Ausdauer Japaner demonstriert seit 25 Jahren gegen seine Entlassung

Die Gitarre spielt eine entscheidende Rolle in seinem Arbeitskampf: Täglich packt der Japaner Tetsu Tanaka das Musikinstrument ein, um vor den Werkstoren seines einstigen Arbeitgebers gegen seine Entlassung anzusingen - seit 25 Jahren.


Tokio - Tetsu Tanaka steht noch immer jeden Morgen früh auf und macht sich auf seinen Weg zum Oki-Konzern - obwohl das Unternehmen ihn bereits 1981 entlassen hat. Doch Tanaka wollte sich nicht so einfach abservieren lassen. Deshalb steht er nun seit mittlerweile 25 Jahren täglich vor dem Werkstor des Elektronikherstellers und singt selbst komponierte Friedenslieder, wie die "Japans Time" berichtet.

Tanaka will eine Entschuldigung und das Eingeständnis seines früheren Arbeitgebers, Schikane-Taktiken gegen ihn und eine kleine Gruppe von Unterstützern angewandt zu haben. Seiner Meinung nach ist sein Engagement für andere Mitarbeiter der Grund für die Kündigung. Seit den siebziger Jahren habe er sich gegen die Entlassung von Kollegen eingesetzt.

Nun verlangt Tanaka die Einführung einer nicht diskriminierenden Management-Politik, auch seinen eigenen Job will er zurückhaben, damit er selbst diese Politik überwachen könne. Das Unternehmen dagegen verweist lediglich auf eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofes, wonach der Position von Oki vollständig Recht gegeben wurde.

Doch Tanaka will nicht aufgeben: Seine Gesänge vor den Werkstoren haben mindestens drei Chefs des Konzerns überdauert sowie 13 Ministerpräsidenten seines Landes. Es sei eine der längsten Ein-Mann-Kampagnen in der japanischen Geschichte, heißt es in dem Bericht. Der verheiratete Vater von zwei Kindern verdient sein Geld mit Musikunterricht und verbrachte Jahre damit, Englisch zu lernen. Mit seinem einsamen Protest hat Tanaka inzwischen erhebliches öffentliches Aufsehen erregt. Nun dreht ein australischer Filmemacher sogar einen Dokumentarfilm über den 58-jährigen Mann.

ase/dpa



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