Auslaufmodell Papp-Lohnsteuerkarte verschwindet bis 2010

Nach 80 Jahren geht die Ära der bunten Lohnsteuerkarten unerbittlich ihrem Ende entgegen: Bis zum Ende des Jahrzehnts soll die Steuererklärung nach dem Willen des Finanzministeriums voll elektronisch ablaufen. Die erste Phase der Umstellung beginnt schon im Januar.


Berlin - Dann sind Unternehmer und Arbeitgeber verpflichtet, Umsatzsteuer-Voranmeldungen und Lohnsteuer-Anmeldungen elektronisch direkt auch ans Finanzamt zu übermitteln. Viele Beschäftigte, die ihre Lohnsteuerkarte für 2004 abgegeben haben, erhalten sie nicht mehr zurück.

Rosa Kärtchen: Bisher nur sechs Prozent auf elektronischem Weg
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Rosa Kärtchen: Bisher nur sechs Prozent auf elektronischem Weg

"Wir wollen die Papp-Lohnsteuerkarte total abschaffen", sagte der Leiter der Steuerabteilung, Gerhard Juchum, am Dienstag. Für einen völligen Wegfall müssten aber einige Voraussetzungen erfüllt sein, etwa die bis 2007 abgeschlossene Vergabe einer Identifikationsnummer.

Bereits 2005 soll in mehreren Ländern ein Internet-Portal - ein virtuelles Postfach beim Finanzamt - als Pilotverfahren gestartet werden. 2010 soll laut Finanzstaatssekretärin Barbara Hendricks dann eine vorausgefüllte, virtuelle Steuererklärung bundesweit möglich sein. Der Steuerpflichtige könnte dann - nach kurzem Abgleich seiner Daten - am PC per Knopfdruck seine Steuererklärung erledigen.

Deutschlands lahme Elster

1999 wurde in den Steuerverwaltungen das "ELSTER-Programm" (ELektronische STeuerERklärung) eingeführt. Kurze Zeit später folgte die Möglichkeit zur elektronischen Abgabe der Lohnsteueranmeldung und der Umsatzsteuer-Voranmeldung. Der Anteil elektronisch eingereichter Steuererklärungen beträgt in Deutschland bei der Einkommensteuer rund 6 Prozent, bei Anmeldungssteuern etwa 20 Prozent. In Skandinavien sind es laut Hendricks weit über 50, in Island sogar rund 70 Prozent.

Das heutige Verfahren mit der Pappkarte - alljährlich in einer anderen Farbe - stammt aus dem Jahr 1925. In deutschen Unternehmen werden weit mehr als 30 Millionen Lohnsteuerkarten in Karteikästen verwaltet. Bisher erhielt ein Arbeitnehmer die Karte mit einer angeklebten Jahresaufstellung über Gehalt und Abzüge zurück, um seine Steuererklärung ausfüllen zu können.

Künftig erhält er vom Arbeitgeber - mit Ausnahme kleinerer Firmen - nur noch einen Ausdruck der Jahresaufstellung. Zudem soll das ELSTER-Programm weitere, für die Besteuerung relevante Daten wie Ertragssteuern, vermögenswirksame Leistungen und andere Angaben einbeziehen können. Am Ende soll ein persönliches Online-Portal stehen, über das Bürger, Finanzamt und Unternehmen papierlos kommunizieren.



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