Ausbildungsfrachter "Powership" Ablegen in die Arbeitswelt

Von Jochen Schönmann

2. Teil: Künstler wie Xavier Naidoo stehen als Paten zur Verfügung


So ist es eigentlich immer. Namhafte Künstler wie die Popgruppe Pur oder die Soul-Band Söhne Mannheims mit Frontmann Xavier Naidoo unterstützen das Projekt als Paten, aber auch die Politik zeigt sich interessiert. So stehen zum Beispiel der EU-Kommissar für Transport und Verkehr, Jacques Barrot, oder deutsche EU-Politiker wie Cem Özdemir (Grüne) und Doris Pack (CDU) oder die Bundestagsabgeordnete Annette Faße (SPD) hinter "Powership".

Ein Psychologe soll zur Crew gehören. Außerdem Kamerateams und TV-Redakteure, die das Leben an Bord porträtieren, einfangen, moderieren. Homestorys, Features, Hintergründe, Gewinnspiele – alles sei denkbar. Bei Anlande-Events in den Häfen sind Konzerte und Partys geplant. Viele Künstler haben laut Ströbel schon zugesagt. "Wenn wir durch unseren Beitrag helfen können, tun wir das natürlich gerne", heißt es etwa seitens der Popgruppe Pur. Auch der Schweizer Choreograf Pierre Wyss, der unter anderem die Abschlussveranstaltung des Fußball-Champions-League-Finales 2006 in Paris inszenierte, oder der Tonmann der Söhne Mannheims, Heights Gittens, gehören zum Team.

Fördertöpfe gibt es ja eigentlich genug, sollte man meinen. Sogar die Bundesmarine ist mit an Bord. Was fehlt, sind Sponsoren.

"Powership" hat die Planungsphase hinter sich. Sogar einige Auszubildende sind schon ausgewählt. Die Stuttgarterin Ströbel legt Wert darauf, dass die 16 Azubis einen repräsentativen Querschnitt der deutschen Jugendlichen bilden. Es sollen durchaus einige ziemlich gegensätzliche Charaktere drei Jahre lang miteinander auskommen, auf engstem Raum. Konfliktbewältigung ist Teil des Konzepts.

"Mein Sohn muss weg von zu Hause"

Was alle Lehrlinge gemeinsam haben werden: Sie sind bisher nicht im Berufsleben angekommen. Teils aus Schicksal, aber auch aus Faulheit, Naivität oder wegen mangelnder Bildung. Da ist zum Beispiel Daniele, 16, der sich bei Powership beworben hat. Ein etwas verzogenes Muttersöhnchen, einer, der zu Hause einfach nicht auf die Beine kommt. Sein Vater hat persönlich bei Ströbel vorgesprochen und gesagt: "Mein Sohn muss weg von zu Hause. Ich könnte heulen, aber es ist so." Daniele legt wert auf Hairstyling und Klamotten, sonst auf wenig. Er möchte eine Ausbildung zum Maler machen. Sein Deutsch in der Bewerbung ist verbesserungswürdig.

Moritz, 19, kämpft gegen Rechts und ist bei jeder Demo dabei. Er macht den Eindruck eines cleveren Kerlchens. Aber vor ein paar Jahren bekam er eine Schreiblegasthenie und Prüfungsangst. Der Traum vom Abitur ist seither passé.

Ein anderer hat mit 14 Jahren auf einem Containerschiff in Iran angeheuert, weil er es zu Hause nicht mehr aushielt.

So geht es weiter: Models, die etwas Neues machen wollen, Studenten, die sich für nichts entscheiden können, Jugendliche aus gutem Hause, denen irgendwie komplett die Orientierung abhanden gekommen ist.

Theoretische Ausbildung in Oberhausen

"Damit kein falscher Eindruck entsteht – das hier wird keine Randgruppen-Arche", schiebt Ströbel hinterher. "Die Jugendlichen von heute kämpfen mit Problemen, die wir gar nicht auf dem Schirm haben." Einen Ausbildungsträger, und damit jemanden, der mit den Problematiken vertraut ist, hat sie bereits gefunden: das Zentrum für Ausbildung und berufliche Qualifikation im nordrhein-westfälischen Oberhausen (ZAQ).

Von hier aus würde der theoretische Teil der Ausbildung koordiniert. Der Träger würde auch die Bezahlung der Azubis übernehmen. "Wenn wir die schulische Ausbildung mit dem Konzept in Einklang bringen können, ist das eine klasse Sache", sagt ZAQ-Geschäftsführer Jochen Kamps.

Im Prinzip ist also alles getan. Eigentlich müssten die TV-Sender nur noch zugreifen. Woran hängt es also noch? Die gute Konjunktur macht Ströbel einen Strich durch die Rechnung. Denn seit die Wirtschaft brummt, scheint es, als habe sich die angespannte Lage auf dem Ausbildungsmarkt ein bisschen gelöst. Dennoch: Der Monatsbericht der Agentur für Arbeit vom August weist eine rechnerische Differenz von 252.700 zwischen gemeldeten Ausbildungsstellen und gemeldeten Bewerbern aus - das entspricht einer Stadt mit der Einwohnerzahl von Magdeburg.

Es mangelt also weder an Kandidaten noch an Gründen. Vermutlich ist es also doch nur das ewige Problem: Einer muss den Anfang machen.



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