Ausspähaffäre Telekom beschäftigt seit zehn Jahren umstrittene Detektei

Vorwürfe gegen die Telekom: Der Konzern heuerte nach Informationen des SPIEGEL in den vergangenen Jahren eine umstrittene Kölner Detektei für Fälle in Grauzonen an. Dem Ex-Aufsichtsratschef Zumwinkel drohen im Telefondatenskandal des Unternehmens Schadenersatzforderungen.

Hamburg - Bereits seit rund zehn Jahren arbeitet die Deutsche Telekom AG mit der Kölner Privatdetektei Argen zusammen. nach SPIEGEL-Informationen ist das auf vertrauliche Informationsbeschaffung spezialisierte Kleinunternehmen bei dem ehemaligen Staatskonzern seit Jahren für diverse Aufklärungen in rechtlichen Grauzonen eingesetzt worden. So ist Argen mit seinem heutigen Geschäftsführer David Cowling etwa zur Aufklärung von Mauscheleien bei ausländischen Tochterfirmen oder vermeintlicher Firmenspionage wie zur Überprüfung neuer Geschäftspartner beauftragt worden.

Telekom-Zentrale: Aufklärungen in der Grauzone

Telekom-Zentrale: Aufklärungen in der Grauzone

Foto: DDP

Die Zusammenarbeit mit Cowling, der zumindest im Jahr 2000 auch für die Deutsche Bahn tätig wurde, war offenbar so intensiv, dass der gebürtige Brite sogar Rahmenverträge bei der Telekom erhalten haben soll. Auf Anfrage des SPIEGEL bestritt Cowling, in der Telekom-Bespitzelungsaffäre tätig geworden zu sein.

Immerhin: Interne Aussagen eines Telekom-Mitarbeiters nähren den Verdacht, dass bei der Telekom im Rahmen der Bespitzelungsaktion Bewegungsprofile von im "Fokus stehenden Personen" erstellt worden seien. Dazu notwendige Kontodaten, heißt es in der internen Aussage, habe "die Konzernsicherheit unter anderem von einem in Köln ansässigen Detektivbüro" ermitteln lassen.

Die Geschäftsräume der Argen GmbH in Köln wurden vor wenigen Tagen von der Staatsanwaltschaft durchsucht, um weiteres Material sicherzustellen. In dem Verfahren wird Cowling als Zeuge geführt. Gegenüber dem SPIEGEL räumte die Telekom inzwischen ein, dass die Abteilung Konzernsicherheit mindestens seit dem Jahr 2000 Aufträge an Argen vergeben habe.

Nach SPIEGEL-Informationen muss außerdem der frühere Telekom-Aufsichtsratsvorsitzende Klaus Zumwinkel im Skandal um die illegal ausgespähten Telefonverbindungsdaten womöglich mit einer Schadensersatzforderung des Konzerns rechnen. Sollte sich herausstellen, dass er den Chef der hausinternen Ermittlungsgruppe KS 3 tatsächlich direkt angewiesen habe, nach undichten Stellen im Aufsichtsrat zu suchen, habe Zumwinkel gegen die gesetzliche Kompetenzordnung in Aktiengesellschaften verstoßen. Dies begründe einen Schadensersatzanspruch, so der Schluss eines internen Untersuchungsberichts, der im Auftrag des Telekom-Vorstands erstellt wurde.

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