Ausfall-Tabelle Wo die Züge still stehen

In Ostdeutschland geht vielerorts nichts mehr, in Nürnberg oder Lübeck sind die Folgen moderater: Der Bahnstreik hat manche Städte schlimmer als andere erwischt. Die SPIEGEL-ONLINE-Tabelle dokumentiert das Ausmaß der Ausfälle.


Wo die Züge still stehen

Ort Ausfall
Berlin Nur zehn bis 15 Prozent der S-Bahnen und Züge in Berlin und Brandenburg fahren planmäßig. Viele S-Bahnen fahren heute nur im 20-Minuten-Takt. Die S 45 und S 85 fahren garnicht. Die S 8 fuhr am Morgen im 30-Minuten-Takt von Blankenburg nach Hohen Neuendorf. Der Rest wird etwa alle 40 Minuten fahren. Die Bahn empfiehlt Flugreisenden aus Berlin und Brandenburg, den Flughafen Berlin-Schönefeld mit der BVG anzufahren. Dafür sollten die U-Bahnlinie U 7 bis Rudow und anschließend die Buslinie 171 genutzt werden. Die Regionalbahn RB 22 zwischen Potsdam und Berlin-Schönefeld fährt nicht.
Bochum Laut Opel-Werk gibt es starke Beeinträchtigungen sowohl beim Abtransport von Neuwagen als auch bei der Zulieferung wichtiger Komponenten wie Motoren oder Getrieben. Ausfälle in der Produktion habe es jedoch nicht gegeben, sagte ein Sprecher.
Bremen/Personenverkehr Die Regionalbahn nach Bremerhaven/Lehe fährt nicht, der Zug nach Oldenburg nur eingeschränkt.
Bremen/Güterverkehr In den Bremer Häfen gab es am Freitag keine sichtbaren Probleme durch den Bahnstreik, teilte ein Sprecher mit.
Dortmund/Personenverkehr In NRW fahren am Freitag die S-Bahnen durchschnittlich im 30-Minuten-Takt. Auch in Dortmund kommt es laut Bahn zu Ausfällen: Der Dortmund-Sauerland-Express von Dortmund nach Winterberg entfällt, es gibt einen Schienenersatzverkehr zwischen Bestwig und Winterberg. Ebenso entfallen der Wupper-Express nach aachen und der Rhein-Hellweg-Express. Auch die S4 nach Unna fährt nicht, stattdessen verkehrt ein Bus von Wickede nach Unna. Sie S8, S5, S2 und die S1 fahren jede halbe Stunde.
Dresden/Güterverkehr In Sachsen ging am Freitag auf den Gleisen fast nichts mehr. Im Güterverkehr fuhren nur noch die wichtigesten Züge, sagte eine Bahnsprecherin. Priorität haben Kohletransporte und die Fracht der Automobil- und Chemiekonzerne.
Dresden/Personenverkehr Im Nahverkehr fuhren in Sachsen nur rund 20 Prozent der Züge, im Laufe des Tages konnte die Bahn einige zusätzliche Züge bereitstellen. Hinzu kamen Busse und Großraumtaxis im Raum Leipzig/Halle. Die S-Bahnen fahren nur vereinzelt. Zwischen Dresden und Berlin verkehrt ein Ersatzbus.
Düsseldorf In NRW müssen Pendler auch am Freitag mit zahlreichen Ausfällen rechnen. Nach Angaben der Bahn fahren etwa 60 Prozent der Nahverkehrs- und Regionalzüge. Im Fernverkehr stehen zwei Drittel der Verbindungen zur Verfügung. Gut die Hälfte aller S-Banhen verkehrt nur im 30-Minuten-Takt.
Eisenhüttenstadt Für das Stahlwerk in Eisenhüttenstadt wird es langsam kritisch, in der Region fahren kaum noch Bahnen. "Zwischen 85 und 90 Prozent aller Züge fiel aus", sagte ein Bahnsprecher in Berlin. Ein Sprecher des Stahlunternehmens ArcelorMittal sagte: "Die Lage ist angespannt, sobald die Zufuhr per Zug aussetzt, müssen wir mit der Produktionsmenge runter." Die Vorräte reichten aber für vier bis fünf Tage.
Frankfurt am Main Im Rhein-Main-Gebiet entfallen zahlreiche S-Bahn-Linien, so auch in Frankfurt: die S2 zwischen Niedernhausen und Offenbach-Ost, die S4 zwischen Langen und Rödelheim, die S7 und die S9. Die S1 wird zwischendurch von Bussen bedient. Die S8 fährt ganztägig zwischen Wiesbaden und Hanau. Den Regionalbahnverkehr versucht die Bahn aufrecht zu erhalten, der Regionalexpress von Koblenz nach Gießen entfällt, ebenso die Linie zwischen Frankfurt und Aschaffenburg. Die Bahn von Frankfurt nach Limburg hält an allen Unterwegsbahnhöfen, es kommt daher zu Verzögerungen.
