Ausnahmezustand am Gericht Ansturm auf Ackermann-Millionen legt E-Mail-Server lahm

Ausnahmezustand am Düsseldorfer Landgericht: Der Ansturm von wohltätigen Einrichtungen, die auf Teile der millionenschweren Geldauflagen aus dem Mannesmann-Prozess hoffen, haben am Wochenende den E-Mail-Server lahm gelegt.


Düsseldorf - Noch nie hatte das Düsseldorfer Landgericht so viel Geld an wohltätige Einrichtungen zu vergeben: Auf 5,8 Millionen Euro belaufen sich die Geldauflagen im Mannesmann-Prozess insgesamt, die die Angeklagten für die Einstellung des Verfahrens zahlen sollen. 40 Prozent - das sind 2,3 Millionen Euro - sollen gemeinnützigen Institutionen zugute kommen.

Der Ansturm auf die Millionen gefährdet inzwischen den Gerichtsbetrieb. Der E-Mail-Server des Gerichtszentrums sei am Wochenende zusammengebrochen und die Telefonzentrale stundenlang lahm gelegt gewesen, sagte ein Gerichtssprecher. Auf den Schreibtischen in der Presseabteilung hätten sich die zugesandten Akten gestapelt. Wieviele Anfragen gekommen seien, könne man nicht genau sagen. "Am Freitag waren es 200, da habe ich aufgehört zu zählen", erklärte der Sprecher.

Bereits da hatte das Gericht gemeldet, dass unzählige Museen, mehrere Sportvereine, Freiwillige Feuerwehren sowie ein Zoo um einen Teil des Geldes gebeten hätten. Sogar eine Frau hätte angefragt, ob sie nicht ein paar tausend Euro haben könnte. "Die meisten Anliegen haben aber nach meinem ersten Gefühl durchaus Berechtigung. Das sind eigentlich alles Projekte, die das Geld gut gebrauchen können", sagte der Gerichtssprecher.

Wegen der Probleme appellierte das Gericht an gemeinnützige Organisationen, ihre Anfragen auch auf dem Postweg an das Gericht zu senden und von telefonischen Anfragen abzusehen. Der Nachweis der Gemeinnützigkeit und eine Bankverbindung seien beizufügen. Bewerbungen von Einzelpersonen, die sich selbst berücksichtigt sehen wollen, seien aussichtslos, betonte der Gerichtssprecher.

Die ehemaligen Angeklagten und die Staatsanwaltschaft können dem Gericht bis 15. Dezember Vorschläge unterbreiten, an wen das Geld fließen soll. Das Gericht muss dann eine Auswahl treffen.

ase/dpa



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