Ausverkauf Schwarzer Montag an den Börsen

Euro und Öl auf Rekordjagd, Aktien auf Talfahrt - die Sorgen wegen der Finanzkrise haben sich in Panik verwandelt. Der Dax sackt auf den tiefsten Stand seit Dezember 2006. Siemens-Aktien kommen regelrecht unter die Räder. Die Futures für die US-Börsen lassen Schlimmes befürchten.


Frankfurt am Main - Nicht allein die alarmierenden Nachrichten aus den USA, auch die Gewinnwarnung von Siemens Chart zeigen versetzte die Anleger in Panik. Der Dax fiel in den ersten Minuten um 3,02 Prozent auf 6257,05 Zähler und damit auf den niedrigsten Stand seit Dezember 2006. Der MDax Chart zeigen gab um 2,79 Prozent auf 8421,01 Punkte nach. Für den TecDax Chart zeigen ging es um 2,74 Prozent auf 711,80 Zähler nach unten.

Die jüngsten Sorgen vor einer Ausweitung der Kreditkrise trieben den Euro auf neue Rekordhöhen. In der Nacht zum Montag hatte die europäische Gemeinschaftswährung zeitweise bis auf 1,5903 Dollar zugelegt. Im frühen Handel ging der Wert wieder etwas zurück. Ein Dollar war 0,6324 Euro wert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Freitag noch auf 1,5561 Dollar festgesetzt.

Die Diskontsatzsenkung und die anhaltende Finanzkrise in den USA hatten den Dollar weiter unter Druck gebracht, sagten Händler. Die US-Notenbank (Fed) hatte am Sonntag überraschend den Diskontsatz um 0,25 Prozentpunkte gesenkt. Der Satz, zu dem sich Banken bei der Fed Liquidität verschaffen können, liegt nunmehr bei 3,25 Prozent. Zum japanischen Yen sank der Dollar auf 95,72 Yen und erreicht damit den niedrigsten Stand seit zwölf Jahren. Beobachter erwarten, dass die US-Notenbank den Leitzins am Dienstag um 0,75 Prozentpunkte auf dann 2,25 Prozent senken wird.

Ölpreis markiert neues Rekordhoch

Auch der Ölpreis erreichte ein neues Rekordniveau. Ein Barrel (159 Liter) der US-Sorte WTI kostete in der Nacht zum Montag 111,42 Dollar. Händler berichteten vor dem Hintergrund des auf neue Rekordtiefs gesunkenen Dollar von starkem Kaufinteresse institutioneller Anleger. Diese suchten angesichts des Zusammenbruchs der US-Investmentbank Bear Stearns und anhaltender Kursverluste an den weltweiten Aktienmärkten Schutz durch Investments in Öl, hieß es.

Der Dow Jones hatte im späten Freitagsgeschäft im Vergleich zum Xetra-Schluss zwar nur zehn Punkte abgegeben und 1,60 Prozent unter dem Vortagesniveau geschlossen - doch für den heutigen Handelsbeginn an der Wall Street lassen die Indikatoren bereits das Schlimmste befürchten: Der Future stand am Morgen aber mit 187 Punkten im Minus. Der Nikkei-225-Index schloss mit minus 3,71 Prozent. Am Nachmittag dürften US-Konjunkturdaten wie der New York Empire State Index interessieren.

Siemens-Titel brachen als Dax-Schlusslicht um 12,08 Prozent auf 70,42 Euro ein. Der Technologiekonzern hat seine Gewinnerwartungen gesenkt und rechnet im laufenden Quartal nach einer Überprüfung von Großprojekten mit einer Ergebnisbelastung von rund 900 Millionen Euro. Einem Händler zufolge sind die Probleme in der Energiesparte zwar nicht ganz neu. Eine so deutliche Gewinnwarnung sei aber schockierend und treffe den angeschlagenen Markt unvorbereitet. Ein anderer Börsianer sieht die Belastung für Siemens Chart zeigen selbst allein aus dieser reduzierten Prognose bei 1,17 Euro je Aktie. Ein weiterer Händler sagte: "Verglichen mit den aktuellen Analystenschätzungen liegt die neue Prognose meilenweit daneben."

TUI bester Wert im Dax

Für Finanzwerte ging es nach der Übernahme der angeschlagenen Investmentbank Bear Stearns durch JPMorgan Chase bergab. Hypo-Real-Estate-Papiere Chart zeigen verloren 8,21 Prozent auf 13,64 Euro, und die der Commerzbank Chart zeigen verbilligten sich um 5,04 Prozent auf 17,13 Euro. Die Finanzkrise bekomme mit der Bear-Stearns-Übernahme noch einmal einen ganz neuen Charakter, sagte ein Börsianer. Dass die Übernahme durch einen Aktientausch zum Preis von nur zwei Dollar je Aktie erfolgen soll, sei eine ziemliche Überraschung.

In solchem Umfeld wirken Verluste von weniger als einem Prozent beinahe solide. Linde-Papiere Chart zeigen zum Beispiel, die mit einem Minus von 0,94 Prozent auf 85,80 Euro deutlich besser abschnitten als der Markt. Der Technologiekonzern peilt für das laufende Geschäftsjahr erneut einen Umsatz- und Ergebniszuwachs an. Der Ausblick für das laufende Jahr sieht nach Einschätzung eines Händlers "auf den ersten Blick gut aus".

Auch TUI gehörte mit minus 0,56 Prozent auf 17,90 Euro zu den besten Werten im Leitindex. Vor der Sitzung des Aufsichtsrates haben sich Spekulationen um eine mögliche Abspaltung der Schifffahrtstochter Hapag-Lloyd weiter verstärkt. Der russische Großaktionär Alexej Mordaschow will laut "Welt am Sonntag" seinen Anteil an dem Touristik- und Schifffahrtskonzern aufstocken. Mordaschow sei bereit für ein klares Bekenntnis zu TUI-Chef Michael Frenzels touristischen Ambitionen und wolle seine Beteiligung von derzeit fünf auf zehn Prozent anheben, berichtet die Zeitung. Ein Händler kommentierte: "Dass Mordaschow seinen Anteil ausbauen will, überrascht nicht. Es ist aber neu, dass auch der Investor Chart zeigen eine Abspaltung von Hapag-Lloyd will - das ist positiv."

mik/dpa/dpa-AFX/Reuters/ddp/AP

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