Freiburg Im Westen ist die Situation für Pendler und Reisende zwar etwas besser als im Osten, es fahren etwa 50 Prozent der Regionalbahnen, doch auch in Südbaden kommt es zu streikbedingten Fahrplanänderungen: Die Strecke von Freiburg nach Basel wird im Stundentakt befahren, ein Bus ersetzt die Höllentalbahn Richtung Neustadt und Seebrugg.
Hamburg/Güterverkehr Im Hamburger Hafen treten zunehmend Probleme beim Warenumschlag auf. Allerdings komme die Arbeit nicht zum Erliegen, weil durch den Streik auch weniger Waren angeliefert werden, sagte eine Sprecherin. Bis zum geplanten Ende des Streiks am Samstag kann den Angaben zufolge das Notfallprogramm durchgehalten werden. Nach dem vorläufigen Ende des Streiks am frühen Samstagmorgen stehen für die Hamburger Hafenarbeiter Überstunden auf dem Programm. Nur so kann der Ausfall der letzten Tage aufgeholt werden.
Hamburg/Personenverkehr Der Zugverkehr in Norddeutschland ist durch den Streik weiter beeinträchtigt. "Streikauswirkungen und Ersatzfahrplan sind im Vergleich zum Vortag stabil", sagte ein Bahnsprecher in Hamburg. Auf den Regionalexpress-Strecken Hamburg-Lübeck, Hamburg-Kiel,Hamburg- Flensburg sowie Kiel-Lübeck fahren demnach alle Züge. Andere Regionalbahnlinien verkehren stündlich, teilweise werden Ersatzbusse eingesetzt. Etwa die Hälfte der S-Bahnen und Nahverkehrszüge in Hamburg und Schleswig-Holstein sowie zwei Drittel der Fernzüge fahren. Die Hamburger S-Bahn-Linien S11 und S2 fallen aus. Die anderen Linien fahren im 20-Minuten-Takt.
Hannover Die Züge der S-Bahn Hannover fahren im Zwei-Stunden Takt. Die Züge zwischen Hannover und Wolfsburg fallen ganz aus.
Karlsruhe Im Bahnverkehr Rhein-Neckar kommt es zu Verzögerungen, Ausfällen und Fahrplanänderungen: Die Regionalbahn von Karlsruhe nach Neustadt/Weinstraße entfallen bis auf einige wenige Ausnahmen zur morgendlichen Hauptverkehrszeit. Die S3 fährt jede Stunde die Gesamtstrecke Karlsruhe-Heidelberg- Ludwigshafen/Rhein-Germersheim.
Kiel In Schleswig-Holstein hat der Streik keine größeren Beeinträchtigungen ausgelöst. "Der Notfahrplan greift", sagte ein Bahnmitarbeiter. Der Fahrplan ist jedoch reduziert. Die Regionalbahn nach Flensburg verkehrt stündlich. Wegen zusätzlicher Halts muss auf einigen Linien mit einer längeren Fahrzeit gerechnet werden. Laut Bahn werden einige Strecken ganztägig über einen Busersatzverkehr bedient.
Koblenz Regionalverkehr eingeschränkt. Der Rhein-Express von Koblenz nach Emmerich fährt zwischen Wesel und Remagen, Ausfall zwischen Emmerich und Wesel sowie zwischen Remagen und Koblenz. Der Rhein-Erft-Express zwischen Mönchengladbach und Koblenz entfällt zwischen Köln Messe/Deutz und Koblenz.
Köln Im Regionalverkehr fahren nach Angaben eines Bahnsprechers 65 Prozent der Züge: Der Rhein-Erft-Express fährt zwischen Mönchengladbach und Köln, Ausfall zwischen Köln Messe/Deutz und Koblenz. Die zusätzlichen Züge zur Hauptverkehrszeit entfallen. Der Ruhr-Sieg-Express von Essen nach Siegen entfällt. Im Abschnitt Köln-Euskirchen-Kall fahren die Züge meist stündlich, die Rheinland-Bahn fährt stark eingeschränkt.
Leipzig/Güterverkehr BMW hat in seinem Leipziger Werk zusätzliche Abstellflächen für Neuwagen eingerichtet. Zudem sollen möglichst viele Transporte über Lastwagen abgewickelt werden. Bisher habe der Streik den Autobauer noch nicht gebremst, sagte ein BMW-Sprecher am Freitag.
Lübeck Am Lübecker Hafen zeigen sich erste Auswirkungen des Streiks im Güterverkehr: Papierladungen mussten auf Lastwagen verladen werden, da mehrere Güterzüge ausfielen. "Es gibt deutliche Probleme", sagte der Hafensprecher Rolf Klein am Vormittag. Statt sechs Zügen sei bisher nur einer angekommen. Besonders der Weitertransport ankommender Papierlieferungen aus Schweden und Finnland gerate ins Stocken. Statt 100 Waggons konnten heute nur 26 beladen werden, da Züge fehlen. Um den Abtransport am Laufen zu halten, sind 700 statt der üblichen 500 Laster im Einsatz.
