnanhebung.

In Bayern wollten 40 Prozent der Firmen die Lohnerhöhung erst später zahlen, weitere 40 Prozent machten eine Verschiebung abhängig von der wirtschaftlichen Entwicklung. In Nord- und Ostdeutschland planen nach Angaben der Zeitung bis zu 40 Prozent der Metallfirmen spätere Lohnerhöhungen.

DIW prognostiziert schweren Konjunktureinbruch

Die Aussichten für die deutsche Wirtschaft verdüstern sich weiter. Der Bundesrepublik droht 2009 nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) der schwerste Konjunktureinbruch seit dem Zweiten Weltkrieg. Nach den jüngsten Daten sei ein Rückgang der Jahreswirtschaftsleistung um mehr als drei Prozent wahrscheinlich.

"Ein derart kräftiger Rückgang der ökonomischen Aktivität wäre in der west- beziehungsweise gesamtdeutschen Nachkriegsgeschichte bislang einmalig", sagte DIW-Konjunkturexperte Stefan Kooths am Montag. Für das erste Quartal rechnet das DIW mit einem Schrumpfen der Wirtschaftsleistung um 4,5 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Mitte Januar war das Berliner Institut noch von einem Rückgang um 0,8 Prozent ausgegangen.

Die staatlichen Konjunkturprogramme könnten ein Überspringen des Abschwungs auf die konsumnahen Bereiche nur dämpfen. "Ein Ersatz für die derzeit abrupt wegbrechende Nachfrage nach Investitionsgütern ist damit aber nicht zu schaffen", sagte Kooths.

Das DIW ist mit seiner düsteren Prognose pessimistischer als andere Institute. So hatte das Münchner Ifo Institut zuvor einen Rückgang der Wirtschaftsleistung für 2009 um 2,2 Prozent vorausgesagt. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) ging Ende Dezember von einem Schrumpfen der Wirtschaft im laufenden Jahr um 2,7 Prozent aus.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts war die deutsche Wirtschaft zum Jahreswechsel tief in die Rezession gerutscht. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte im vierten Quartal 2008 um 2,1 Prozent. Das war der dritte Rückgang der Wirtschaftsleistung gegenüber einem Vorquartal in Folge und der größte seit der Wiedervereinigung.

Mehr Arbeitslose erwartet

Nach Einschätzung von Arbeitsmarktforschern ist die Bundesregierung beim erwarteten Anstieg der Arbeitslosenzahlen womöglich noch zu optimistisch. Es sei nicht auszuschließen, dass die Zahl der Arbeitslosen in diesem Jahr um durchschnittlich 400.000 steige, sagte ein Sprecher des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).

Bisher geht die Regierung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) von einer durchschnittlichen Zunahme der Arbeitslosenzahlen um rund 250.000 auf 3,518 Millionen aus. Verlässliche Prognosen gebe es derzeit allerdings nicht, betonte der Sprecher des Forschungszentrums der Bundesagentur für Arbeit (BA).

Einer Studie zufolge will knapp ein Drittel der deutschen Unternehmen mit Stellenabbau auf die Wirtschaftskrise reagieren. Wie die Managementberatung Kienbaum nach einer Befragung unter 500 Unternehmen aller Größen und Branchen zur Personalkostenreduzierung in Gummersbach mitteilte, wollen 29 Prozent der Unternehmen elf bis 50 Stellen streichen.

Rund 17 Prozent planen die Streichung von 101 bis 500 Stellen. Weitere 16 Prozent wollen auf 501 bis 1000 Mitarbeiter verzichten. Zehn Prozent der befragten Unternehmen beabsichtigen sogar den Abbau von mehr als 1000 Stellen, berichtete Kienbaum. Dagegen wollen 14 Prozent bei ihren Beschäftigten-Zahlen aufstocken.

suc/AFP/dpa



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