Kein »fliegender Postbote« DHL gibt Drohnenpläne auf

Daran gearbeitet wurde längst nicht mehr, jetzt lässt die DHL ein ambitioniertes Zukunftsprojekt komplett fallen: Auch auf Inseln und Bergen bringt in Deutschland wohl weiter ein Bote die Päckchen.
DHL-Paketdrohne: Galt als Vision, bleibt aber wohl Halluzination

DHL-Paketdrohne: Galt als Vision, bleibt aber wohl Halluzination

Foto: Nikolai Wolff Fotoetage/ AP/dpa

Die Deutsche Post DHL Group hat ihr Paketdrohnen-Entwicklungsprojekt »Paketkopter« wieder eingestellt. Es werde schon seit Längerem nicht mehr fortgeführt, sagte ein Sprecher der Deutschen Post DHL Group am Samstag. Zuvor hatte die »Welt am Sonntag« darüber berichtet. Ebenfalls nicht fortgesetzt werde ein Pilotprojekt zum Medikamentenversand in Tansania zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und dem Drohnenhersteller Wingcopte.

»Wir haben in den vergangenen Jahren diverse Anwendungsfälle für den DHL-Paketkopter getestet, in denen die Drohne vor allem dann zum Einsatz kam, wenn ein Transport über etablierte Infrastrukturen schlecht möglich war oder deutlich mehr Zeit in Anspruch genommen hätte«, sagte der Sprecher. Dabei seien wichtige Erkenntnisse gewonnen worden. »Aber wir haben auch mehrfach darauf hingewiesen, dass ein Regelbetrieb im Bereich der Zustellung per Paketdrohne in Deutschland nicht geplant sei. Es sind auch keine neuen Pilotprojekte vorgesehen.«

Begonnen hatte das Projekt Drohnenlogistik der DHL mit viel Optimismus: Bereits 2013 hoben erstmals DHL-Drohnen ab und demonstrierten im Jahr darauf, dass man die Nordseeinsel Juist auch auf dem Luftweg beliefern könnte. 2016 gelang erstmals die Belieferung einer Alpengemeinde. In Tansania transportierten Drohnen ab 2018 Medikamente, in China schloss DHL noch 2019 eine strategische Allianz mit dem Drohnenhersteller EHang.

Zuletzt informierte der internationale Zweig der DHL am 6. August 2021 im Kundenmagazin »Discover«  über den Fortschritt bei DHL-Drohnen: Es gebe eine Menge »unrealistischen Hype in der Drohnenindustrie«, aber in der Logistik umarme man diese »sehr innovative Technologie als realistische Option für den Auslieferungsservice. Dieser fliegende Postbote ist eine echte Innovation und bereit für den Mainstream.« Die Neuigkeiten aus der Konzernzentrale waren da wohl noch nicht durchgedrungen.

In Europa macht nur einer noch weiter

Damit steht Amazon mit seinem Projekt Prime Air , das auch in Europa mittelfristig angedacht sein soll, nun vorerst konkurrenzlos da. Der amerikanische Onlineversand-Riese arbeitet ebenso seit mehreren Jahren an der Entwicklung von Paket-Auslieferungsdrohnen. Mehr noch: Aufsehen erregte 2016 ein Amazon-Patent auf Drohnenträger-Luftschiffe – wenn Konzernchef Jeff Bezos träumt, dann mutig.

Im September 2020 gelang es Amazon sogar, eine Zulassung der amerikanischen Flugsicherungsbehörde FAA für seine Lieferdrohnen zu bekommen. Die FAA hatte im Vorjahr auch schon Drohnenprojekte der Alphabet-Tochter Wings und des Paketauslieferers UPS genehmigt.

Zugleich aber gab es Signale, dass Amazon selbst nicht ganz zufrieden mit den bis dahin erzielten Fortschritten war. Die hausinterne Entwicklungsabteilung soll verkleinert worden sein, stattdessen begann Amazon, nach externen Entwicklungspartnern zu suchen. Einen Regelbetrieb mit Lieferdrohnen gibt es auch in den USA noch nirgendwo. Wie in Europa ist das auch dort vorerst nicht mehr als eine Vision.

pat
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