Lüneburg Kein Zugverkehr nach Dannenberg, die meisten Züge nach Hamburg fallen aus.
Magdeburg In Sachsen-Anhalt ging auf der Schiene praktisch nichts mehr. Nur etwa fünf Prozent der Züge rollten. In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen hätten sich ungefähr 450 Kollegen an dem Streik beteiligt, sagte Hartmut Schäfer, Vorsitzender der GDL Mitteldeutschland. Er sei hochzufrieden.
Mainz Die Strecke über Worms nach Mannheim wird nicht befahren.
München In München kommt es zu erheblichen Einschränkungen. Die Linie S 20 und S 27 entfallen. Die S-Bahnen fahren im Stundentakt. Nur die S 8 von Pasing zum Flughafen fährt alle 20 Minuten. Die Züge des München-Nürnberg-Express verkehren auch am Freitag nicht.
Nürnberg In Nürnberg sollen zwei Züge pro Linie und Stunde fahren, teilte eine Bahnsprecherin am Freitagmorgen mit. Auf dem Streckenabschnitt Nürnberg- Allersberg und Kinding- Ingolstadt findet Schienenersatzverkehr statt.
Potsdam Der Regionalbahnverkehr in Brandenburg ist besonders vom Streik betroffen, nur etwa 20 bis 24 Prozent der Züge fahren. Die Bahn hat teilweise einen Busersatzverkehr eingerichtet, so zum Beispiel zwischen Schwedt-Eberswalde, Wismar-Wittenberge, Potsdam-Hennigsdorf, Wustermark-Potsdam und zum Teil auch Wittenberge-Berlin. Die Züge der UBB fahren im Abschnitt Stralsund-Züssow planmäßig. Die Regionalbahn von Potsdam zum Berliner Flughafen Schönefeld entfällt.
Rostock In Rostock hat der Bahn-Ausstand den S-Bahnverkehr fast vollständig lahmgelegt. Die S3 vom Hauptbahnhof zum Seehafen entfällt. Die Linien S1, nach Warnemünde, und S2, nach Güstrow, bedient die Bahn allein mit Bussen. Statt der Regionalbahn von Rostock nach Graal-Müritz fährt ebenfalls ein Bus.
Saarbrücken Im Saarland fallen laut Bahn alle Regionalzüge auf der Strecke Saarbrücken-Metz aus. Zwischen Dillingen und Niedaltdorf hat sie einen Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtet.
Schwerin Erneut trifft der Streik vor allem den Osten Deutschlands. In Mecklenburg-Vorpommern ist der Bahn-Verkehr erneut fast zum Erliegen gekommen. In den östlichen Bundesländern sind nach Angaben der Bahn nur etwa 20 Prozent der Regionalzüge im Einsatz. 112 Busse sollen die ausgefallenen Züge im Nordosten ersetzen. Zwischen Wismar über Schwerin nach Wittenberge fahren ersatzweise Busse. Auf einigen Strecken werden abweichend vom Fahrplan zusätzliche Bahnhöfe befahren. Es kommt zu Verspätungen. Die Regionalbahnen von Bad Kleinen nach Pasewalk, von Neustrelitz nach Stralsund und von Schwerin nach Hagenow entfallen. Die Ost-West-Verbindung von Pasewalk über Neubrandenburg bis Güstrow und von Neustrelitz nach Waren bis nach Westmecklenburg bedienen weiterhin private Bahngesellschaften, wie die Ostdeutsche Eisenbahngesellschaft (ODEG) und die Ostseelandverkehr GmbH (OLA). Im Güterverkehr im Osten spitzt sich die Lage zu: Hier sind nur noch wichtige Versorgungszüge unterwegs.
Stuttgart In Baden-Württemberg kam es auch am Freitag zu erheblichen Behinderungen. Im Regionalverkehr fiel jeder zweite Zug aus. Die Stuttgarter S-Bahn fährt alle 30 Minuten auf drei von sechs Linien. Bei der S-Bahn Rhein-Neckar fahren die Linien 1 bis 3 nur auf Teilabschnitten. Im Fernverkehr wurden fast alle Intercity-Züge gestrichen, die ICE-Verbindung konnten weitgehend aufrechterhalten werden.
Wismar Im Hafen von Wismar bewegt sich gar nichts mehr: Von zwölf angekündigten Kali-Zügen sei keiner angekommen, die Lagerbestände aufgebraucht, sagte ein Sprecher des Hafens. Die wartenden Schiffe konnten deswegen nicht mehr abgefertigt werden.
Wolfsburg Volkswagen hat Notfallpläne aufgestellt, da es Lieferschwierigkeiten zu seinen vier ostdeutschen Werken befürchtet. Der Wolfsburger Konzern hat zusätzliche Abstellplätze für Neuwagen eingerichtet und will seine Autoteile vermehrt auf LKWs transportieren. Bis Freitag verlief die Fertigung und der Abtransport der neuen Autos jedoch reibungslos, sagte ein VW-Sprecher.



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